Lebensmittel

Foodwatch: Streit um Produktrückrufe wegen Mineralölbelastung

Verbraucherschützer warnen vor Mineralöl-Rückständen in Lebensmitteln, für die immer noch gesetzlichen Höchstwerte fehlen.

Foodwatch fand bei der Untersuchung Mineralöl-Rückstände in 43 Prozent der untersuchten 120 Karton-verpackten Produkte. (Grafik: Foodwatch)

Foodwatch fand bei der Untersuchung Mineralöl-Rückstände in 43 Prozent der untersuchten 120 Karton-verpackten Produkte. (Grafik: Foodwatch)

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat in zahlreichen Lebensmitteln Mineralölrückstände gefunden. Daraufhin haben viele Hersteller reagiert, indem sie die betroffenen Produkte aus den Regalen nahmen. Allerdings gab es auch Widerstand gegen die Testergebnisse:

Weil foodwatch vor dem Verzehr eines belasteten Rewe-Produktes warnt, hat der Handelskonzern zunächst mit rechtlichen Schritten gedroht. „Rewe behält sich ausdrücklich vor, im Sinne der Verbraucher rechtliche Schritte zu prüfen“, schrieb das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite. Der eigenmächtige Rückruf wurde kritisiert, da laut Rewe keine empfohlenen Höchstwerte für Mineralölrückstände überschritten wurden. Da es derzeit jedoch keine verbindlichen Richtwerte gibt, stellte Foodwatch kurzerhand eigene Bewertungsrichtlinien auf, laut derer jede noch so kleine Menge an Mineralölrückständen bedenklich ist.

Foodwatch hatte daher eine Verzehrwarnung für den Bio-Weichweizengrieß der Rewe-Eigenmarke ausgesprochen, weil der Handelskonzern trotz bekannter Laboranalysen untätig blieb. In einem Labortest waren bei dieser Marke Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen worden, die die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) als potenziell krebserregend und erbgutverändernd beschreibt. Obwohl die Testergebnisse seit Ende Oktober öffentlich sind, reagierte Rewe zunächst nicht darauf. Ein – aus Sicht von foodwatch gebotener – Produktrückruf blieb aus.

Die Organisation erneuerte daraufhin die Verzehrwarnung. „Sollte der Handelskonzern weiter nicht aktiv werden, müssen aus Sicht von foodwatch die Behörden handeln und das betreffende Produkt aus dem Verkehr ziehen“, so foodwatch. Nachdem Rewe daraufhin nicht aktiv wurde, startete foodwatch einen öffentlichen Rückruf und hat Verbrauchern empfohlen, bereits gekaufte Grieß-Packungen in ihre Rewe-Filialen zurückzubringen und dort den Einkaufspreis zurückzuverlangen.

Bereits Ende Oktober 2015 hatte foodwatch die Ergebnisse eines umfassenden Mineralöltests mit 120 Lebensmitteln aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden publiziert. In der Laboranalyse wurden in einer Charge des Rewe-Bio-Weichweizengrieß‘ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.4.2016 aromatische Mineralöle nachgewiesen. Weil Mineralölrückstände durch ungeeignete Verpackungsmaterialien oder fehlerhafte Produktionsprozesse in die Lebensmittel gelangen, ist nach Auffassung von foodwatch der Verdacht naheliegend, dass auch weitere als die getesteten Chargen betroffen sind.

Ausgerechnet Verpackungen oder Umverpackungen aus Recyclingpapier enthalten demnach oft Mineralöle und eine Vielzahl anderer bedenklicher Substanzen. Altpapier schont zwar die Umwelt, birgt demnach aber erhebliche gesundheitliche Risiken. Denn fast alles, was in der Altpapiertonne landet, findet sich auch in der Verpackung und kann dann auf das Lebensmittel übergehen. Hauptsächlich sind das Mineralöle aus Druckfarben, aber in geringeren Mengen auch weitere potenziell gesundheitsschädliche hormonell wirksame Weichmacher oder Lösungsmittel.

Im Gegensatz zu Rewe hatte der italienische Hersteller Curti in der vorvergangenen Woche den bei Kaufland vertriebenen und ebenfalls mit aromatischen Mineralölen belasteten „Curtiriso Langkorn-Naturreis“ aus dem Verkauf genommen. Nach Aufforderung von foodwatch veranlassten Kaufland und Curti schließlich auch einen öffentlichen Produktrückruf, der zudem über das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betriebene Portal lebensmittelwarnung.de verbreitet wurde. Die Handelskette Real hat auch auf den foodwatch-Test reagiert und den Spitzen-Langkornreis der Marke „reis-fit“ ausgelistet. In einer Laboranalyse wurden in einer Charge des Produkts aromatische Mineralöle nachgewiesen.

Rewe hält dagegen bislang am Verkauf seiner ebenfalls belasteten Eigenmarke „Rewe Bio Weichweizengrieß“ fest. Inzwischen hat jedoch auch Rewe angekündigt, die Verpackung ab dem kommenden Jahr so zu verändern, dass eine Barriere zwischen Papier und Produkt das Lebensmittel vor Verunreinigung schützt. Die untersuchten Produkte bleiben jedoch weiter im Regal.

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