Wirtschaft

Rekordjahr: Pharma-Unternehmen im Kaufrausch

Mehr als 300 Milliarden Dollar wurden 2015 von Pharma-Unternehmen für Übernahmen und Fusionen ausgegeben. Das ist eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Vor allem Mega-Deals prägten das vergangene Jahr.

Wert der Mergers & Aquisitions -Transaktionen in Milliarden US-Dollar. (Grafik: EY)

Wert der Mergers & Aquisitions -Transaktionen in Milliarden US-Dollar. (Grafik: EY)

Im vergangenen Jahr war in der Pharmabranche eine rege Kauflust zu spüren. Bei Fusionen und Übernahmen wurden 328 Milliarden Dollar transferiert. Allein bei dem Mega-Deal zwischen Pfizer und Allergan ging es um 160 Milliarden Dollar. „Die Pharma-Unternehmen wollen ihr Portfolio bereinigen und sich fokussierter aufstellen. Gleichzeitig wollen und müssen sie weiter Innovationen hervorbringen, die sich organisch so nicht erreichen lassen. Deshalb nutzen sie derzeit ihre Chancen auf dem M&A-Markt“ (dem Markt für Mergers und Aquisitions, also Übernahmen und Zukäufe) so Gerd Stürz, Leiter des Bereiches Life Sciences bei der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Die Unternehmen versuchten mit ihren Käufen und Fusionen einerseits eine Spezialisierung fortzuführen und andererseits die Innovationen voranzutreiben. Und das, obwohl die Geldmittel der Pharmabranche mit 1,178 Billionen Dollar unter dem Vorjahresniveau lagen (1,259 Billionen Dollar), wie eine aktuelle Studie von Ernst & Young zeigt. Die Schulden der Unternehmen haben sich erhöht. Dennoch sei dies „eine neue Normalität, die die M&A-Aktivität noch über die kommenden Jahre auf einem hohen Niveau halten dürfte“, so Stürz.

In den kommenden Jahren ist dennoch eher eine Fokussierung der Unternehmen auf kleinere Käufe zu erwarten. Große Übernahmen werden weiterhin eher die Ausnahme bleiben. Gerade im Bereich der Biotechnologie gibt es zunehmend interessante kleinere Firmen, die den Größen der Branche gelegen kommen könnten. Die steigende Zahl der Start-ups und der Einfluss der Gentechnologie und der 3-D-Verfahren auch im Pharma- und Medizinbereich haben hier für großes Wachstumspotential gesorgt.

Derzeit gibt es allein in Deutschland etwa 579 Unternehmen im Bereich der Biotechnologie. Der Umsatz der deutschen Biotechnologie-Branche lag 2014 bei drei Milliarden Euro. Darüber hinaus konnten die die deutschen Biotechunternehmen 2015 Kapital in Höhe von 553 Millionen Euro einnehmen. Das sind 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das schnelle Wachstum der Biotechnologie weltweit spiegelt sich auch in den Übernahmen und Fusionen genau dieser Unternehmen wieder. So steigerte die Sparte „Big Biotech“ – die größten internationalen Biotechnologie-Unternehmen –  die Ausgaben dafür um 355 Prozent auf über 21 Milliarden US-Dollar. Bei den Generika-Unternehmen wuchsen die Ausgaben um 184 Prozent auf knapp 49 Milliarden US-Dollar. „Bei den Big-Biotech-Unternehmen gab es in den vergangenen paar Jahren einen IPO-Boom“, sagt Stürz. Die Unternehmen seien durch die Börsengänge in der Bewertung gestiegen und könnten jetzt auch in Sachen finanzieller Schlagkraft eine ganz andere Rolle spielen als vorher.

Ein Blick auf die Herkunftsländer der kauffreudigen Pharmaunternehmen zeigt, dass unter den Top-Käufern des vergangenen Jahres sieben US-Unternehmen waren. Nach Pfizer gab der israelische Konzern Teva Pharmaceutical Industries mit 40,5 Milliarden US-Dollar für die Allergan-Generika-Sparte am meisten aus. Ein deutsches Unternehmen ist unter den Top-Ten jedoch nicht zu finden.

Vor allem die Krebsforschung war im vergangenen Jahr bei den Pharmaunternehmen ein Bereich der viel Aufmerksamkeit erhielt. Ernst & Young bezeichnet die Onkologie als die am schnellsten wachsende Branche und spricht von einem 100 Milliarden Dollar-Markt bis 2020.

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