Forschung

Impfen ohne Nadel

Neben der Schluckimpfung sind Spritzen die gängigen Hilfsmittel von Ärzten, um Impfungen bei Kindern und Erwachsenen durchzuführen. Ein neuartiges Pflaster soll jetzt den Nadeln aber Konkurrenz machen. Ein Impfpflaster könnte die Impfung vereinfachen, das Lagerungsproblem verringern und Impfschutz auch in abgelegene Regionen bringen.

Die Forscher arbeiten an der Nanostruktur des Pflasters. Winzige Projektile transportieren den Impfstoff in die Haut. (Foto: Screenshot)

Die Forscher arbeiten an der Nanostruktur des Pflasters. Winzige Projektile transportieren den Impfstoff in die Haut. (Foto: Screenshot)

Impfungen können Leben retten und helfen dabei, Kinder und Erwachsene vor zahlreichen Krankheiten zu schützen. Doch während in Ländern wie Deutschland und Österreich sehr penibel mit Nadel und Schluckimpfung von klein auf geimpft wird, ist das in vielen anderen Regionen nicht der Fall. Ein Grund dafür ist neben den vermeintlich hohen Kosten auch die schlechte medizinische Versorgung. Die Impfstoffe müssen, um ihre Wirkung zu erreichen, kühl gelagert und von Fachpersonal verabreicht werden. Das ist nicht überall möglich.

Wissenschaftler der University of Queensland setzen genau hier an. Sie sitzen an der Entwicklung eines sogenannten Nanopflasters. Dieses soll ohne Nadel den Impfstoff in den Körper transportieren können. Das Pflaster besitzt tausende, winzige Silikon-Projektile. Und jedes dieser Projektile enthält winzige Mengen des Impfstoffes und bringt diese nach dem Aufkleben unter die Haut. Ist das Pflaster aufgeklebt, kann es bereits nach zwei Minuten wieder entfernt werden.

Eine Studie, bei der Ratten mit dem Pflaster Polio-Impfstoffe verabreicht wurden, wurde erst kürzlich abgeschlossen: „Wir verglichen das Nanopflaster mit der traditionellen Darreichung mit einer Spritze und fanden heraus, dass sich der Impfstoff dadurch 40 mal besser verabreichen lasse“, wird David Muller von der University of Queensland in Scientific Reports zitiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfspritzen, die den Impfstoff meist in den Muskel abgeben, dringt das Pflaster in die äußeren Hautschichten und trifft dort auf die Immunzellpopulationen, so Muller. Dies sei wesentlich effizienter.

Bereits in diesem Jahr wollen die Wissenschaftler nun erste Studien an menschlichen Versuchspersonen durchführen. „Nadelfreie Pflaster wie diese versprechen, nun mehr Kinder mit dem Polioimpfstoff und anderen Antigenen wie etwa bei Masern zu versorgen, vor allem in schwer erreichbaren Regionen oder in Gebieten mit schlechter medizinischer Infrastruktur“, sagt auch Michel Zaffran von der Weltgesundheitsorganisation.

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