Studie

Kassenwechsel: Leistung ist Versicherten wichtiger als Preis

Trotz steigender Beiträge bei den Kassen bleibt die Wechselrate gering: Zusatzbeiträge allein werden laut aktuellerUmfrage nur sehr selten als entscheidender Faktor für einen Kassenwechsel genannt. Versicherte legen demnach mehr Wert auf den Service und die Leistungen.

Der Service zählt: Die Zusatzbeiträge allein werden in der Umfrage nur sehr selten als entscheidender Faktor für einen Kassenwechsel genannt. (Grafik: AOK-Mediendienst)

Der Service zählt: Die Zusatzbeiträge allein werden in der Umfrage nur sehr selten als entscheidender Faktor für einen Kassenwechsel genannt. (Grafik: AOK-Mediendienst)

Zahlreiche Krankenkassen haben zum Jahreswechsel ihren Zusatzbeitrag teils deutlich erhöht. Dennoch machen die wenigsten Mitglieder von ihrem Sonderkündigungsrecht zum Wechsel in eine günstigere Versicherung Gebrauch.

Bei der Wahl ihrer Krankenkasse achten die meisten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor allem auf das Leistungsangebot. Der reine Preis spielt demgegenüber für viele nur eine untergeordnete Rolle. Das belegt der aktuelle WIdOmonitor über die Beitragssatzwahrnehmung und Wechselbereitschaft in der GKV. In der Umfrage des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aus dem dritten Quartal 2015 nennen nur knapp über drei Prozent der GKV-Mitglieder den Preis einer Kasse allein als entscheidenden Faktor für einen Kassenwechsel.

Die vergleichsweise geringe Bedeutung der Beitragshöhe zeigt sich auch in der Wahrnehmung der Preisunterschiede zwischen den Kassen. Vier von fünf GKV-Mitgliedern wissen nicht, dass der Krankenkassenbeitrag Anfang 2015 neu geregelt wurde. 83 Prozent sind sich darüber hinaus gar nicht bewusst, dass sie einen individuellen Zusatzbeitrag zahlen.

Wie der WIdOmonitor mit seiner Umfrage bei über 2.000 GKV-Mitgliedern belegt, sind gute und ergänzende Leistungen sowie Kostenübernahmen für 36,8 Prozent der Mitglieder bei der Kassenwahl das wichtigste Kriterium. Gute persönliche Betreuung und Serviceorientierung spielen für 23,8 Prozent die ausschlaggebende Rolle. 12,9 Prozent nennen allgemeine Sicherheits- und Zufriedenheitsaspekte. Weitere 13,3 Prozent achten am stärksten auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Preis bzw. der Zusatzbeitrag einer Kasse allein wird nur sehr selten als entscheidender Faktor für einen Kassenwechsel genannt (3,4 Prozent).

„Es spricht vieles dafür, dass es der Politik mit der Neuregelung 2015 gelungen ist, den Preiswettbewerb der Krankenkassen deutlich zu entschärfen und damit die Voraussetzungen für mehr Qualitätswettbewerb zu schaffen“, kommentierte Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, die Ergebnisse des WIdOmonitors.

Seit der Neuregelung erheben die Kassen einen einkommensabhängigen, prozentualen Zusatzbeitrag, der direkt vom Arbeitgeber oder der Rentenversicherung einbehalten wird. Damit wurde der Zusatzbeitrag weniger „auffällig“ für die Versicherten – so wurde das vorherige System eines pauschalen Beitrags abgelöst, das zu teils hektischen Wechseln der Krankenkasse vor allem bei jungen und gesunden Mitgliedern geführt hatte.

Zum Jahresbeginn 2016 ist der Zusatzbeitrag im Durchschnitt um 0,2 Prozent gestiegen und damit vergleichsweise überschaubar. Dennoch fordern Politiker und Verbände, die Arbeitgeber wieder an dem Zusatzbeitrag zu beteiligen und so die Versicherten zu entlasten. 80 Prozent aller GKV-Mitglieder zahlten nun einen Zusatzbeitragssatz um 1,0 bis 1,7 Prozent, erklärte der Vorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Christian Zahn. Er bekräftigte daher die Forderung des vdek nach der Wiedereinführung des Grundsatzes der paritätischen Finanzierung in der GKV, denn durch die steigenden Zusatzbeitragssätze verschiebe sich die früher einmal hälftige Finanzierung zwischen Mitgliedern und Arbeitgebern zunehmend zugunsten der Arbeitgeber. Mit den jüngsten Beitragssatzsteigerungen sei der Arbeitgeberanteil auf 46,5 Prozent gesunken; im Jahre 2020 werde er voraussichtlich nur noch 44 Prozent betragen. Zahn appellierte an die Arbeitgeber, in der Sozialpartnerschaft gemeinsam mit den Versichertenvertretern wieder mehr Verantwortung für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu übernehmen.

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