Pharma

Zoll stellt Millionen illegale Arzneimittel sicher

Der Zoll fischt immer mehr online gekaufte illegale Arzneimittel ab. Der Handel damit wird immer professioneller. Vergangenes Jahr wurden 3,9 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt, wie aus der am Montag veröffentlichten Zoll-Jahresbilanz hervorgeht.

„Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen“, so Schäuble. (Foto: Zoll)

„Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen“, so Schäuble. (Foto: Zoll)

Damit hat sich die Zahl binnen eines Jahres vervierfacht. Der Handel mit gefälschten Schlankmachern, Potenzmitteln oder Muskelaufbaupräparaten wird den Fahndern zufolge immer professioneller aufgezogen. „Hier deckt der Zoll zunehmend kriminelle Strukturen auf“, warnte Finanzminister Wolfgang Schäuble, der auch der Dienstherr des Zolls ist. Für die Verbraucher bergen vermeintliche Schnäppchen hohe Risiken.

Insgesamt ist auch die Zahl der Personen, gegen die der Zoll im Zusammenhang mit Medikamenten ermittelt, gestiegen: von 3.100 auf 4.100. „Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen“, so Schäuble.

Dabei seien seriöse von illegalen Onlineshops für viele Verbraucher häufig nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden, warnte der Zoll. Helfen könne die Suche nach dem seit 2015 vorgeschrieben EU-Sicherheitslogo, das Online-Apotheken auf ihrer Website führen müssen. Den Zollfahndern zufolge drohen bei illegalen Anbietern erhebliche Gefahren, nicht selten enthielten falsche Präparate gefährliche Chemikalien oder eingefärbten Dreck. Zudem tragen Besteller das Risiko von Bußgeldern oder Ermittlungsverfahren, wenn ihr Päckchen angehalten wird.

Der Einkauf bei Online-Apotheken gerät immer mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit. Die vermeintlich günstigeren Medikamente und Produkte sind oft auch Lockmittel für den Klau von Daten. Tatsächlich verfügen 74 Prozent der Versandapotheken über keinen datenschutzkonformen Online-Shop. Und immerhin 68 Prozent informieren die Nutzer des Apothekendienstes nicht über die potentielle Weitergabe der eigenen Daten an Dritt-Anbieter.

Anfang April warnte der Branchendienst Apotheke adhoc vor möglichen Arzneimittelfälschungen in deutschen Apotheken. Mehr als 80 verschiedene Medikamente wurden in Italien gestohlen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Aufsichtsbehörden der Länder informiert, auch Zoll- und Bundeskriminalamt wurden eingeschaltet.

Einen Anstieg verzeichnete der Zoll auch beim Rauschgiftschmuggel. Mit 16,7 Tonnen seien 2015 über drei Tonnen mehr Rauschgift aus dem Verkehr gezogen worden als 2014. So stieg allein die sichergestellte Kokain-Menge von 1,2 auf 1,7 Tonnen. Der EU-Kommission zufolge stecken EU-Bürger jedes Jahr zwischen 21 und 31 Milliarden Euro in illegale Drogen. Noch immer ist Cannabis in Europa die am häufigsten konsumierte Droge. So liegt der Anteil von Cannabis am illegalen Endverbrauchermarkt bei etwa 38 Prozent, was einem Marktwert von mehr als 9,3 Milliarden Euro jährlich entspricht.

Dagegen halbierte sich die Zahl der beschlagnahmten Schmuggelzigaretten nahezu auf 75 Millionen. Den Rückgang führt der Zoll auf neue Strategien der Täter zurück, die legale und illegale Warenströme verstärkt miteinander verbinden. Erst Ende März wurden im Ruhrgebiet eine viertel Million illegaler Zigaretten vom Zoll sicherstellt. Der Steuerschaden der illegalen, beschlagnahmten Zigaretten soll bei über 40.000 Euro liegen. Noch dauern die Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Essen an. Bei einer Verurteilung kann den Tätern eine Haftstrafe drohen.

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