Wirtschaft

Studie: Weichmacher in Verpackungen machen dick

Seit in Verpackungen Weichmacher nachgewiesen werden konnten, steht die Verpackungsindustrie in der Kritik. Weichmacher stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Eine neue Studie zeigt nun jedoch auch einen Zusammenhang zwischen Weichmachern und Übergewicht.

Die Menschheit produziert viel und billig: Giftstoffe aus Plastikverpackungen können auch in den Blutkreislauf gelangen – eine gefährliche Entwicklung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. (Foto: Flickr/außerirdische sind gesund/CC BY SA 2.0)

Die Menschheit produziert viel und billig: Giftstoffe aus Plastikverpackungen können auch in den Blutkreislauf gelangen – eine gefährliche Entwicklung mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit. (Foto: Flickr/außerirdische sind gesund/CC BY SA 2.0)

Nicht selten werden in der Entwicklung von Kunststoffen Phthalate als Weichmacher genutzt. Sie machen den Kunststoff oft erst biegsam und dehnbar. Eine Praxis, die schon seit längerer Zeit ihre Anwendung findet. Dass Kunststoffe mit Weichmachern geschmeidig gemacht werden, ist an sich noch kein Problem. Allerdings können diese unter bestimmten Umständen aus dem Material austreten und in die verpackten Lebensmittel etc. eindringen.

Phthalate sind nicht ungefährlich. Sie sind möglicherweise krebserregend und neuesten Untersuchungen zufolge gibt es Hinweise darauf, dass diese Weichmacher in der Schwangerschaft zu einer DNA-Veränderung führen können. In einer Studie wurden zwei Mäuseweibchen aus genetisch jeweils unterschiedlichen Stämmen während der Schwangerschaft mit Weichmachern wie Phthalaten gefüttert. Die verabreichten Dosen lagen deutlich über den für Menschen akzeptablen Grenzwerten. Ein Blick in die Spermien und das Erbgut der männlichen Nachkommen eines Mäusestammes zeigte Veränderungen.

Die Veränderungen fanden sich bei zwei bestimmten Anhängseln im Erbgut, die die Aktivität von Genen lenken. Ein Umstand, der zusammen mit der Unfruchtbarkeit der männlichen Nachkommen aufgetreten sei, so die Forscher. Die Änderungen traten genau bei den Genen auf, die bei der Orientierung und Heranreifung von Spermien wichtig seien.

Weichmacher können über die Nahrung oder auch über die Haut (in Kleidung) in den menschlichen Körper gelangen. Ein Zusammenhang zwischen Weichmachern und Übergewicht wurde bisher nur vermutet.

Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) fanden zusammen mit dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas-Erkrankungen der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig in einer Studie heraus, dass das Phthalat DEHP zu einer Gewichtszunahme führt und welche Stoffwechselprozesse daran beteiligt sind.

„Bislang ist kaum etwas darüber bekannt, wie genau Phthalate im Körper wirken und wie sie Einfluss auf das Körpergewicht nehmen können – und genau da wollten wir mit unserer Studie ansetzen“, sagt Martin von Bergen vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. In Tests nahmen Mäuse die Phthalate über das Trinkwasser zu sich. Vor allem die Weibchen nahmen deutlich an Gewicht zu. „Phthalate greifen ganz offensichtlich massiv in den Hormonhaushalt ein. Bereits in geringen Konzentrationen führen sie zu deutlichen Veränderungen, wie beispielsweise der Gewichtszunahme“, betont von Bergen.

So stieg der Anteil ungesättigter Fettsäuren im Blut, der Glukosestoffwechsel war beeinträchtigt. Selbst die Zusammensetzung von Rezeptoren im Blut veränderte sich. Das kann zu einer Umstellung des Stoffwechsels führen. „Einige Stoffwechselprodukte, die vom Fettgewebe gebildet werden, sind unter anderem auch als Botenstoffe aktiv und steuern Funktionen in anderen Organen“, so von Bergen. „Noch ist aber nicht abschließend geklärt, wie sich die unterschiedlichen Effekte von Phthalaten auf den Stoffwechsel untereinander beeinflussen und letztlich zu einer Gewichtszunahme führen.“

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