Wirtschaft

Österreich: dm will rezeptfreie Medikamente verkaufen

Mit einem Individualantrag hat sich dm in diesr Woche an das österreichische Verfassungsgericht gewendet. Mit Blick auf den gebilligten Verkauf von rezeptfreien Medikamenten bei Online-Apotheken und mit einem Rechtsgutachten will die Drogeriekette vom Gericht die Zustimmung zum Verkauf erhalten.

Neben Nahrungsmitteln, Babybedarf und Kosmetik sollen bei dm in Österreich am liebsten auch bald Kopfschmerztabletten und Hustensäfte angeboten werden. (Foto: dm Österreich)

Neben Nahrungsmitteln, Babybedarf und Kosmetik sollen bei dm in Österreich am liebsten auch bald Kopfschmerztabletten und Hustensäfte angeboten werden. (Foto: dm Österreich)

Seit 2015 dürfen in Onlineplattformen österreichischer Apotheken rezeptfrei Medikamente angeboten werden. Der Medikamentenverkauf ist ein lukratives Geschäft, von dem auch dm zukünftig profitieren will. Bis dato ist dies nur den Apotheken vorbehalten. Das will dm nun mit einem Individualantrag beim Verfassungsgericht kippen. Hilfe hat die Drogeriekette dabei vom Verfassungsrechtler Heinz Mayer.

Heinz Mayer kommt in einem Gutachten zu dem Schluss, „das grundsätzliche Verbot der Abgabe von rezeptfreien Arzneimitteln (OTC) durch österreichische Drogisten sei verfassungswidrig“, heißt es von Seiten dms. „Bedingung für einen Verkauf in der Drogerie könne lediglich sein, dass auf Wunsch eine pharmazeutische Beratung über Telefon oder Online-Kanäle zur Verfügung steht, wie das auch bei legalen österreichischen Versandapotheken der Fall ist.“

Dies will dm dann in Folge einer Verkaufserlaubnis auch anbieten. Geplant seien dann, wie bei den Apotheken, eine Gratishotline einzurichten bzw. in den Filialen ausgebildetes Personal anzustellen, damit auch hier eine Beratung zu den rezeptfreien Arzneimitteln angeboten werden kann. „Zudem darf nicht aus den Augen verloren werden, dass im Rahmen des Erwerbs von nicht rezeptpflichtigen Arzneispezialitäten generell eine weniger intensive Beratung als beim Erwerb von rezeptpflichtigen Arzneimitteln notwendig ist“, so Mayer in seinem Gutachten.

In dem Antrag an das Gericht verweist dm zudem darauf, dass eine Verordnung bereits vom 17. Juni 1886 schon einmal den Drogerien den Handel mit Medikamenten zugesichert hatte. „Den Lobbying-Aktivitäten der sich etablierenden Pharmaindustrie und der Apotheker in den darauffolgenden Jahrzehnten ist es zuzuschreiben, dass die Befugnisse der Drogisten immer weiter ausgehöhlt wurden.“

Das Geschäft mit den rezeptfreien Medikamenten (OTC) kann sich für dm mehr als lohnen. Für das Geschäftsjahr 2014/2015 rechnet die Branche mit einem Umsatz von knapp 300 Millionen Euro. Gelänge es dm ein Drittel des Marktanteils zu erreichen, könnte ein jährlicher Mehrumsatz in Höhe von 100 Millionen Euro erreicht werden. Da dm die Produkte 20 Prozent billiger als die Apotheken verkaufen will, entspräche das 80 Millionen Euro.

„Ein Händler legt größtes Augenmerk darauf, zu günstigen Konditionen bei der Industrie einzukaufen, um in weiterer Folge bei seinen Kunden mit guten Preisen punkten zu können“, sagte Harald Bauer, dm-Geschäftsführer. „Bei Arzneimitteln ist es genau umgekehrt: Je teurer Apothekengroßhandel und Apotheker bei der Pharmaindustrie einkaufen, umso mehr verdienen sie auch selbst, da sie fixe Prozentsätze auf den Herstellerpreis aufschlagen können – und da die Preise in der benachbarten Apotheke nach demselben Muster festgelegt werden, muss kein Apotheker Konkurrenz durch niedrigere Preise fürchten!“

Die Apotheker sehen das jedoch anders. „Medikamente gehören in die Apotheke! Jedes einzelne Medikament kann bei falscher Anwendung, bei falscher Dosierung oder falscher Kombination zu gesundheitlichen Problemen führen“, sagt Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer.

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