Wirtschaft

Unternehmer sparen Milliarden dank privater Krankenversicherung

Die Wirtschaft lobt in einer Analyse die privaten Krankenversicherungen. Grund ist ein bislang wenig beachteter Zusammenhang im Kontext Lohnzusatzkosten.

Die Kassen der Versicherungen sind prall gefüllt, während immer mehr Freiberufler ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. (Foto: Flickr/401(K) 2013)

Die Kassen der Versicherungen sind prall gefüllt, während immer mehr Freiberufler ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können. (Foto: Flickr/401(K) 2013)

Hier bietet der Wettbewerb zwischen Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Privaten Krankenversicherern (PKV) den Effekt, dass die Lohnnebenkosten durch den Kassen-Wettbewerb stabilisiert und begrenzt werden. Das entlastet die deutschen Betriebe und Arbeitgeber jedes Jahr um 1,3 Milliarden Euro.

Denn in der Kranken- und Pflegeversicherung fallen je nach Versichertenstatus der Angestellten unterschiedliche Lohnzusatzkosten an. Für ihre zwar hochbezahlten, aber privat kranken- und pflegeversicherten Beschäftigten entrichteten die Arbeitgeber vergleichsweise niedrige Beträge. Sie sind also für die Arbeitgeber im Schnitt billiger.

Dieser Effekt kommt nur zustande, weil private Versicherungen und gesetzliche Kassen im Wettbewerb stünden. Dadurch können Arbeitgeber durch die Koexistenz von GKV und PKV die Lohnzusatzkosten stabilisieren. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hat diese Effekte nun untersucht und quantifiziert. Das Papier gibt wichtige Hinweise über Lohnzusatzkosten und die Standortdebatte.

Demnach sorgt dieser stabilisierende Wettbewerb auch für bessere Lösungen im Gesundheitswesen, was allen Patienten zugutekomme, so Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw. „Ob ein Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oder bei einer privaten Kasse (PKV) versichert ist, macht für den Arbeitgeber einen spürbaren Unterschied bei den Lohnzusatzkosten aus“, erklärt Brossardt. Die der Untersuchung zugrunde gelegten Durchschnittswerte zeigen, dass ein Arbeitgeber die Lohnzusatzkosten mit jedem zusätzlichen privatversicherten Arbeitnehmer um 853 Euro pro Jahr senken kann. Hinzu kommen weitere 414 Euro jährliche Ersparnis pro Arbeitnehmer im Bereich der Pflegeversicherung. „Hochgerechnet auf alle privatversicherten Arbeitnehmer bedeutet dies, dass den Arbeitgebern in Deutschland deshalb Lohnzusatzkosten in Höhe von 1,33 Milliarden Euro jährlich gar nicht erst entstehen, so Brossardt.

Somit kann die Ersparnis für jedes einzelne Unternehmen, abhängig von der Arbeitnehmer- und Versicherungsstruktur, in Summe beachtlich sein. Ein für die Analyse untersuchtes Metall- und Elektroindustrie Unternehmen mit knapp 7.000 Mitarbeitern und 17 Prozent privat versicherten Mitarbeitern etwa spare durch die für die privaten Versicherungen geringeren Arbeitgeberbeiträge jährlich Lohnzusatzkosten von 1,27 Millionen Euro, erklärt Brossardt. „Dieses Geld steht dann beispielsweise für Investitionen zur Verfügung.“

Die Gesetzlichen Krankenkassen kritisieren jedoch das Argument. Ein eventueller finanzieller Vorteil für das Unternehmen beruhe lediglich darauf, dass sich die private Krankenversicherung der gesellschaftlichen Solidarität entziehe, so der Kassenverband.

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