EU

EU-Parlament verschiebt Abstimmung über Glyphosat-Zulassung

Das EU-Parlament soll entscheiden, ob das Pflanzenschutzmittel Glyphosat in der EU eine neuerliche Zulassung für 15 Jahre erhält. Während eine EU-Behörde Glyphosat als wahrscheinlich nicht krebserregend einstuft, warnen andere Organisationen wie die WHO davor. Die Zulassung ist äußerst umstritten. Erst kürzlich zeigte eine Untersuchung der Heinrich Böll Stiftung, dass sich selbst im Urin Glyphosat nachweisen lässt, weil es über die Nahrung und das Trinkwasser in den Körper gelangt.

Anzahl Probanden mit Messergebnis in genannten Konzentrationsbereichen. (Grafik: Urinale.de)

Anzahl Probanden mit Messergebnis in genannten Konzentrationsbereichen. (Grafik: Urinale.de)

Die Weiterverwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Europäischen Union ist ungewiss. Die EU habe am Dienstag nach einer Anhörung von Experten aller 28 Mitgliedstaaten die Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung des weltweit meistgenutzten Herbizids vertagt, hieß es in EU-Kommissionskreisen. Die Kommission hatte eine Verlängerung der kommenden Juni auslaufenden Genehmigung empfohlen. Allerdings zeichnete sich keine qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten ab. Nach den Regularien hätten sich mindestens 55 Prozent der Mitgliedstaaten, die mindestens 65 Prozent der Bevölkerung der EU repräsentieren, für Glyphosat aussprechen müssen.

Der für das Mittel zuständige Ausschuss solle nun bei seiner Sitzung am 18. und 19. Mai, möglicherweise aber auch früher, entscheiden, hieß es. Hintergrund ist ein Streit über die von Glyphosat möglicherweise ausgehenden gesundheitlichen Gefahren. Die EU-Agentur EFSA hatte erklärt, der Unkrautvernichter sei wohl nicht krebserregend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) war derselben Ansicht. Dagegen hatte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO zuvor davon gesprochen, dass Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich Krebs auslösen kann.

Der US-Agrar-Riese Monsanto vertreibt Glyphosat unter dem Markennamen Roundup. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz mit dem Mittel in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar. Im US-Staat Kalifornien klagt Monsanto gegen die Umweltbehörde, die Glyphosat in eine Liste krebserregender Mittel aufnehmen möchte.

Bisher war damit gerechnet worden, dass die EU-Staaten trotz heftiger Proteste von Umweltschützern die Verwendung des Herbizids für weitere 15 Jahre billigen würden. Frankreich, Schweden und die Niederlande hatten jedoch erklärt, der Zulassungsverlängerung nicht zustimmen zu wollen. Deutschland wollte sich enthalten. Als die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung beantragt wurde, sah es ursprünglich so aus, als werde es definitiv eine Verlängerung geben.

Für Aufregung in Deutschland sorgt derzeit, nach der Bieraffäre, eine Untersuchung der Heinrich Böll Stiftung. Diese zeigt, dass bei 75 Prozent der Deutschen erhöhte Glyphosatrückstände im Urin nachgewiesen werden konnten. „Demnach liegt bei 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Belastung mit mindestens 0,5 ng/ml um ein Fünffaches höher als der Grenzwert für Trinkwasser mit 0,1 ng/ml zulässt“, so die Stiftung. Geht man nicht nach der Menge der Glyphosatrückstände sind es sogar 99,6 Prozent.

Zur gesundheitlichen Bedeutung dieser Ergebnisse müssen weitergehende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden, um Zusammenhänge zwischen der Belastung mit Glyphosat durch Lebensmittel, durch Trinkwasser, durch beruflichen Kontakt etc. und dem Gesundheitsstatus sowie bestimmten Erkrankungen in der Bevölkerung zu erkennen“, so Monika Krüger, emeritierte Veterinärmedizinerin.

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  1. Eine gute Nachricht für die weitere Gesundheit der Bevölkerung. Allerdings ist ja das Verbot von Roundup noch nicht vom Tisch, die Parlamentarier, die darüber zu bestimmen haben, sind sehr spät aufgewacht, sicher haben sie an die Zukunft ihrer Enkel gedacht ?
    Die aggressive Firma Monsanto, wird natürlich ihre Rechtsanwälte rotieren lassen, um die Verlängerung Roundup (Glyphosat) für weitere 15 Jahre, durchzusetzen.