Wirtschaft

Biotechnologie: Millionenschwerer Börsengang geplant

Mit der Brain AG will das erste Mal seit fast einem Jahrzehnt ein deutsches Biotech-Unternehmen an die Frankfurter Börse gehen. Anfang Februar soll der Börsengang erfolgen. Den erhofften zweistelligen Millionenbetrag will das Unternehmen in die Bereiche Forschung und Entwicklung stecken.

Mikroskopaufnahme. (Foto: BRAIN AG, © Christian Schnakenberg)

Mikroskopaufnahme. (Foto: BRAIN AG, © Christian Schnakenberg)

Für die Medizin und die Nahrungsmittelbranche wird die Biotechnologie immer wichtiger. Während die Umsätze beispielsweise bei den Medizintechnik-Unternehmen in Europa und in den USA 2015 nur bei 2 Prozent lagen, erfreuen sich die Biotechnologie-Unternehmen einer immer größeren Nachfrage. Mit der BRAIN AG aus dem hessischen Zwingenberg will nun das erste Mal seit neun Jahren ein deutsches Biotechunternehmen an die Frankfurter Börse gehen.

Im vergangenen Jahr lag die Gesamtleistung des Unternehmens bei 25,7 Millionen Euro. Der operative Verlust vor Steuern lag bei 4,6 Millionen Euro. „Der starke Ausbau der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten einerseits sowie andererseits die Erstkonsolidierung der WeissBioTech, die die künftig zu erwartenden Ergebnisbeiträge aus der BRAIN Produkt-Pipeline noch nicht beinhaltet, lassen die Relation zwischen dem Umsatzsprung und der absoluten Ergebnisentwicklung erklären“, so das Unternehmen. Der Erlös aus der Ausgabe neuer Aktien soll vollständig dem Unternehmen zugutekommen.

Derzeit gehören 51 Prozent des Aktienkapitals der BRAIN AG der MP Beteiligungs-GmbH. „Nun sind wir soweit, dass wir uns auch finanziell auf eine breite Basis stellen wollen, um von dem Rückenwind, den wir in der Industrie verspüren, umfassend zu profitieren. Der geplante Börsengang stellt für den Ausbau des Unternehmens einen wichtigen Schritt dar“, so Jürgen Eck, Vorstandsvorsitzender der BRAIN AG.

Das so generierte frische Kapital soll überwiegend in den Bereich der Forschung und Entwicklung fließen. Besonders in der Chemiebranche sieht das Unternehmen seine Zukunft. Ein Fokus liegt auf die Nutzbarmachung von Enzymen und anderen Wirkstoffen für die Anwendung in der Medizin-, Nahrungsmittel- und Chemie-Industrie.

Derzeit gibt es in Deutschland etwa 579 Unternehmen im Bereich der Biotechnologie. „Die Medizintechnikbranche profitiert hierbei eindeutig vom äußerst robusten Börsenboom des Biotech-Sektors“, sagt Siegfried Bialojan. „Es wird entscheidend sein, wie das dadurch erzeugte Interesse des Kapitalmarkts an High-Tech-Entwicklungen insgesamt nachhaltig aufrechterhalten werden kann.“ Hier müsse die Branche anknüpfen, denn sie werde sich nicht immer auf das derzeit noch positive Zinsumfeld verlassen können. „Investoren wollen in Zukunft noch stärker von der Qualität der Innovationen überzeugt werden.“

2014 aber war der Anteil der öffentlichen Förderung erstmals seit zehn Jahren gesunken: von 49 auf 44 Millionen, so die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie. Der Umsatz der deutschen Biotechnologie-Branche lag 2014 bei drei Milliarden Euro. In Forschung und Entwicklung investierten die Unternehmen wiederum 950 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr wagte die Schwäbische Curetis den Sprung an die Amsterdamer Börse Euronext. Probiodrug aus Hamburg ist hier ebenfalls zu finden. An der New Yorker Nasdaq versuchte der Tübinger Krebs-Spezialist Affimed 2014 sein Glück.

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