Wirtschaft

Pharmaunternehmen erwarten Umsatzrückgänge

Der Boom der Generika führt zu einem Umbruch in der Pharmabranche. Die Hersteller von Originalpräparaten müssen mit immer mehr Rabattverträgen Vorlieb nehmen und kämpfen mit anhaltend sinkenden Preisen. Die Hersteller von Generikaprodukten hingegen verbuchen steigende Umsätze und kommen aber mit der Produktion kaum hinterher.

Der Anteil der Biotechnologie an der Herstellung der Medikamente wird sich noch deutlich steigern (Grün). (Grafik: Deloitte)

Der Anteil der Biotechnologie an der Herstellung der Medikamente wird sich noch deutlich steigern (Grün). (Grafik: Deloitte)

Der Trend hin zu mehr Generika und weg von Originalprodukten wird sich in diesem Jahr noch weiter verstärken. Das führt bei etlichen alteingesessenen Unternehmen in der Industrie zu neuen Umsatzeinbußen, wie eine aktuelle Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Allein in Deutschland kommen Generika immer häufiger zum Einsatz. So beträgt der Anteil der Generika an der Arzneimittelversorgung in den Krankenhäusern 54 Prozent und in der ambulanten Versorgung sogar 76 Prozent.

In Zeiten sinkender staatlicher Förderung sind Generika und Biosimilars für Krankenkassen und Krankenhäuser heute eine gute Alternative, um die eigenen Kosten zu senken. Allein für den Markt der Biosimilars rechnet die Branche mit einem weltweiten Umsatz von 25 bis 35 Milliarden Dollar bis 2020. „Seit der ersten Biosimilar-Zulassung in der EU 2006 wächst auch dieser Markt stetig. Heute gibt es mehr als 700 Medikamente dieses Typs mit Zulassung bzw. laufendem Verfahren.“ Gleichzeitig kommt es aber immer wieder zu Lieferengpässen, weil die Produktion den Bestellungen hinterherhinkt.

Ähnlich erfolgreich ist auch der Biotech-Markt. „Der Anteil von Biotech-Medikamenten einschließlich Impfstoffen, monoklonalen Antikörpern und rekombinanten Produkten am Gesamtabsatz der Pharmabranche liegt derzeit bei 18 Prozent, wird aber voraussichtlich auf 26 Prozent bis zum Jahr 2019 steigen“, heißt es in der Studie. Und so waren 2014 vor allem Biotech-Produkte oft unter den Top-10-Umsatzbringern.

Doch wie bei den herkömmlichen Medikamenten nimmt auch der Druck zwischen Unternehmen, die Biosimilars herstellen, und den Pharmakonzernen, die die Originalpräparate auf den Markt gebracht haben, zu. Der Pharmaverband Pro Generika hat nun gefordert, den Markt stärker für biotechnologisch hergestellte Nachahmerprodukte zu öffnen. Schließlich würden die Biosimilars einen einfachen und preisgünstigen Medikamentenzugang für Patienten ermöglichen. Auch hier werden Rabattverträge von den Krankenkassen bevorzugt und drücken die Preise.

Das stellt vor allem die klassischen Pharmaunternehmen vor große Herausforderungen. In Zeiten sinkender Gesundheitsausgaben in vielen Ländern werden sie stetig mit neuen Rabattverträgen konfrontiert und sehen sich sinkenden Preisen aufgrund der hohen Anzahl der Generika gegenüber. Die Pharmaunternehmen rechnen mit einem Rückgang des Medikamentenumsatzes um 2,7 Prozent. „Als Folge erwartet die Branche bis 2019 ein geringeres Wachstum als vor Beginn der Rezession 2009“, so die Studie.

Im vergangenen Jahr war der Marktanteil der Biotech-Produkte, deren Patentschutz endete, erstmals größer als der klassisch produzierter Medikamente.

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