Wirtschaft

Online-Praxen dürfen künftig keine Arzneien mehr verordnen

Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen künftig nicht mehr über Online-Praxen verordnet werden. Das Bundeskabinett brachte eine Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) auf den Weg, nach dem diese Arzneien nur dann ausgehändigt werden dürfen, wenn ein direkter Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden hat.

Trotz schwindender Ärzte auf dem Land sollen Patienten für rezeptpflichtige Medikamente nun nicht auf eine Online-Konsultation mit ihrem Arzt zurückgreifen können. (Foto: Flickr/ wr52351/Cc by nd 2.0)

Trotz schwindender Ärzte auf dem Land sollen Patienten für rezeptpflichtige Medikamente nun nicht auf eine Online-Konsultation mit ihrem Arzt zurückgreifen können. (Foto: Flickr/ wr52351/Cc by nd 2.0)

Die Regierung reagiert mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes auf Online-Portale, die kostenpflichtige Sprechstunden von Ärzten über das Internet anbieten. Ein Rezept wird dem Nutzer dabei meist zugesendet oder von der Online-Praxis direkt an eine deutsche Versandapotheke geschickt. Mit der gesetzlichen Änderung sollen unter anderem Falschdiagnosen vermieden werden.

„Um den Patientenschutz weiter zu verbessern, wird im AMG geregelt, dass eine Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln grundsätzlich nicht erfolgen darf, wenn die Verschreibung offenkundig nicht nach einem direkten Arzt-Patienten-Kontakt ausgestellt wurde.

Und außerdem:

„Im Heilmittelwerbegesetz wird klargestellt, dass nicht nur die Werbung für das Teleshopping, sondern auch das Teleshopping selbst als besondere Ausprägung der Werbung verboten ist. Es wird zudem geregelt, dass das Teleshopping auch für Behandlungen durch Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte verboten ist.“

Der Entwurf sieht auch strengere Sicherheitsvorkehrungen für die Teilnehmer an klinischen Tests von Arzneimitteln vor. Die Ethik-Kommissionen der Länder, die auch künftig maßgeblich an der Genehmigung solcher Prüfungen beteiligt sein sollen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen und sich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte registrieren lassen. Prüfungsteilnehmer müssen vor einer Studie von einem Arzt aufgeklärt werden.

„Hochwertige klinische Prüfungen sind eine Voraussetzung für einen schnellen und sicheren Zugang zu neuen Arzneimitteln“, sagte Gesundheitsminister Gröhe anlässlich der Änderung des Arzneimittelgesetzes. Dabei müssten die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger und ein reibungsloses Genehmigungsverfahren Hand in Hand gehen. Im August 2016 soll der Entwurf des „Vierten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ in Kraft treten.

Mit der Änderung will das Gesundheitsministerium zwar die Sicherheit der Patienten stärken, es erschwert jedoch die Suche nach Lösungen für den Ärzte- und Apothekenmangel in ländlichen Regionen. Gerade hier ist die Konsultation von Ärzten über das Internet eine wirklich sinnvolle Alternative, die durch die Änderung nun jedoch erschwert wird. Aber auch die Idee, mit Apothekenkiosken wenigstens eine Grundversorgung in diesen Regionen sicherzustellen, wird nun neu zu diskutieren sein.

In Schottland kommt ein solcher Kiosk derzeit zum Einsatz. In einem Gemeinschaftsprojekt hat das digitale Dienstleistungsunternehmen Atos zusammen mit anderen Partnern wie etwa den Universitäten von Glasgow, Edinburgh und der Robert Gordon University den Roboter-Apotheken-Kiosk entwickelt. Platziert in einem beliebigen Dorfladen, können sich die Einwohner quasi in den Kiosk setzen und über einen Bildschirm direkt mit einem Apotheker sprechen.

Dann ist der Einwohner in der Lage, dem Apotheker seine Symptome zu beschreiben und sich ein Medikament empfehlen zu lassen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Verschreibung des Arztes von dem Roboter-Kiosk einscannen zu lassen, sodass der Apotheker direkt darauf zugreifen kann. Sobald das Medikament bereitsteht, erhält der Nutzer eine Nachricht auf sein Handy. Einmal den über die Textnachricht übermittelten Code eingegeben, kann das entsprechende Medikament entgegengenommen werden.

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