Deutschland

Nach Ärzteschwund: Droht ein Apothekenmangel auf dem Land?

In mehreren Bundesländer haben die Apothekerverbände mittlerweile vor einem Nachwuchsmangel gewarnt. In Thüringen etwa rechnet man damit, dass in den kommenden zehn Jahren jede zehnte Apotheke schließen könnte. Mit großzügigen Angeboten versuchen die Länder und Apotheken die jugen Menschen wieder für die Arbeit zu begeistern. Gelingt das nicht, droht auch hier ein Engpass.

135 Apotheken verschwanden innerhalb nur eines Jahres in Deutschland. (Foto: Flicrk/Casey Hugelfink/CC by sa 2.0)

135 Apotheken verschwanden innerhalb nur eines Jahres in Deutschland. (Foto: Flicrk/Casey Hugelfink/CC by sa 2.0)

„Ich bin händeringend auf der Suche nach Pharmazeuten. So langsam muss ich auch einen möglichen Nachfolger aufbauen, der irgendwann einmal meine Apotheke übernehmen möchte“, sagte Andrea Göhren bei einem Treffen der Apotheker mit Pharmaziestudenten in Magdeburg Ende Januar. In Brandenburg werden in den kommenden zehn Jahren ein Drittel aller Apothekeninhaber in Rente gehen. Hier bereitet auch die Einstellung des Studiums der Pharmazieingenieure 1991 erhebliche Probleme. Diese durften Approbierte vertreten. In Thüringen gab es im September des vergangenen Jahres 561 Apotheken, doch der Sprecher der Thüringer Apothekenkammer, Lutz Gebert, rechnet damit, dass in den kommenden Jahren jede zehnte dieser Apotheken schließen wird.

Gerade die ländlichen Regionen sind von fehlenden Nachwuchs betroffen. Oft zieht es die neu ausgebildeten Apotheker eher in die Städte als aufs Land, da stehen sie ihren ärztlichen Kollegen in nichts nach. Das wiederum führt dazu, dass sich die Situation hinsichtlich der medizinischen Versorgung auf dem Land weiter verschlechtert. Auf dem Land bietet sich dann die Einrichtung einer Rezeptsammelstelle an, um wenigstens den Zugang zu Arzneimitteln sicherzustellen. Allerdings gibt es für derartige Sammelstellen ganz klare Vorschriften im §24 der Apothekerbetriebsordnung. Der Deutschen Apotheker Zeitung zufolge kann nicht in jedem Fall einfach einer derartige Sammelstelle eingerichtet werden.

Eine Alternative ist der elektronische Apotheken-Kiosk, der zurzeit in Schottland zum Einsatz kommt. In einem Gemeinschaftsprojekt hat das digitale Dienstleistungsunternehmen Atos zusammen mit anderen Partnern wie etwa den Universitäten von Glasgow, Edinburgh und der Robert Gordon University den Roboter-Apotheken-Kiosk entwickelt. Platziert in einem beliebigen Dorfladen, können sich die Einwohner quasi in den Kiosk setzen und über einen Bildschirm direkt mit einem Apotheker sprechen.

Dann ist der Einwohner in der Lage, dem Apotheker seine Symptome zu beschreiben und sich ein Medikament empfehlen zu lassen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Verschreibung des Arztes von dem Roboter-Kiosk einscannen zu lassen, so dass der Apotheker direkt darauf zugreifen kann. Sobald das Medikament bereitsteht, erhält der Nutzer eine Nachricht auf sein Handy. Einmal den über die Textnachricht übermittelten Code eingegeben, kann das entsprechende Medikament entgegengenommen werden.

Doch nicht nur auf dem Land ringen Apotheken um Nachwuchs. Im Kreis Recklinghausen etwa wurden in den vergangenen 15 Jahren zwischen Waltrop und Dorsten 13 Apotheken geschlossen. Deutschlandweit gab es im September 2015 etwa 20.296 Apotheken, Ende 2014 waren es noch 20.441. Allein in Nordrhein-Westfalen schlossen 46 Apotheken, in Baden-Württemberg 26 Apotheken.

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