Pharma

Suche nach Zika-Impfstoff: Weitere Fälle auch in Deutschland

Die Weltgesundheitsorganisation hat aufgrund des sich ausbreitetenden Zika-Virus einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Nach Ländern wie Peru, Brasilien und Kolumbien wurden nun auch in Deutschland, Dänemark und Österreich Verdachtsfälle gemeldet. Die Pharmaindustrie springt auf. Sanofi will einen Impfstoff entwickeln.

Vor allem bei Schwangeren kann das Zika-Virus gefährlich werden. Zika wird mit Missbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht. (Foto: Flickr/Joe Green/CC by nd 2.0)

Vor allem bei Schwangeren kann das Zika-Virus gefährlich werden. Zika wird mit Missbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht. (Foto: Flickr/Joe Green/CC by nd 2.0)

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation in der vergangenen Woche erhebliche Bedenken über die rasante Ausbreitung des Zika-Virus geäußert hatte, hat sie nun den Notstand ausgerufen. Der Kampf gegen Zika müsse global koordiniert werden, sagte WHO-Direktorin Margaret Chan. Reise- oder Handelsbeschränkungen seien aber nicht notwendig. Aus mehr als 20 Ländern gibt es bereits Berichte über Zika-Fälle. Der Zika-Erreger wurde erstmals in den 1940er Jahren in Afrika nachgewiesen und war in Süd- und Nordamerika unbekannt, bis im Mai in Brasilien die ersten Fälle auftraten und sich die Krankheit schnell in Lateinamerika ausbreitete.

Doch der Zika-Virus beschränkt sich nicht auf Nord- und Südamerika. Auch in Österreich, der Schweiz und in Dänemark gab es im Januar erste Verdachtsfälle. So soll sich dem Tropenmedizinischen Institut zufolge eine österreichische Touristin in Brasilien infiziert haben. Ebenfalls bei einer Reise nach Mexiko und Brasilien hatte sich ein Däne mit der von Mücken übertragenen Krankheit infiziert, teilte das Universitätskrankenhaus in Aarhus mit. Sowohl in Österreich aber auch in Dänemark wiesen die Tropenmediziner jedoch darauf hin, dass es nicht zu einer Epidemie im Land kommen könne, da es zu kalt sei.

Das Virus wird über Mückenstiche übertragen und gilt vor allem für Schwangere als gefährlich. Tausende Missbildungen bei Neugeborenen werden in Brasilien mit Zika in Verbindung gebracht. Aus Brasilien wurden inzwischen rund mutmaßliche 4000 Fälle der sogenannten Mikrozephalie gemeldet. Das ist 30-mal mehr als etwa im Jahr 2010. Die Gehirne betroffener Babys sind deutlich kleiner als bei gesunden Kindern. Eine Zika-Infektion soll bei rund 80 Prozent der Betroffenen ohne Symptome verlaufen, die ähnlich wie bei dem Dengue-Virus mit Fieber, Ausschlag und geröteten Augen bestehen.

Die WHO fürchtet, dass sich Millionen Menschen infizieren könnten. Im Falle der Ebola-Krise im vergangenen Jahr wurde der WHO vorgeworfen, viel zu spät auf die Verbreitung aufmerksam gemacht zu haben. Der Pharmakonzern Sanofi hat als eines der ersten Unternehmen angekündigt, einen Impfstoff entwickeln zu wollen. Der Sparte Sanofi Pasteur baue dabei auf ihre bei anderen Impfstoffen gesammelte Erfahrung gegen ähnliche Virus-Arten wie etwa Gelbfieber und Denguefieber, teilte das französische Unternehmen am Dienstag mit. Sanofi hofft Erkenntnisse aus dem erst vor kurzem zugelassenen Impfstoff gegen Denguefieber übertragen zu können. Bislang haben lediglich kleinere Biotech-Firmen und Forschungseinrichtungen konkrete Pläne zur Entwicklung eines Impfschutzes gegen das vor allem für Schwangere als gefährlich geltende Virus. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline kündigte an, ein entsprechendes Projekt zu prüfen

Dem Robert Koch Institut zufolge spiele eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung „keinen nennenswerten Einfluss“ bei der Verbreitung. „Nur in Einzelfällen scheint die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung zu bestehen“. Vermutlich habe das aber keinen nennenswerten Einfluss auf die Verbreitung des Erregers. „Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Zikaviren über die Muttermilch weitergegeben werden können.“
Zwar hat das Institut aktuell einzelne Zikavirus-Infektionen bei in Deutschland diagnostiziert, aber genaue Zahlen gebe es nicht. Erst am Mittwoch wurde ein neuer Fall bekannt. Ein Patient der Düsseldorfer Uniklinik hatte sich mit dem Virus in Venezuela angesteckt. Tatsächlich besteht in Deutschland nämlich keine gesetzliche Meldepflicht für diese Infektion. Die Gelbfieber-Mücke gibt es in Deutschland nicht, aber die asiatische Tigermücke ist vereinzelt in Süddeutschland anzutreffen. Hier ist jedoch noch nicht geklärt, ob die das Virus übertragen könnte. „Wenn es im Sommer eine größere Anzahl importierter Zikavirus-Fälle in Deutschland geben würde und die hiesigen Mücken das Virus tatsächlich übertragen könnten, dann wären einzelne Übertragungen in Deutschland in besonders warmen Sommermonaten nicht ausgeschlossen.“

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *