Wirtschaft

Tausende gefährliche Produkte in der EU

Im vergangenen Jahr wurden für über 2.000 Produkte EU-weite Gefahrenmeldungen ausgegeben. Vor allem Kleidung und Spielzeug waren belastet. Vor allem Waren aus China gehören weiterhin zu den Spitzenreitern, einige kamen aber auch aus Deutschland.

Grafik: EU-Kommission

Grafik: EU-Kommission

Seit 2003 können über das Schnellwarnsystem, dem sich 31 Länder angeschlossen haben, Informationen über gefährliche Produkte in Europa vom Markt genommen oder auch zurückgerufen werden. Wie wichtig dieses System ist, zeigt der Aktuelle Bericht der EU-Kommission. Demnach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2072 Warnmeldungen und 2745 Folgemaßnahmen registriert. Die Produktgruppen „Spielzeug“ und „Bekleidung, Textilien und Modeartikel“ waren am häufigsten unter den Warnmeldungen. Das liegt auch daran, dass diese Produkte sehr häufig und regelmäßig konsumiert werden. Allein 27 Prozent der über 2.000 Warnungen betrafen Spielzeug: Das sind 555 Warnungen. Besonders häufig wiesen die betroffenen Produkte von chemischen Risiken und Verletzungsgefahren auf.

Gefährliche Produkte, die ihren Ursprung in Europa haben, machten 313 der Warnmeldungen aus (15 %). Trauriger Spitzenreiter war hier 2015 Deutschland mit 63 betroffenen Produkten. Aus Großbritannien kamen 46 Produkte, aus Italien 35 und aus Polen 34 Produkte. Die meisten Gefahrenmeldungen betrafen hierzulande den Bereich Kraftfahrzeuge.

China, Europas größter Importpartner, war das Herkunftsland der meisten gefährlichen Produkte. Insgesamt 62 Prozent kamen aus China. „Bis heute hat China mehr als 11.540 Mitteilungen nachverfolgt und konnte in 3.748 Fällen Abhilfemaßnahmen treffen“, so die EU-Kommission. In vielen Fällen sei die Ermittlung der Herkunft eines Erzeugnisses nach wie vor schwierig.

„Wir stehen vor zwei Herausforderungen: Online-Verkäufe, bei denen Waren per Post direkt an die Verbraucher geliefert werden, und die starke Präsenz chinesischer Waren, die bereits über das Schnellwarnsystem gemeldet wurden“, sagte Věra Jourová, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung. „Ich reise im Juni nach China, um die wichtige Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden im Bereich der Produktsicherheit zu erhöhen.“
Mittlerweile kaufen mehr als 65 Prozent der Europäer online ihre Produkte. Zwischen 2006 und 2015 ist die Zahl der Online-Einkäufer um 27 Prozent gestiegen. „Eine neue Herausforderung besteht jetzt darin, auf den Online-Handel zu reagieren, durch den Waren von außerhalb der EU, die möglicherweise keiner Sicherheitsprüfung unterzogen wurden, per Post direkt in die Haushalte gelangen“, so die Kommission.

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für die Meldung und Veröffentlichung von Hinweisen zu gefährlichen Produkten zuständig. Am 22. April beispielsweise veröffentlichte die Bundesanstalt eine Warnmeldung zu einem „Besttoy Holz-Schiebeauto“ aus China. Der Herstellername sei nicht bekannt, aber es gebe eine freiwillige Rücknahme des Produkts. Als Grund heißt es: „Die Menge an Nickel in den Metallschrauben des Spielzeugautos ist zu hoch (Messwert von bis zu 2,63 g/cm²/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen auslösen, wenn der Artikel in direkten und längeren Kontakt mit der Haut kommt. Das Produkt entspricht nicht der REACH-Verordnung.“

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