Wirtschaft

Milliarden-Gewinn: NGO fordert Preissenkung bei Kinder-Impfungen

Sowohl Pfizer als auch GlaxoSmithKline haben im vergangenen Jahr von Impfstoffen für Kinder profitiert. Die Umsatzerlöse lagen im zweistelligen Milliardenbereich. Dieses Ergebnis soll Kindern in ärmeren Regionen zugutekommen, fordern die Ärzte ohne Grenzen. Noch immer seien die Impfstoffe für Kinder zu teuer.

Gerade in ärmeren Regionen ist eine umfassende Impfung aufgrund der hohen Preise derzeit kaum durchführbar. (Foto: Flickr/DFID - UK Department for International Development/CC by 2.0)

Gerade in ärmeren Regionen ist eine umfassende Impfung aufgrund der hohen Preise derzeit kaum durchführbar. (Foto: Flickr/DFID – UK Department for International Development/CC by 2.0)

Der Pharmariese Pfizer konnte 2015 seinen Umsatz um sieben Prozent auf 14,05 Milliarden Dollar steigern. Vor allem der Kauf des Rivalen Hospira und das wachsende Geschäft mit Impfstoffen trugen dazu bei. Ähnlich stark profitierte auch GlaxoSmithKline vom Verkauf der Impfstoffe. Der aktuelle Quartalsbericht des Konzerns zeigt eine deutliche Steigerung für 2015. So stiegen die Gewinne beispielsweise im dritten Quartal um 39,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (2014).

„Pfizer und GlaxoSmithKline haben mit ihren Blockbuster-Impfstoffen gegen Lungenentzündung schon mehr als 28 Milliarden US-Dollar Umsatzerlöse erzielt“, sagt Marco Alves von der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Der hohe Preis für die Pneumokokken-Impfstoffe (PVC) erwies sich demnach als gut für die Bilanz der beiden Pharmakonzerne. Aber viele Kinder in ärmeren Ländern könnten eben genau aufgrund des hohen Preises nicht geschützt werden. „Wir fordern Pfizer und GSK auf, den Preis je Kind auf fünf US-Dollar für die drei notwendigen Dosen zu senken.“ Derzeit liegt der niedrigste Preis für eine derartige Immunisierung bei etwa zehn US-Dollar.

Jedes Jahr sterben rund eine Million Kinder unter fünf Jahren an einer Lungenentzündung, die durch Pneumokokken ausgelöst wurde. Für diese Altersgruppe bieten nur Pfizer und GlaxoSmithKline Impfstoffe an. Pneumokokken können aber auch Hirnhautentzündungen und Mittelohrentzündungen sowie Blutvergiftungen auslösen. Ähnlich wie herkömmliche Erkältungen werden Pneumokokken über Tröpfcheninfektionen weitergegeben.

Den Ärzten ohne Grenzen zufolge kostet es heute 68 Mal mehr, ein Kind in einem Entwicklungsland umfassend zu impfen als noch im Jahr 2001. Der hohe Preis für die Pneumokokkken-Impfung sei für fast die Hälfte der Verteuerung verantwortlich. „Dies bedeutet, dass es sich eine wachsende Zahl von Entwicklungsländern nicht mehr leisten kann, den Impfstoff zu erwerben, um damit Kinder gegen Lungenentzündung zu schützen“. Zwar entwickle ein Hersteller aus Indien derzeit einen Pneumokokken-Impfstoff mit der Zusicherung, ihn für sechs Dollar pro Kind zu verkaufen. Jedoch werde dieser erst 2019 verfügbar sein.

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