Innovation

Schnelle Diagnose: Bluttest zeigt, ob Antibiotika nötig sind

Der neue Test soll helfen, den unnötigen Einsatz von Antibiotika bei Virusinfekten zu vermeiden.

Mittels Blutprobe kann man künftig schnell ermitteln, ob eine Infektion mit Antibiotika behandelbar ist. (Foto. Flickr/ Wellcome Images/ cc by 2.0)

Mittels Blutprobe kann man künftig schnell ermitteln, ob eine Infektion mit Antibiotika behandelbar ist. (Foto. Flickr/ Wellcome Images/ cc by 2.0)

Als entscheidender Schritt bei der Bekämpfung von Antibiotikaresistenz könnte sich ein neuer Test erweisen, der herausfinden kann, ob Infektionen etwa der Atemwege durch Viren oder Bakterien verursacht wurden.

Forscher der Duke University in North Carolina/USA haben laut ihrer Mitteilung entdeckt, dass Gene jeweils unterschiedlich reagieren, je nachdem, ob sie Viren oder bakterielle Infektionen bekämpfen.

Mit einem einfachen Bluttest konnten die Ärzte so innerhalb einer Stunde bestimmen, ob sie Antibiotika verschreiben sollten oder nicht.

Die meisten Infektionen der Atemwege werden durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Dennoch verschreiben Ärzte häufig Antibiotika bei Husten und Erkältungen – oft fühlen sie sich dazu von Patienten unter Druck gesetzt.

Diese Praxis jedoch führt zu häufig unnötiger und unwirksamer Einnahme von Antibiotika, was die Resistenzgefahr noch einmal erhöht. Gesundheitsexperten warnen davor, dass die wachsende Antibiotikaresistenz die Medizin zurück in die dunklen Zeiten versetzen könnte, als selbst die kleinsten Infektionen tödlich verliefen. Längst zirkulieren multiresistente Stämme von Salmonellen und E. coli, gegen die selbst die stärksten Antibiotika nichts mehr ausrichten können.

Doch mit dem neuen Test könnten die Ärzte den Patienten künftig einen definitiven Grund nennen, warum die Medikamente nicht funktionieren würden. Viele HNO-Patienten hätten inzwischen ein beunruhigendes Vertrauen in die Allheilwirkung von Antibiotika. Die neuere Forschung habe auch gezeigt, dass Hausärzte niedrigere Zufriedenheitswerte von Patienten erhielten, wenn sie beschlössen, diese Medikamente gar nicht erst zu verschreiben. Der Test wäre daher unglaublich nützlich, berichteten Ärzte der britischen Tageszeitung Telegraph.

„Eine Infektion der Atemwege ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen zum Arzt kommen“, so der führende Autor der Studie, Ephraim Tsalik von der Duke Health in North Carolina. „Wir nutzen eine Vielzahl von Informationen, um eine Diagnose zu stellen, aber es gibt keinen effizienten und genauen Weg um festzustellen, ob die Infektion bakteriell ist oder viral.“ Etwa drei Viertel der Patienten bekämen daher am Ende Antibiotika, um eine bakterielle Infektion zu bekämpfen, obwohl die meisten eine virale Infektion hätten. „Der überschüssige Antibiotika-Einsatz ist mit Risiken behaftet, sowohl für den Patienten als auch für die öffentliche Gesundheit“, so Tsalik.

Antibiotika sind seit mehr als 60 Jahren die Hauptstütze der Behandlung von Infektionen. Doch auch wenn in den vergangenen 30 Jahren fast jährlich eine neue Infektionskrankheit entdeckt wurde, kamen seit 15 Jahren kaum neue Antibiotika auf den Markt.

Der Test sucht nach genetischen Signaturen im Blut eines Patienten, die angegeben, ob jemand gegen einen Virus oder Bakterien kämpft. Die so gemachte Klassifizierung war in Tests bei mehr als 300 Patienten mit Grippe, Erkältung oder Streptokokken-Infektionen zu 87 Prozent genau.

Genauere Möglichkeiten der Unterscheidung von Infektionen könnten nicht nur den unnötigen Einsatz von Antibiotika verhindern, sondern auch zur genaueren Behandlung von Viren führen. Die Forscher arbeiten daran, einen Test zu entwickeln, der in den meisten klinischen Labors auf bereits bestehenden Anlagen durchgeführt werden könnte.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.

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  1. „ENDLICH… !?

    Vielen Patient_innen – und LEIDER auch einigen Ärzt_innen – ist offenbar NICHT bewusst, was den Erkrankten – in gesundheitlicher Hinsicht – durch die unnötige oder auch durch eine zu hohe sowie eine zu lange Antibiosetherapie angetan werden kann !

    Neben den – gut im Artikel beschriebenen – Antibiotikaresistenzen, wird – hauptsächlich bei orale Einnahme – oftmals die Magenschleimhaut stark gereizt, die sich dann sehr schmerzhaft entzünden kann und sogar bis zu einemagengeschwür führen kann und Magenkrebs verursachen kann!

    Deshalb sollte bei der oralen und auch etwas schonenderen intavenösen Antibiose Vergabe, zusätzlich ein Magenschutzmittel verabreicht werden.

    Hoffentlich wird sich diese

    Auf jeden Fall wird die Darmflora angegriffen und zerstört, die dann langwierig mit entsprechender Probiotika wieder aufgebaut werden muss, nebst einer bewussten Magen schonenden Ernährung.

    Es können auch Hautreizungen, -ausschläge und -Erkrankungen entstehen.

    Hoffentlich wird sich dieser wichtige und hilfreiche Bluttest sehr bald in Arztpraxen und Krankenhäusern als Standard etablieren“.?
    #PetraJDröscher #Literatur #Author #Wiesbaden
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