Gesundheitssystem

Studie: Kostenexplosion bedroht Gesundheitssystem

Jedes Jahr steigt die Zahl von Krebs-, Diabetes- und Herzerkrankungen. Der rasante Anstieg der Erkrankten könnte die damit verbundenen Kosten für das Gesundheitssystem an den Rand des möglichen bringen, warnt eine aktuelle Studie. Eine weltweite Gesundheitskrise drohe.

Häufigste Todesursachen 2014, in Tsd. (Grafik: Destasis)

Häufigste Todesursachen 2014, in Tsd. (Grafik: Destasis)

Die alternden Gesellschaften, zu viel Zucker und Fett in der Nahrung und Stress im Alltag werden in den kommenden Jahren die Entwicklung unseres Gesundheitssystems maßgeblich mitbestimmen. Trotz Generika und Arztskepsis nehmen die Kosten für das Gesundheitssystem zu. Gerade bei Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herzkreislauf-Störungen spielen die genannten Faktoren eine wichtige Rolle. Und genau hier ist in den vergangenen Jahren eine Beschleunigung bei den Krankheitsfällen eingetreten.

Sind es derzeit etwa 38 Millionen Menschen, die an Krebs, Diabetes und Herzerkrankungen jedes Jahr sterben, so werden es 20130 wahrscheinlich bereist 52 Millionen sein – und 2040 etwa 62 Millionen, so eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. „Ohne Gegensteuern werden die direkten und indirekten Kosten dieser Erkrankungen in den nächsten 15 Jahren fünfmal höher sein als die Kosten der Weltfinanzkrise seit 2008“, so die Autoren der Studie Future of Healthy: How to Realize Returns on Health.

In Deutschland beispielsweise zählten 2014 zu den häufigsten Todesursachen: Durchblutungsstörung des Herzmuskels, Akuter Herzinfarkt, Herzschwäche sowie Lungen- und Bronchialkrebs. Allein ein Viertel der Todesursachen war auf bösartige Neubildungen, also Krebs zurückzuführen, so das Statistische Bundesamt.

Eine derart drastische Erhöhung der Kosten für die Gesundheitsversorgung wäre eine „untragbare Belastung mit schwerwiegenden Folgen für den wirtschaftlichen Wohlstand und die globale Stabilität“, sagt Norbert Hültenschmitt von Bain & Company. „Wir stehen kurz vor einer schweren weltweiten Gesundheitskrise.“ Mittlerweile steigen die Krankheitsjahre schneller als die allgemeine Lebenserwartung. Denn bis 2050 werden schätzungsweise 25 Prozent der Weltbevölkerung über 60 Jahre alt sein und damit auch anfälliger für altersbedingte Erkrankungen.

Doch nicht nur das Alter spielt neben dem Stress und der Ernährung eine wichtige Rolle. Es zeigte sich, dass drei Viertel der Todesfälle bei diesen Erkrankungen vor allem in Ländern mit mittlerem und niedrigem Durchschnittseinkommen vorkommen.

Welche verheerenden Auswirkungen die massiv steigenden Gesundheitskosten auf ganze Länder haben können, lässt ein Blick auf die nationalen Ausgaben für Gesundheit am Bruttoinlandsprodukt erahnen. Mit einem Anteil von 16,4 Prozent sind die Ausgaben für Gesundheit, gemessen am BIP, in den USA am höchsten. Aber auch in den Niederlanden, in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich liegen die Kosten bei einem Anteil von mehr als 10 Prozent.

Aus diesem Grund weist die aktuelle Studie auf die zunehmende Bedeutung von vorbeugenden Maßnahmen hin. Besonders wichtig sei die stärkere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und Unternehmen. Gesundheitsvorsorge könne sich auch für Unternehmen lohnen. Doch bisher besteht noch ein Missverhältnis zwischen denjenigen, die in Gesundheitsvorsorge investieren, und denjenigen, die davon finanziell profitieren“, so Hültenschmidt. „Wir brauchen ein ganzheitliches Gesundheitsökosystem, das diese Silos aufbricht und neue Lösungen ermöglicht.“

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *