Forschung

Diagnose Eisenmangel ganz ohne Blutabnahme

Wissenschaftler des Klinikums der Universität München haben ein neues verfahren entwickelt, um Eisenmangel schneller diagnostizieren zu können. Dafür benötigen die Forscher kein Blut mehr, nur die Unterlippe des Patienten ist erforderlich.

Ärzte am LMU-Klinikum führen eine nicht-invasive Eisenmangelmessung durch. (Foto: Klinikum Universität München)

Ärzte am LMU-Klinikum führen eine nicht-invasive Eisenmangelmessung durch. (Foto: Klinikum Universität München)

Für Schwangere und Kleinkinder ist ein Eisenmangel nicht ungefährlich. Bei Kleinkindern kann dieser zu einer verzögerten Gehirnentwicklung führen. Bei Schwangeren steigt das Risiko einer Frühgeburt. „Etwa die Hälfte aller Schwangeren, die bei uns im Perinatalzentrum Großhadern entbinden, ist von Eisenmangel betroffen. Neben dem Risiko einer Frühgeburt beeinträchtigt der Eisenmangel auch die Leistungsfähigkeit der Betroffenen erheblich“, sagt Uwe Hasbargen, Leiter des Perinatalzentrums am Klinikum der Universität München.

Doch nicht nur Schwangere und Kinder sind betroffen. Bei vielen Menschen wird der Eisenmangel erst gar nicht erkannt. Das liegt auch daran, dass die Diagnostik nicht schnell und kostengünstig genug ist, um systematisch die Bevölkerung daraufhin zu untersuchen. Ein neues Verfahren des Klinikums der Universität München setzt hier an. Hier haben Wissenschaftler ein Screening entwickelt, das ohne die Abnahme von Blut funktioniert.
Dafür setzen die Forscher auf einen Marker für Eisenmangel, Zink-Protoporphyrin, der mit Hilfe einer fluoreszenzspektroskopischen Untersuchung das Maß für einen möglichen Eisenmangel messen kann. Dafür wird em Patienten eine flexible Lichtfaser auf die Unterlippe gelegt. „Bei der Bildung von roten Blutkörperchen wird bei Personen mit Eisenmangel während des Aufbaus des roten Blutfarbstoffs, dem Häm als Teil des Hämoglobins, häufiger ein Zinkion anstelle eines Eisenions eingebaut“, sagt Michael Vogeser vom Institut für Labormedizin. „Dadurch entstehen Zink-Protoporphyrin-Moleküle und es erhöht sich das Verhältnis der Zink-Protoporphyrin- zu Häm-Moleküle in den roten Blutkörperchen, die unter Eisenmangelbedingungen gebildet wurden.“

Zink-Protoporphyrin weist ein charakteristisches Fluoreszenzspektrum auf. Beim Auflegen der Lichtleitfaser regt Blaues Licht die Fluoreszenz des Moleküls an. Anhand dieser lässt sich dann der Eisenmangel bestimmen. Ilknur Teksan, Ärztin am Perinatalzentrom Großhadern zufolge hat der gesamte Messprozess insgesamt nur zwei Minuten gedauert.

Die neue Diagnostik erlaubt es, auch in Ländern, in denen eine Blutabnahme mit anschließender Laboruntersuchung nicht möglich ist, einen Eisenmangel festzustellen. Aber auch in Europa würde ein nicht-invasives Eisenmangelmessgerät die Versorgung speziell von Kindern verbessern, bei denen eine Blutentnahme oft schwierig ist und eine Hürde darstellt.

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