Pharma

Pharmaunternehmen investieren massiv in digitale Technologien

Die Digitalisierung in der Pharmabranche entwickelt sich rasant, allerdings mangelt es oft an Koordinierung, so eine aktuelle Studie. Die Verschmelzung von IT und Gesundheitsbranche zeigt sich an immer mehr Fusionen und Beteiligungen der Branchen untereinander.

Auch Philips Healthcare will sich mit mehr Digitalisierung für den Einzug der IT-Riesen auf den Pharmamarkt wappnen. (flickr/ Philips Communications/ cc by 2.0)

Auch Philips Healthcare will sich mit mehr Digitalisierung für den Einzug der IT-Riesen auf den Pharmamarkt wappnen. (flickr/ Philips Communications/ cc by 2.0)

Für die globale Pharmaindustrie beginnt nach jahrzehntelangem Abwarten das digitale Zeitalter. Die Investitionen der Branchengiganten in die Digitalisierung steigen rasant. Venture-Capital-Fonds und Hightech-Konzerne heizen den Wettlauf im milliardenschweren Pharmamarkt weiter an. Noch aber fehlt es an klaren Strategien. Für die Pharmaunternehmen ist es an der Zeit, sich ernsthaft mit der digitalen Revolution auseinanderzusetzen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Getting the dose right: A digital prescription for the pharma industry“ der internationalen Managementberatung Bain & Company.

Jüngstes Beispiel für den Digitalisierungstrend: Das Software-Unternehmen Sofon und Philips Healthcare haben ein Abkommen geschlossen, wonach der Elektronikkonzern weltweit die cloud-basierte Angebots- und Konfigurationssoftware (CPQ) von Sofon in Kombination mit Salesforce (CRM) und Microsoft Azure (Cloud Services) einsetzen wird. Durch die Nutzung des Microsoft Azure Datencenters muss Sofon nicht selbst in die globale Infrastruktur investieren. Mit einem Milliarden-Zukauf investiert neben den IT-Größen Apple und Google auch IBM in die digitale Gesundheitsbranche: Der Software-Riese übernimmt für 2,6 Milliarden Dollar das Unternehmen Truven Health Analytics. Mit dem vierten Zukauf seit April 2015 baut das IT-Unternehmen sein Geschäft mit Gesundheitsdaten weiter massiv aus. Truven bietet internet-basierte Gesundheitsdienstleistungen an. Zu den Kunden gehören Behörden, Krankenhäuser und Pharmafirmen. IBM arbeitet bei der Auswertung von Gesundheitsdaten unter anderem bereits mit Apple zusammen.

Immer mehr Pharmakonzerne gehen in die Offensive und reagieren damit auf die hohe digitale Affinität ihrer Kunden. So werden in den nächsten zwei Jahren bereits 93 Prozent aller Ärzte in den USA elektronische Patientenakten nutzen, 97 Prozent werden Zugang zu elektronischen Behandlungsprotokollen haben. Daher kooperieren immer mehr Pharmaunternehmen mit Firmen, die Daten aggregieren und analysieren, mit digitalen Start-ups sowie mit Versicherungen und anderen Dienstleistern in der Gesundheitsindustrie. „Pharmakonzerne, die es schaffen, ihre Digitalstrategien mit den neuen Partnern effizient zu koordinieren, können die Zukunft der Branche mitgestalten“, betont Michael Kunst, Partner bei Bain & Company und Co-Autor der Studie. „Dafür müssen die Unternehmen aber ihre internen und externen Daten sowie ihre Analyse-Instrumente besser aufeinander abstimmen.“

Meist verlaufen sich die Digitalisierungsversuche in einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen. Ein weltweit tätiger Pharmakonzern startete beispielsweise mehr als 200 Digitalprojekte und hostete 2.000 Websites – eine Abstimmung oder Koordination der Initiativen fand indes nicht statt.

Die Unternehmen müssten laut Studie hingegen ihre Digitalstrategie in klar definierte Themengebiete unterteilen. Deren Anzahl beläuft sich je nach Komplexität auf 20 bis 40. „Ziel ist, diejenigen Bereiche zu identifizieren, die dem Unternehmen die höchste Rendite bei niedrigsten Kosten und Risiken liefern“, erläutert Bain-Experte Kunst. „Und zu vermeiden, dass sich das Management im digitalen Dschungel verirrt.“

Für die Pharmaindustrie sind nach Ansicht von Bain zwei Themen besonders wichtig: die Analyse großer Mengen von Daten und eine positive, digitale Kundenerfahrung. Unternehmen, denen es gelingt, Real-World-Daten entlang der Wertschöpfungskette einzusetzen, werden mit hohen Renditen belohnt. Jeder der Top-10-Pharmakonzerne kann auf diese Weise jährlich Wert von bis zu einer Milliarde US-Dollar generieren, stellt der US-Informationsdienstleister IMS Health fest. Wesentliche Voraussetzung dafür ist die Kooperation mit Datenspezialisten, was sich angesichts der bestehenden IT-Plattformen in der Pharmabranche allerdings als eine anspruchsvolle Aufgabe erweist. Die IT muss in die Lage versetzt werden, interne und externe Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen. Danach gilt es, diese Daten den verschiedenen Funktionen für die Analyse zugänglich zu machen – von der klinischen Forschung bis hin zu Marketing und Vertrieb.

Zweite zentrale Thematik sei dabei die positive, digitale Kundenerfahrung. Schon heute informieren sich Ärzte über Produkte weitaus häufiger im Internet als bei Pharmareferenten. Personalisiertes Marketing könne helfen, individuelles Kundenverhalten besser zu verstehen. So können den Kunden etwa durch den Aufbau einer Online-Community für bestimmte Patientengruppen die richtigen Angebote auf dem bevorzugten Kanal unterbreitet werden.

Mit digitalen Ideen könne man demnach etwa die Konzernstrategie stärken: Jedes Pharmaunternehmen müsse daher seine eigene digitale Strategie entwickeln – und das im Einklang mit der Gesamtkonzernstrategie.

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