Wirtschaft

Venezuela bezahlt Medikamente mit Öl-Anleihen

Das von der Staatspleite bedrohte Venezuela hat zur Schuldentilgung zu unkonventionellen Mitteln gegriffen. Mindestens drei internationale Pharmakonzerne erhielten zur Begleichung von Außenständen Anleihen, die sie nur mit hohen Verlusten wieder los wurden.

Seit Jahren leidet die Bevölkerung Venezuelas unter den Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs. (Foto: Flickr/ Julio César Mesa/CC by nd 2.0)

Seit Jahren leidet die Bevölkerung Venezuelas unter den Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs. (Foto: Flickr/ Julio César Mesa/CC by nd 2.0)

Der deutsche Bayer-Konzern sowie die Rivalen Novartis aus der Schweiz und Sanofi aus Frankreich wurden mit Dollar-Anleihen des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA bezahlt, wie eine Auswertung von Dokumenten für die Aufsichtsbehörden und Angaben von Insidern mit Kenntnis der Sache durch Reuters ergab. Der Schritt gilt als ein weiteres Zeichen für eine Verschärfung der Finanzkrise in dem von Erdölexporten abhängigen Land.

Mit der Transaktion fuhren die Unternehmen hohe Verluste ein. Zum Teil wurden die Titel für nur ein Drittel des Nennwerts wieder veräußert. Novartis bestätigte, PDVSA-Anleihen als Bezahlung akzeptiert und die Titel später mit schätzungsweise zwei Drittel Abschlag wieder verkauft zu haben. Bayer und Sanofi wollten keine Stellung zu den Bond-Transaktionen nehmen. Mit der Sache vertrauten Personen zufolge haben die beiden Firmen aber ähnlich hohe Einbußen hingenommen. Insgesamt verbuchten die drei Konzerne im vergangenen Jahr in dem lateinamerikanischen Land etwa 500 Millionen Dollar Verlust.

Nach Ansicht von Investoren, die Venezuela verfolgen, machen die Transaktionen für die Firmen trotz des hohen Verlusts Sinn. Mit dem Erwerb der PDSVA-Anleihen bot sich ihnen die Möglichkeit, an Dollarvermögen zu kommen. Denn für Unternehmen in Venezuela ist es wegen der vor 13 Jahren eingeführten Devisenkontrollen schwierig, in der Landeswährung Bolivar erzielte Umsätze in harte Währungen umzutauschen. Seit einer Lockerung des Währungsregimes im Februar bekommt man für lebenswichtige Güter wie Nahrungsmittel und Medikamente offiziell einen Dollar für zehn Bolivar. Am Schwarzmarkt ist die US-Devise hingegen nur für mehr als 1000 Bolivar zu haben. Venezuela hat bereits 2013 mit PDVSA-Anleihen Schulden bei Ölfeldausrüstern wie etwa dem US-Konzern Weatherford beglichen.

Die Wirtschaft des Landes steckt in einer tiefen Krise, die Staatseinnahmen sind wegen des Ölpreisverfalls dramatisch zurückgegangen. 2015 war die Wirtschaft des Landes um fünf Prozent geschrumpft. Zahlreiche Weltkonzerne wie etwa Procter & Gamble, PepsiCo und Colgate Palmolive haben für ihre Venezuela-Geschäfte Milliarden abgeschrieben. Die Pharmariesen Merck und GlaxoSmithKline verbuchten im letzten Jahr zum Teil hohe dreistellige Währungsverluste für ihre Venezuela-Operationen.

Erst Anfang der Woche hatte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) noch einmal auf die schwierige, humanitäre Lage des erdölreichsten Landes der Welt verweisen. Es mangele an Medikamenten und Lebensmitteln, sagt der OAS-Generalsekretär Luis Almagro der chilenischen Zeitung El Mercurio.

 

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