Krankenkassen

Mogelpackung: Kritik zum Start der Terminservicestellen

Zum schleppenden Start der telefonischen Facharztvermittlung gibt es von Ärzten, Verbänden und Politik heftige Kritik.

Die Wartezeit für einen Facharzttermin soll durch die Vermittlung durch die Kassen kürzer werden. (Foto: flickr/ Techniker Krankenkasse/ cc by 2.0)

Die Wartezeit für einen Facharzttermin soll durch die Vermittlung durch die Kassen kürzer werden. (Foto: flickr/ Techniker Krankenkasse/ cc by 2.0)

Die neuen Vermittlungsstellen für einen schnellen Facharzttermin sind zum Teil nur schleppend angelaufen. So meldeten sich am ersten Tag etwa bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg nur zehn Kassenpatienten. Diese können sich seit heute mit einer ärztlichen Überweisung in dringenden Fällen an eine der 17 Terminservicestellen wenden. Danach sollten gesetzlich Versicherte innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt bekommen.

Zum Start der Terminservicestellen äußerte die Grünen-Sprecherin für Gesundheitspolitik, Maria Klein-Schmeink, deutliche Kritik:

„Lange Zeit hat die Bundesregierung die Kritik an langen Wartezeiten gesetzlich Versicherter als reine Neiddebatte abgetan. Es ist gut, dass die Realitätsverweigerung nun endlich ein Ende hat. Allerdings ist schon zum Start klar: Die Terminservicestellen sind eine reine Symptombehandlung. Das Problem wird nicht an der Wurzel gepackt. Die Anreize, gesetzlich und privat Versicherte unterschiedlich zu behandeln, bleiben bestehen.“

Klein-Schmeink zufolge würden Hilfesuchende und Patienten letztlich auf ein Call-Center verwiesen und verlören damit faktisch ihr Recht auf freie Arztwahl. Damit habe die Koalition eine Regelung für die Galerie geschaffen, die außer Bürokratie kaum entscheidende Verbesserungen bringe.

Zudem berichtet die Politikerin, dass etliche Kassenärztliche Vereinigungen in den Regionen offenbar bei den Öffnungszeiten der Servicestellen und den zumutbaren Entfernungen zum nächsten Facharzt tricksen würden. „Das ist ein merkwürdiges Selbstverständnis einer Institution, die für die Sicherstellung der Versorgung zuständig ist“, so Klein-Schmeink. Sie fordert, der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung und die Kassenärztliche Bundesvereinigung müssten die Tricksereien auf Kosten der Versicherten durch klare Vorgaben beenden.

Untersuchungen der Grünen in verschiedenen Bundesländern haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass gesetzlich Versicherte deutlich länger auf Arzttermine warten müssen als privat Versicherte. Zuletzt hatte eine Befragung in Bayern ähnliche Ergebnisse gezeigt.

Dazu kritisiert auch der GKV-Spitzenverband, die Ärzteschaft müsse die Terminservicestellen vernünftig umsetzen. „Ich hoffe, dass es besser wird, wenn die Krankenversicherungen dies jetzt auch vernünftig umsetzen und die Terminservicestellen funktionieren. Es wäre besser gewesen, wenn sie sich auch ohne Gesetz für die gesetzlich Versicherten starkgemacht hätten“, sagte Doris Pfeiffer gegenüber Welt Online zum Start der Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVn) am 23. Januar 2016. In der Vergangenheit hätten Privatversicherte häufig schneller einen Termin beim Facharzt bekommen. Die Kassenärzte sollten sich aber bewusst sein, dass 90 Prozent der Deutschen gesetzlich versichert sind. „Es gibt genug Ärzte, in Ballungsräumen sind es sogar zu viele. Auch im internationalen Vergleich ist die Arztdichte hoch. Doch es gibt dünn besiedelte Regionen, in denen relativ wenig Fachärzte vertreten sind. Da braucht man eine andere Verteilung.“

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