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Europäer stecken Milliarden in illegale Drogen

Der Drogenmarkt in Europa floriert. Jährlich geben die Europäer etwa 24 Milliarden Euro für illegale Drogen aus. Jüngste Entwicklungen auf den Internetmärkten wie das Darknet, Anonymisierungssoftware und Kryptowährungen schufen zuletzt neue Möglichkeiten für die Online-Drogenbeschaffung.

Haupthandelswege von Cannabis in Europa. (Grafik: EU-Kommission)

Haupthandelswege von Cannabis in Europa. (Grafik: EU-Kommission)

Für die organisierte Kriminalität gehört der Drogenmarkt in Europa zu den wichtigsten Einnahmequellen, wie Europol und der aktuelle Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogensucht zeigen. Darin werde aufgezeigt, welche „Verbindungen es zu anderen kriminellen Tätigkeiten gibt und wie illegale Einkünfte aus dem Drogenhandel für die Finanzierung der Migrantenschleusung und terroristischer Aktivitäten genutzt werden und damit internationale Entwicklungsbemühungen untergraben“, sagte Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Migration und Inneres.

Der Bericht zeigt, dass die EU-Bürger schätzungsweise jedes Jahr zwischen 21 und 31 Milliarden Euro ausgeben. Die Untersuchungen haben weisen darauf hin, dass es eine zunehmende organisatorische und technische Komplexität, Verflechtung und Spezialisierung der an den Drogenmärkten beteiligten Gruppierungen gibt. Zudem habe sich der Drogenmarkt infolge der Globalisierung und neuer Technologien beschleunigt, so die EU-Kommission.

Noch immer ist Cannabis in Europa die am häufigsten konsumierte Droge. So liegt der Anteil von Cannabis am illegalen Endverbrauchermarkt bei etwa 38 Prozent, was einem Marktwert von mehr als 9,3 Milliarden Euro jährlich entspricht. „In der EU haben etwa 22 Millionen Erwachsene die Droge im letzten Jahr konsumiert und rund 1 Prozent der erwachsenen Europäer konsumieren sie nahezu täglich, was das Risiko gesundheitlicher und gesellschaftlicher Folgeschäden erhöht.“

Der Heroinmarkt ist mit einem Volumen von 6,8 Milliarden Euro der zweitgrößte, illegale Drogenmarkt in Europa. Gerade hier sei der Anteil der drogenbedingten Todesfälle hoch, so die Kommission in ihrem Bericht. „Die vermehrte Sicherstellung sehr großer Heroinmengen lässt auf eine zunehmende Flexibilität und Dynamik im Hinblick auf Produktionstechniken, Produktionsorte, Handelsrouten und Vorgehensweisen schließen.“ Dies spiegele sich in der Verlagerung des Schmuggels auf Seecontainer und auf neue Handelsrouten durch Afrika, den Südkaukasus, Syrien und den Irak wider.

Kokain ist das am häufigsten konsumierte, illegale Stimulans in Europa. Ihr Endkonsumentenmarkt wird auf mindestens 5,7 Milliarden Euro jedes Jahr geschätzt. Vor allem in West- und Südeuropa wird viel Kokain konsumiert. Besorgniserregend aber seien im Moment vor allem die synthetischen Stimulanzien wie Amphetamin, Methamphetamin und MDMA. Und hier vor allem die Beschaffbarkeit der hochdosierten MDMA-Produkte und der zunehmende Methamphetaminkonsum. „Bei der Gesamtbetrachtung der Daten zeigt sich deutlich, dass Methamphetamin bei der Drogenproblematik in Europa relevanter zu werden droht. Eine Überwachung dieses Bereichs ist also angebracht.“

Zu den bekannten Drogen kommen außerdem noch neue psychoaktive Substanzen hinzu. Allein 2015 wurden 100 neue Substanzen erstmalig im Frühwarnsystem der EU aufgeführt. Damit sind mittlerweile 560 an neuen Substanzen im Frühwarnsystem. Etwa 70 Prozent davon traten allein erst in den vergangenen fünf Jahren auf. Der Markt nimmt eine immer größere Rolle ein. 2014 wurden in der EU fast 50.000 Mal neue Substanzen mit einem Gesamtgewicht von annähernd 4 Tonnen sichergestellt. „Viele dieser Substanzen sind deutlich stärker als ihre kontrollierten Entsprechungen. Hauptsächlich wurden synthetische Cannabinoide sichergestellt, die als legaler Ersatz für Cannabis verkauft werden dürfen.“

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