Wirtschaft

Arznei-Ausgaben auf Rekordniveau

Zwischen 2014 und 2015 sind die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel noch einmal um fünf Prozent auf etwa 35 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem neue Medikamente gegen Hepatitis-C und Krebs seien für den neuerlichen Preissprung verantwortlich.

Die Kosten für Originalpräparate stiegen zwischen 2007 und 2014 im Schnitt um 31 Prozent. (Foto: Eu-Kommission)

Die Kosten für Originalpräparate stiegen zwischen 2007 und 2014 im Schnitt um 31 Prozent. (Foto: Eu-Kommission)

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel steigen weiter kräftig. Die Aufwendungen der Kassen in diesem Bereich sind laut den aktuellen Berechnungen der Techniker Krankenkasse im vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent auf einen Rekordwert von rund 35 Milliarden Euro geklettert. Kostentreiber seien teure innovative Medikamente gegen Hepatitis C sowie Kombi-Therapien gegen Krebs, sagte Arznei-Experte Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse. Schon 2014 war mit 33 Milliarden Euro ein neuer Höchststand erreicht worden.

Steimle forderte im Zuge der gestiegenen Ausgaben Änderungen vom Gesetzgeber. Einige Patienten erhielten neue Therapien nicht schnell genug, andere bekämen teure Präparate verordnet, die im Vergleich zu anderen Mitteln keinen Zusatznutzen hätten, so Steimle. Ergebnisse von Nutzenbewertungen müssten daher etwa in den medizinischen Leitlinien für Ärzte berücksichtigt werden. Das würde einerseits Ärzten bei der Wahl der Therapie helfen und andererseits  den Einfluss der Pharmafirmen auf die medizinischen Leitlinien verringern.

Problematisch hinsichtlich der Zusatznutzens sind weiterhin auch Arzneimittel, die gegen seltene Krankheiten eingesetzt werden (Orphan Drugs). Eine Untersuchung der Gesetzlichen Krankenkassen zeigte im Januar, für etwa die Hälfte der Patientengruppen bei Arzneimitteln gegen seltene Krankheiten einen „nicht quantifizierbaren“ Zusatznutzen. „Um Patienten mit seltenen Krankheiten eine sichere Arzneimitteltherapie anbieten zu können, muss der G-BA (Gemeinsamen Bundesausschusses) in begründeten Einzelfällen auch bei Orphan Drugs das Nutzen- und Schadenspotenzial vollständig prüfen dürfen“, sagt Johann-Magnus von Stackelberg vom GKV-Spitzenverband. „Hier ist eine Rechtsänderung dringend notwendig.“

Derzeit ist es so, dass der Gemeinsame Bundesausschuss, weil der Gesetzgeber einen Zusatznutzen unterstellt, diesen Zusatznutzen bei Medikamenten gegen seltene Krankheiten nur noch dem Ausmaß nach prüfen: erheblich, beträchtlich, gering oder nicht quantifizierbar. Nur, wenn bei einem dieser Arzneimittel der Umsatz die Marke von 50 Millionen Euro übersteigt, muss der Gemeinsame Bundesausschuss prüfen, ob es tatsächlich einen Zusatznutzen gibt. Ansonsten wird er zunächst einmal angenommen und als Basis für Preisverhandlungen genutzt.

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