Politik

Sieg für Monsanto: EU-Parlament stimmt für Glyphosat-Zulassung

Trotz des großen Widerstands der EU-Bürger gegen das Pflanzenschutzmittels Glyphosat hat das EU-Parlament nun doch einer neuerlichen Zulassung zugestimmt. In einer nicht-bindenden Resolution stimmte die Mehrheit der EU-Abgeordneten am Mittwoch dafür, das Unkrautvernichtungsmittel in der EU nur noch für sieben statt wie bisher 15 Jahre zu genehmigen.

Martin Schulz Parlament hat sich für eine Verlängerung der Zulassung um sieben Jahre ausgesprochen. (Foto: EU-Kommission)

Martin Schulz Parlament hat sich für eine Verlängerung der Zulassung um sieben Jahre ausgesprochen. (Foto: EU-Kommission)

Das EU-Parlament hat sich für eine kürzere Zulassungsdauer des umstrittenen Herbizids Glyphosat ausgesprochen. In einer nicht-bindenden Resolution stimmte die Mehrheit der EU-Abgeordneten am Mittwoch dafür, das Unkrautvernichtungsmittel in der EU nur noch für sieben statt wie bisher 15 Jahre zu genehmigen. „Die EU-Kommission und die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten dürfen das Votum des Europäischen Parlaments nicht ignorieren“, sagt Martin Häusling, Abgeordneter für die Grünen im EU-Parlament.“ Eine Verlängerung der Zulassung für das gesundheitsschädliche Glyphosat um 15 Jahre wäre absolut unverantwortlich. „Wir setzen uns weiterhin für ein vollständiges Verbot des Herbizids ein.“

374 Abgeordnete des EU-Parlament stimmten für die beschränkte Neuzulassung, 225 votierten dagegen und 102 enthielten sich. Mit der Zustimmung forderte das EU-Parlament  die Kommission dennoch auf, eine Liste von Beistoffen zu erstellen, die in Insektenvernichtungsmittel nicht mehr verwendet werden dürfen. Außerdem solle sie einen Plan erarbeiten, um den Einsatz des Pflanzengifts zu reduzieren.

Die Bundesregierung hatte am Dienstag die weitere Verwendung des Mittels in der EU befürwortet, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehört eine Überprüfung der Auswirkungen auf die Artenvielfalt sowie das Verbot bestimmter Zusatzstoffe. „Mit seiner Zustimmung möchte Deutschland dazu beitragen, das Verfahren zur Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat (…) erfolgreich abzuschließen“, hieß es in einem Schreiben des deutschen Landwirtschaftsministerium an die EU-Kommission.

Anders als in den meisten Verfahren auf EU-Ebene hat das Parlament in diesem Fall kein Mitbestimmungsrecht. Anfang März hatten die Mitgliedsländer und die EU-Kommission eine Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat vertagt, da keine Mehrheit für den Beschluss zustande kam. Der EU-Umweltausschuss hatte sich Ende März gegen eine Verlängerung der Zulassung ausgesprochen. „Solange weiter ernsthafte Sorgen über die krebserregenden Eigenschaften des Herbizids Glyphosat“, das hundertfach auf Feldern und im öffentlichen wie privaten Bereich angewendet wird, bestehen, „sollte die Europäische Kommission dessen Zulassung nicht erneuern“, so der Umweltausschuss. 38 Abgeordnete des Umweltausschusses votierten gegen den Glyphosat-Vorschlag der EU-Kommission. Acht befürworteten diesen, 18 enthielten sich.

In der Bevölkerung ist die Kritik an Glyphosat auch weiterhin zu hören. 64 Prozent der Befragten in Deutschland, Frankreich, Groß-Britannien, Spanien und Italien eine Zulassung durch die EU ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage. „In Italien stimmten 76 Prozent für ein Verbot, in Deutschland 70 Prozent, in Frankreich 60 Prozent und in Groß-Britannien und Spanien jeweils 56 Prozent“, heißt es hierzu in einer Mitteilung von Campact.

Der US-Agrarkonzern Monsanto vertreibt Glyphosat unter dem Markennamen Roundup und hat damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar erzielt. Nach Angaben des EU-Parlaments ist der weltweite Verbrauch von Glyphosat in den vergangenen Jahrzehnten um das 260-Fache angestiegen – von 3200 Tonnen im Jahre 1974 auf 825.000 Tonnen im Jahre 2014. In Deutschland werden etwa 40 Prozent der Ackerfläche mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt.

Kommentare

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  1. Na ja – alles gut, die Pharmaindustrie darf in den nächsten Jahren wieder Millionen oder gar Milliarden an Krebspatienten verdienen, ist ja auch lukrativ – welch ein Segen ! Menschlichkeit – FEHLANZEIGE. Man kann nur hoffen, dass es auch die Familien der „Zustimmer“ erwischt !