Innovation

Brasilien will Gammastrahlung zur Zika-Bekämpfung nutzen

Noch ist kein Impfstoff gefunden. Doch das Geschäft mit dem Zika-Virus läuft: Aktienkurse von Pharmaunternehmen steigen, Wirkstoffe zur Abwehr von Mücken sind gefragt. Allerdings gehen die Zahl der Touristen in den südamerikanischen Ländern zurück. Brasilien greift nun zu einer radikalen Lösung. Mittels atomarer Strahlung sollen die Mücken sterilisiert werden.

Der stellvertretende Direktor des IAEA, Aldo Malavasi (Mitte) kündigt die Unterstützung Brasiliens im Kampf gegen den Zika-Virus an. (Foto: IAEA, J. Inácio/Brazil)

Der stellvertretende Direktor des IAEA, Aldo Malavasi (Mitte) kündigt die Unterstützung Brasiliens im Kampf gegen den Zika-Virus an. (Foto: IAEA, J. Inácio/Brazil)

Brasilien ist bisher am stärksten vom Zika-Virus betroffen. Da ein entsprechender Impfstoff noch auf sich warten lässt, greift die Regierung des Landes nun zu anderen Methoden. Mit Gammastrahlung sollen Millionen von männlichen Mücken sterilisiert werden, um so die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Anfang der Woche gab die Internationale Atomenergiebehörde bekannt, dass es die Kosten für den Transport der notwendigen Gerätschaften nach Juazerio in Brasilien übernehmen werde. Hier soll die atomare Sterilisierung getestet werden.

Funktioniert es, sollen landesweit Milliarden gezüchtete männliche Mücken mit der Gammastrahlung bestrahlt und in die freie Natur entlassen, um so die Population zu verringern. Die männlichen Mücken können die Weibchen dann zwar noch befruchten, aber es kommen keine Larven zur Welt. „Das ist wie Geburtenkontrolle bei der Familienplanung von Menschen“, zitiert Reuters Kostas Bourtzis von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Die brasilianische NGO namens Moscamed soll dafür bis zu zwölf Millionen männliche Mücken pro Woche züchten.

Die Methode zur Sterilisierung wurde bereits andernorts genutzt. Auf Madeira wurde damit versucht, die Fruchtfliegen zu reduzieren. Aber auch Motten können damit sterilisiert werden. Zu etwaigen Risiken bei dieser Methode machte die Behörde jedoch keine Angaben.

Unterdessen hat der Zika-Virus zu einem deutlichen Einbruch der Flugbuchungen nach Lateinamerika geführt. Zwischen 15. Januar und 10. Februar seien die Flugbestellungen um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, teilte die Reisedatenfirma ForwardKeys mit. Am 15. Januar hatte die Behörde für Krankheitskontrolle in den USA einen Reisehinweis erteilt. In den zehn Tagen nach dem Ausrufen des weltweiten Gesundheitsnotstandes am 1. Februar durch die WHO sind die Flugbuchungen laut der Firma um zehn Prozent eingebrochen.

Auf der anderen Seite lässt der Virus derzeit beim Chemiekonzern Lanxess die Nachfrage nach einem Mückenabwehr-Wirkstoff sprunghaft steigen. „Wir rechnen aktuell damit, unseren Absatz von Icaridin gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent zu steigern“, sagte der Chef der Lanxess-Tochter Saltigo, Wolfgang Schmitz. Derzeit werde die Kapazität der Anlagen an den höheren Bedarf angepasst. Die Nachfrage habe seit Jahresbeginn „sehr stark“ zugenommen.
Der Wirkstoff Icaridin, der unter dem Namen Saltidin vertrieben wird, wird von zahlreichen Herstellern in Insektenabwehrmitteln eingesetzt. Angaben zum Umsatz von Saltidin und der Feinchemie-Tochter Saltigo macht Lanxess nicht. Es sei eines der wichtigen Produkte von Saltigo, sagte ein Sprecher. Saltigo ist Teil des Geschäftsbereichs Advanced Intermediates mit Basis- und Feinchemikalien, der 2014 auf einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro kam.

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