Wirtschaft

Mehr ausländische Patienten lassen sich in Deutschland behandeln

Der Medizintourismus hat an neuen Schwung genommen. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 2014 über vier Prozent mehr Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kamen, um sich hier behandeln zu lassen. Vor allem Patienten aus Russland kommen in deutsche Kliniken. Die Ärzte genießen einen sehr guten Ruf.

Allein die Zahl der Medizintouristen aus den Golfstaaten stieg 2014 um 30 Prozent an. (Flickr/FuFu Wolf/CC by 2.0)

Allein die Zahl der Medizintouristen aus den Golfstaaten stieg 2014 um 30 Prozent an. (Flickr/FuFu Wolf/CC by 2.0)

In Zeiten weltweiter wirtschaftlicher Turbulenzen und niedriger Renten, hat der Medizintourismus an Bedeutung gewonnen. Während deutsche Rentner nicht selten aufgrund niedrigerer Kosten in ein Pflegeheim ins Ausland gehen, kommen Patienten aus dem Ausland immer öfter nach Deutschland. Einer Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin zufolge kamen 2014 über 251.000 Patienten nach Deutschland, um sich hier ambulant und stationär behandeln zu lassen. Das ist ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Obwohl viele Kliniken über finanzielle Schwierigkeiten und Investitionsnotstand klagen, genießen die deutschen Kliniken im Ausland einen sehr guten Ruf. Hervorragende Ärzte und eine hohe medizinische Ausstattung werden von den ausländischen Patienten meist als Grund für die Reise nach Deutschland angegeben.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der ausländischen Patienten in deutschen Kliniken verdoppelt. Sachsen beispielsweise sah einen Zuwachs von 36 Prozent. Neben Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wird auch Berlin bei den Medizintouristen immer beliebter. Die Hauptstadt konnte die Zahl der Patienten aus dem Ausland von 2004 bis 2014 verfünffachen. „Berlin ist derzeit sehr engagiert und erfolgreich bei der Vermarktung als Medizintourismusstandort. Der direkte wirtschaftliche Effekt durch die Medizintouristen beträgt schätzungsweise 150 Millionen Euro pro Jahr“, sagte Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Hier haben sich auch Hotels, Dienstleister, Kliniken und Ärzte in dem Netzwerk „Berlin Medical Tourism Guide“ zusammengetan.

Mit rund 24.800 Patienten liegt Russland beim Medizintourismus nach Deutschland seit Jahren vorn. Die schlechten politischen Beziehungen und der wirtschaftliche Abschwung zeigen jedoch auch hier erste Wirkungen. „Vor allem die schlechte Wirtschaftslage in Russland trübt die Aussichten auf eine Umkehr dieses Trends“, so Juszczak. Während die Zahl der russischen Patienten zurückging, stieg die Zahl der Patienten aus den arabischen Ländern. Allein bei den Patienten aus den Golfstaaten wurde 2014 ein Plus von 30 Prozent erreicht.

Angesichts der Vorteile, die der Medizintourismus für das deutsche Gesundheitssystem hat, ist ein erneuter Anstieg der russischen Patienten wünschenswert. 1,2 Milliarden Euro verdiente das deutsche Gesundheitssystem 2014 an den ausländischen Patienten, so die Studie.

Geld, das die Kliniken sehr gut gebrauchen können. Deutschlandweit werde der Investitionsbedarf der Krankenhäuser in den nächsten fünf Jahren sogar auf sieben Milliarden Euro jährlich steigen. Das wird zu einer verstärkten Finanzierung über den Kapitalmarkt beitragen, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI). Die staatlichen Förderungen sind in den vergangenen 15 Jahren um real 25 Prozent deutschlandweit gesunken. Aus diesem Grund würden zwischen 30 und 40 Prozent der deutschen Kliniken seit mehr als zehn Jahren in den roten Zahlen stehen.

Doch nicht überall sind die Medizintouristen gern gesehen. In München, wo Wohnraum knapp und teuer ist, haben sich nun Bürger zusammengetan, um den Medizintourismus einzudämmen. Seit Kurzem läuft deshalb eine Online-Petition: „Wohnraum für Münchner statt für Medizintouristen.“ Die Petition fordert unter anderem eine Verschärfung der Zweckentfremdungssatzung.

„Medizintouristen wohnen mit steigender Tendenz widerrechtlich für kurze Zeit in Wohnungen und nicht in Hotels“, so die Initiatoren der Petition. Die Wohnungen würden über Zwischenmieter oder direkt vom Eigentümer für hohe Tagespreise weitervermietet. Die Stadt München habe die Schaffung bezahlbaren Wohnraums versprochen, vermag es aber nicht, diesen Missbrauch von Wohnraum zu unterbinden. „In den städtischen Kliniken wird für dieses missbräuchliche Wohnmodell sogar noch mit Flyern geworben.“ Ende Januar wurde die Petition gestartet, sie läuft noch bis Ende März.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *