Ernährung

Nutricard: Forscher machen Lebensmittel gesünder

Die Ernährung kann sehr viel zur Gesundheit des Menschen beitragen. Doch statt die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung dahingehend zu ändern, machen sich Forscher aus Mitteldeutschland daran, die Lebensmittel selbst gesünder zu machen.

Ernährungswissenschaftlerin Gabriele Stangl koordiniert das Verbundprojekt Nutricard an der Universität Halle. (Foto: Markus Scholz)

Ernährungswissenschaftlerin Gabriele Stangl koordiniert das Verbundprojekt Nutricard an der Universität Halle. (Foto: Markus Scholz)

Die Zahl der Diäten wächst jedes Jahr und auch die Ausbreitung der smarten elektronischen Begleiter soll dabei helfen, das Übergewicht in den westlichen Ländern und die Folgekrankheiten zu reduzieren. Doch nicht jeder ist in der Lage, auf Dauer eine Ernährungsumstellung oder ein ausreichendes Sportprogramm durchzuhalten. Aus diesem Grund wollen Forscher aus Leipzig, Halle und Jena stattdessen etwas an den Lebensmitteln selbst ändern. Diese sollen gesünder werden, damit auch der häufige Konsum von Pizza langfristig nicht zu Gefäßkrankheiten führen muss.

Nutricard heißt das Projekt, das im vergangenen Jahr bereits vom Bundesministerium für Bildung und Forschung den Zuschlag für das Kompetenzcluster erhalten hat. In den ersten drei Jahren wird Nutricard nun mit etwa fünf Millionen Euro gefördert. Insgesamt haben die drei Universitäten bereits mehr als 70 Partner gefunden, auch Unternehmen sind darunter.

„Nehmen Sie zum Beispiel Weißbrot. Lange Zeit war die Industrie stolz auf das weiße, kleiefreie Mehl, das sie herstellen konnte“, sagt Gabriele Stangl von der Universität Halle. „Bis Ernährungswissenschaftler feststellten, wie wichtig Ballaststoffe für unsere Gesundheit sind.“ Seitdem sei die Auswahl an Vollkornprodukten wieder gestiegen.

Zusammen mit der Industrie sollen nun auch gängige Lebensmittel gesünder gemacht werden und die Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Ernährung genauer erforscht werden. Dabei sind die Herangehensweisen der Wissenschaftler der Exzellenzcluster je nach Lebensmittel ganz unterschiedlich. So soll beispielsweise in einem Hühnerstall durch mehr Licht der Vitamin-D-Gehalt der Eier erhöht werden. Schließlich wurden zuletzt Zusammenhänge zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zahlreichen anderen Krankheiten wie Knochenbrüchigkeit, Krebs, Muskelschwäche und bestimmten Autoimmunerkrankungen festgestellt.

Mehr Vitamin-D in Eiern könnte eine gute Alternative zu den bisherigen Nahrungsergänzungsmitteln sein. Diese kommen häufig in den Wintermonaten zum Einsatz. Vitamin-D kann der menschliche Körper nämlich nur mit Sonnenlicht auf seiner Haut produzieren. Doch in den Wintermonaten gehen die Menschen weniger vor die Tür: es ist kalt und nicht immer scheint die Sonne. Dabei reicht oft schon ein 20-minütiger Spaziergang, auch wenn die Sonne nicht direkt scheint und es wolkig ist.

Derzeit wird zudem die Reaktion der Hühner auf ein Ultraviolettlicht untersucht. „Wir orientieren uns dabei an einem Tag mit drei bis sechs Sonnenstunden. Die Tiere haben aber die Wahl“, so Stangl. „Sie können sich unter der Lichtquelle aufhalten, müssen es aber nicht.“ Die ersten Tests haben ergeben, dass sich das Verhalten der Hühner durch das Licht nicht verändert. „Es scheint sie zumindest nicht zu stören.“

Ein anderes Lebensmittel im Fokus der Wissenschaftler ist derzeit Wurst. In Leipzig wird getestet, wie die gesättigten Fettsäuren in Wurst reduziert werden können. In Jena beschäftigt man sich indes mit der blutdrucksenkenden Wirkung von ungesättigten Omega-3-Fettsäuren.

Nach drei Jahren soll das Cluster vom Bundesministerium ausgewertet werden. Sollte es gelingen, eine zweite Förderphase zu erreichen, wollen sich die Wissenschaftler unter anderem der Reduzierung von Salz in Lebensmitteln widmen. „Wir wissen, dass der hohe Salzgehalt in den Lebensmitteln, die derzeit produziert werden, bei vielen Menschen zu hohem Blutdruck führt und damit auch das Risiko für viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Uns stellt sich deshalb die Frage: Wie weit kann man den Salzgehalt von Lebensmitteln senken, ohne dass es für den Menschen geschmacklich einen Unterschied macht?“

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