Wirtschaft

Deutschlands Biotech-Industrie boomt

Die deutsche Biotech-Branche konnte im vergangenen Jahr fast 40 Prozent mehr Kapital einsammeln als noch im Jahr zuvor. Sowohl in Sachen Forschung und Personalaufbau wollen die Unternehmen nun in diesem Jahr wachsen.

 Im Jahr 2016 planen 66 Prozent der befragten Unternehmen, Personal aufzubauen. (Grafik: BIO Deutschland)

Im Jahr 2016 planen 66 Prozent der befragten Unternehmen, Personal aufzubauen. (Grafik: BIO Deutschland)

Der angekündigte Börsengang des deutschen Biotechunternehmens Brain war bereits ein Vorgeschmack auf den guten Ausblick der Branche. Investoren setzen auf das Potential der Biotechfirmen. Im vergangenen Jahr konnten die deutschen Biotechunternehmen Kapital in Höhe von 553 Millionen Euro einnehmen. Das sind 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein neuer Höchststand seit 2010. Der Umsatz der deutschen Biotechnologiebranche lag 2014 bei drei Milliarden Euro.

Neben institutionellen Investoren haben besonders Privatinvestoren in größerem Umfang als zuvor zugegriffen. Diese investierten 2015 immerhin 163 Millionen Euro in die deutschen Biotechunternehmen. Eine Umfrage des Verbandes der Biotechnologie-Industrie BIO Deutschland zeigt, dass 60 Prozent der Unternehmen auch für dieses Jahr noch eine Verbesserung der aktuellen Situation erwarten.

Aus diesem Grund will die Mehrheit der Befragten in den kommenden Monaten die Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen. Auch eine Steigerung des Personals wird von vielen Biotechunternehmen geplant. „Die deutsche Biotech-Branche setzt ihr Wachstum fort, stärkt ihre Bedeutung sowohl durch Pharma-Partnerschaften als auch durch zunehmend internationale Investoren und unterstreicht damit ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, betonte Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der BIO Deutschland. „Der Aufschwung und die Internationalisierung werden sich jedoch nur fortsetzen, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen gerade für die mittleren und kleinen Unternehmen und auch für die Investoren deutlich verbessern.“

Die deutschen Biotechunternehmen profitieren insgesamt von dem Boom der Branche. Die europäischen Biotechfirmen haben insgesamt 6,26 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an der Börse einsammeln können. 2014 waren es noch 3,44 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von über 80 Prozent. 25 Börsengange fanden 2015 in Europa statt. Im vergangenen Jahr wagte die Schwäbische Curetis den Sprung an die Amsterdamer Börse Euronext, ebenso Probiodrug aus Hamburg. An der New Yorker Nasdaq versuchte dagegen der Tübinger Krebs-Spezialist Affimed 2014 sein Glück.

„Die Finanzierungssituation für die Biotechnologie hat sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar verbessert“, so Sandra Wirsching von der BIOCOM AG. „Der nun für Frankfurt angekündigte Börsengang könnte hierzulande ein Eisbrecher sein und für noch mehr Aufwind sorgen.“ Damit spielt Wirsching auf den angekündigten Börsengang der Brain AG an. Mit der BRAIN AG aus dem hessischen Zwingenberg will nun das erste Mal seit neun Jahren ein deutsches Biotechunternehmen an die Frankfurter Börse gehen.

Das so generierte frische Kapital soll überwiegend in den Bereich der Forschung und Entwicklung fließen. Besonders in der Chemiebranche sieht das Unternehmen seine Zukunft. Ein Fokus liegt auf der Nutzbarmachung von Enzymen und anderen Wirkstoffen für die Anwendung in der Medizin-, Nahrungsmittel- und Chemie-Industrie.

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