Krankenkassen

Krankenkassen erwarten deutlich höhere Zusatzbeiträge

Steigende Zusatzbeiträge wird es auch in den kommenden Monaten geben. Steigende Arzneimittelkosten und Investitionsstau bei den Krankenhäusern lassen die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen ansteigen.

Den Krankenkassen reichen die derzeitigen Rabattverträge mit den Pharmaunternehmen nicht aus. (Foto: Flickr/Dirk Vorderstraße/CC by 2.0)

Den Krankenkassen reichen die derzeitigen Rabattverträge mit den Pharmaunternehmen nicht aus. (Foto: Flickr/Dirk Vorderstraße/CC by 2.0)

Die gesetzlichen Krankenkassen rechnen mit deutlich steigenden Beiträgen in den nächsten Jahren. „Durch die teure Gesetzgebung der großen Koalition wird der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bis 2020 auf zwei Prozent steigen“, sagte der Vorsitzende des Ersatzkassenverbandes, Christian Zahn.

Zurzeit liegt der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer allein zahlen müssen, im Schnitt bei 1,1 Prozent. In den nächsten Jahren würden die Sätze für die Mitglieder um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen, sagte Zahn voraus. Der Grund seien erwartete zusätzliche Ausgaben in den nächsten fünf Jahren von 16 Milliarden Euro.

Zahn sprach sich als kurzfristige Gegenmaßnahme dafür aus, die Finanzpolster des Gesundheitsfonds abzuschmelzen und die freiwerdenden Mittel zur Abfederung der Kosten einzusetzen, die durch Reformen etwa im Krankenhaussektor anfielen. Die Mehrheit der deutschen Krankenhäuser habe kaum mehr finanzielle Spielräume. Zu stark wurden die Mittel der Kommunen in den vergangenen Jahren verringert. Es herrscht ein akuter Investitionsmangel, der in naher Zukunft gelöst werden muss.

In den kommenden fünf Jahren soll der Investitionsbedarf auf sieben Milliarden Euro ansteigen. Die Beitragszahler werden dafür auf jeden Fall die Rechnung erhalten. Entweder im Stile weiter steigender Zusatzbeiträge oder einer neuen Steuer. Zahn schlug vor, die vorgeschriebene Mindestreserve auf höchstens 35 Prozent einer Monatsausgabe festzuschreiben.

Die staatlichen Förderungen sind in den vergangenen 15 Jahren um real 25 Prozent deutschlandweit gesunken. Aus diesem Grund würden zwischen 30 und 40 Prozent der deutschen Kliniken seit mehr als zehn Jahren in den roten Zahlen stehen, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).

Belastend für die Krankenkassen sind zudem die steigenden Arzneimittelausgaben. Allein zwischen 2007 und 2014 sind die Kosten für Arzneimittel bei der KKH um 32 Prozent gestiegen. Hier wird zukünftig der Generika- und Biosimilar-Markt weiter anwachsen. Die aktuellen Marktdaten zeigen, dass die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr durch einen höheren Einsatz von Generika 2,7 Milliarden Euro hätten einsparen können.

Der Verband, dem die Marktführer Techniker Krankenkasse (TK) und Barmer GEK angehören, fordert zudem eine Rückkehr zur vollen paritätischen Finanzierung der Beiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wofür sich auch SPD, Grüne und Linke starkmachen. Bislang teilen sich beide lediglich den Grundbeitrag von 14,6 Prozent. Die Zusatzbeiträge zahlen die Mitglieder jedoch allein.

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