Datenschutz

Mehrheit der Europäer begrüßt das Sammeln persönlicher Gesundheits-Daten

Die Gesundheitsinstitutionen genießen bei den europäischen Verbrauchern deutlich mehr Vertrauen im Umgang mit ihren Daten als deren Arbeitgeber oder Banken. Dennoch sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen skeptischer. Hierzulande befürworten nur 42 Prozent die Sammlung von persönlichen Daten im Gesundheitsbereich.

https://www.flickr.com/photos/opensourceway/7496802276/

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Die Digitalisierung spielt auch im Gesundheitsbereich eine immer wichtigere Rolle. Vor allem die Zunahme von Smartphones und so genannten Fit-Bändern macht das Datensammeln einfach und verspricht eine schnelle Speicherung und die Möglichkeit, die Daten zu teilen. Doch wer letztlich, abgesehen vom User selbst, die Daten nutzt, ist nicht immer nachvollziehbar. Datenlecks und auch der nicht immer seriöse Umgang mit Daten bieten zahlreiche Angriffspunkte für Datenschützer.

Kritisch sind die User dem wilden Datensammeln gegenüber aufgrund oft fehlender Transparenz. Unternehmen wie Staaten haben in den vergangenen 18 Monaten gezeigt, dass viele Daten ohne Wissen der User und ohne deren Einverständnis gespeichert und auch ausgewertet wurden. Und so sehen 51 Prozent der europäischen Nutzer eher Nachteile als Vorteile von Big Data. „Gerade einmal zehn Prozent der Befragten geben beispielsweise an, kein Problem damit zu haben, wenn ein Shop ihre Daten für Werbezwecke und Marketingaktionen an Dritte weitergibt“, so die Studie.

Aber es gibt Anwendungsbereiche, wo die Bereitschaft zum Teilen von Daten lockerer gesehen wird. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS-Infratest gezeigt, für die 8.000 Europäer befragt wurden. Demnach gaben 65 Prozent der Befragten an, „ihre Daten und die vieler anderer Menschen anonym von Gesundheitsinstitutionen sammeln zu lassen, um Verbesserungen bei der Entdeckung und Behandlung von Krankheiten zu erreichen“. Aber auch bei der Sammlung, Speicherung und Analyse der Gesundheitsdaten in nicht anonymisierter Form sind durchschnittlich 53 Prozent der Europäer einverstanden.

Das Vertrauen in Big Data ist nicht nur von der Art und dem Zweck des Sammelns abhängig. Es gibt auch große Unterschiede hinsichtlich der Frage, wer die Daten nutzt. Während 43 Prozent angeben, dass sie davon ausgehen, Gesundheitseinrichtungen würden mit den Daten verantwortungsvoll umgehen, genießen Arbeitgeber und Banken deutlich weniger Vertrauen: 36 und 33 Prozent. Schlechter schneiden nur die Suchmaschinen und die Social-Media-Plattformen ab.

Die Deutschen sind unter den Europäern in puncto Big Data deutlich misstrauischer. Mit 61 Prozent der Befragten, die eher Nachteile als Vorteile bei Big Data sehen, liegen die Deutschen über dem EU-Durchschnitt. In Irland überwiegen beispielsweise nur für 38 Prozent die Nachteile. Diese Skepsis zeigt sich auch im Gesundheitsbereich. Hier fühlen sich 42 Prozent der Deutschen auf der sicheren Seite. In Spanien (86 %) oder in Italien (79 %) ist man aufgeschlossener.

Die Skepsis gegenüber dem umfangreichen Sammeln von Gesundheitsdaten zeigt sich in Deutschland aber nicht nur bei den Nutzern. Auch Ärzte in Deutschland mahnen zu gesunder Skepsis. Mehr als 72 Prozent der befragten Ärzte in England, Frankreich und Deutschland haben ihren Patienten bereits eine App, ein Forum oder ein mobiles Gerät zur Überwachung ihrer Beschwerden empfohlen. Aber ein Drittel der deutschen Ärzte misstraut den Daten der mobilen Überwachung der Gesundheitswerte, fast jeder dritte ist sogar besorgt, dass die Apps Konflikte zwischen Patient und Arzt auslösen könnten.

Und dennoch: Mittlerweile nutzt jeder Sechste in Deutschland Gesundheitsapps und jeder Dritte interessiert sich dafür. Immerhin ein Drittel der Smartphone-Nutzer ist laut einer Umfrage der Bitkom sogar bereit, seine Daten an die Krankenkasse weiterleiten zu lassen. Jeder fünfte Befragte (19 %) wünscht sich im Gegenzug für die Weiterleitung seiner Daten Versicherungsrabatte.

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