Wirtschaft

Mangelnder Datenschutz bei Versandapotheken

In Zeiten von Facebook, Google und der NSA hat sich die Aufmerksamkeit der Bevölkerung gegenüber dem privaten Datenschutz deutlich erhöht. Das heißt jedoch nicht, dass sich jeder daran hält, wie die aktuelle Sparmedo Versandapothekenstudie zeigt. Die Mehrheit der Versandapotheken bietet einen nicht ausreichenden Datenschutz.

Sich Medikamente im Online-Shop auszusuchen und zuschicken zu lassen, ist bequem. Man sollte aber genau hinsehen, wem man seine Daten gibt. (Foto: Flickr/ Gustavo Montes de Oca/CC by 2.0)

Sich Medikamente im Online-Shop auszusuchen und zuschicken zu lassen, ist bequem. Man sollte aber genau hinsehen, wem man seine Daten gibt. (Foto: Flickr/ Gustavo Montes de Oca/CC by 2.0)

Daten haben heutzutage einen hohen Stellenwert und können für Unternehmen ein lukratives Nebengeschäft sein. Gerade im Online-Bereich geben viele User gerne ihre Daten her. Sie gehen meist davon aus, dass Ihre Daten vielleicht gespeichert, aber eben nicht missbraucht werden. In Zeiten wachsender Bestellungen von Medikamenten über Versandapotheken, ist ein Blick auf den gebotenen Datenschutz dieser umso interessanter. Tatsächlich verfügen nämlich 74 Prozent der Versandapotheken über keinen datenschutzkonformen Online-Shop. Das ist das Ergebnis der aktuellen Sparmedo-Versandapothekenstudie.

So haben mehr als die Hälfte der getesteten Versandapotheken keine intakte Verschlüsselung. „Ist die Verschlüsselung zu schwach, falsch konfiguriert oder enthält Sicherheitslücken (Poodle), können Kriminelle unter Umständen den verschlüsselten Verkehr einfach dechiffrieren“, heißt es in der Studie. Und immerhin 68 Prozent informieren die Nutzer des Apothekendienstes nicht über die potentielle Weitergabe der eigenen Daten an Dritt-Anbieter. Die meisten Apotheken haben Inhalte von Dritt-Anbietern auf ihrer Seite.

Klickt der User auf diese, wird die IP-Adresse des Users an den Server, auf dem der Inhalt gespeichert ist, weitergegeben. Ob hier Daten anonymisiert werden, ist für den Kunden weder ersichtlich, noch weiß er, ob etwaig installierte Cookies auch sein Nutzerverhalten speichern. Letzteres ist laut EU-Richtlinie 2009/136/EG und 2002/58/EG eigentlich schon nicht mehr möglich. Demnach bedürfte es mittlerweile für die Nutzung von Cookies eine ausdrückliche Einwilligung des Nutzers. Allerdings sind die Richtlinien noch nicht im deutschen Gesetz verankert.

„Die Online-Shops der Versandapotheken suggerieren dem Nutzer durch die Einbindung von Zertifizierungssiegeln Sicherheit“, so die Studie. Aber diese sei faktisch nicht zu bestätigen. „Nur 15 von 45 zertifizierten Online-Shops haben keine offensichtlichen Mängel bei Datenschutz und -sicherheit.“ Das zeigt, dass Siegel und Kennzeichnungen, die Vertrauen und Sicherheit implizieren, keinen messbaren Einfluss darauf haben, ob der Shop-Betreiber seriös mit Kunden- und Nutzerdaten umgeht.

Derzeit gibt es etwa 3.010 zugelassene Versandapotheken in Deutschland, so der Bundesverband Deutscher Versandapotheken. 2014 lag der Umsatz bei 1,5 Milliarden Euro. Fachleute schätzen, dass der Umsatz sich bis 2020 noch einmal um 110 Prozent steigern lässt.

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