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Krankenkassen 2015 mit Milliarden-Defizit

Die gesetzlichen Krankenkassen haben das vergangene Jahr mit einem Defizit von 1,14 Milliarden Euro abgeschlossen.

Vor allem die Arzneimittelpreise belasten die Krankenkassen weiterhin. (Foto: Flickr/Dirk Vorderstraße/CC by 2.0)

Vor allem die Arzneimittelpreise belasten die Krankenkassen weiterhin. (Foto: Flickr/Dirk Vorderstraße/CC by 2.0)

Den Einnahmen von rund 212,42 Milliarden Euro standen Ausgaben von 213,56 Milliarden Euro gegenüber, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag in Berlin mit. Das Minus ist nach den Worten von Gesundheitsminister Hermann Gröhe vor allem darauf zurückzuführen, dass die Kassen die Zusatzbeiträge gedrosselt hätten. Dieser „Entlastungseffekt“ schlage mit rund 900 Millionen Euro zu Buche.

Gröhe sagte, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stehe weiter auf einer stabilen Grundlage. Die rund 120 Kassen verfügten noch über Finanzreserven von etwa 14,5 Milliarden Euro. Die Reserven des Gesundheitsfonds beliefen sich Ende 2015 auf zehn Milliarden Euro. Allerdings sind die Kassen verpflichtet, Rücklagen zu bilden. Aus dem Fonds, in den Beitragsgelder und Steuerzuschüsse fließen, erhalten sie nur Zuweisungen nach festen Kriterien.

Kassenexperten sagen aufgrund des medizinischen Fortschritts, der älter werdenden Gesellschaft und den beschlossenen Reformen Steigerungen bei den Zusatzbeiträgen um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte pro Jahr bis 2020 voraus. Zum Jahreswechsel erhöhte sich der durchschnittliche Zusatzbeitrag von 0,9 auf 1,1 Prozent. Nach Angaben des Ministeriums vom Januar waren davon rund 44 Millionen Mitglieder von 77 Kassen betroffen. Die Zusatzbeiträge müssen von den Arbeitnehmern allein getragen werden, während sie sich den Grundbetrag von 14,6 Prozent mit den Arbeitgebern teilen.

2015 stiegen die Ausgaben je Versicherten um 3,7 Prozent. Wesentlichen Anteil daran haben Arzneimittel mit einem Plus von 1,7 Milliarden Euro (4,6 Prozent). Besonders die hohen Ausgaben für die hochpreisigen Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C stechen hervor, für die mit 1,3 Milliarden Euro 700 Millionen Euro mehr als 2014 bezahlt wurden. Die Aufwendungen der Kassen in diesem Bereich seien im vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent auf einen Rekordwert von rund 35 Milliarden Euro geklettert, sagte Arznei-Experte Tim Steimle von der Techniker Krankenkasse (TK). Schon 2014 war mit 33 Milliarden Euro ein neuer Höchststand erreicht worden.

In den kommenden Jahren werden die Ausgaben der Krankenkassen weiter steigen. „Wir verfolgen die Entwicklungen auf dem Arzneimittel-Markt mit großer Sorge“, sagte KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit anlässlich des Berliner Dialogs. „Bald zahlen Krankenkassen wieder mehr für Medikamente als für die gesamte ärztliche Behandlung. Das sind ganz bittere Pillen für das Gesundheitswesen.“ Allein zwischen 2007 und 2014 seien die Kosten für Arzneimittel bei der KKH um 32 Prozent gestiegen.

Tatsächlich beschränken sich die hohen Preise für Arzneimittel vor allem auf den deutschen Raum. Ein Vergleich mit den Niederlanden zeigt, dass 27 der 30 umsatzstärksten Medikamente in Deutschland teurer sind als bei unseren niederländischen Nachbarn. So kostet zum Beispiel eine Packung Gerinnungshemmer Pradaxa in Deutschland 25 Euro mehr. Sovaldi, das bei Hepatitis C zum Einsatz kommt, kostet hierzulande sogar 300 Euro mehr, so der aktuelle KKH-Bericht.

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