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Gefährliches Insektizid für Kirschen in deutschen Weinen gefunden

Das Insektizid Dimethoat, das normaler Weise bei Kirschen angewendet wird, sorgt weiter für Aufregung. Nach der Warnung der Europäischen Lebensmittelbehörde vor Gesundheitsrisiken, wurden nun auch Rückstände des Mittels in sächsischen Weinen nachgewiesen. Dafür ist das Pflanzenschutzmittel abgesehen von der neu festgestellten Gesundheitsgefährdung gar nicht zugelassen.

Insektizid im Kannenfeldpark: Marshal CS 25. (Foto: Flickr/ Patrik Tschudin/CC by 2.0)

Insektizid im Kannenfeldpark: Marshal CS 25. (Foto: Flickr/ Patrik Tschudin/CC by 2.0)

In drei sächsischen Kellereien hat das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nach vermehrten Kontrollen Rückstände des Pflanzenschutzmittels Dimethoat nachgewiesen. Hier wurden in der Weinrinde Rückstandswerte im Bereich von einem bis 15 Milligramm pro Kilogramm Rinde gemessen. In den kontaminierten Kellertrauben wurden Rückstände von 0,75 Milligramm festgestellt. Dem Landesamt für Umwelt zufolge zeigt dies, dass das für den Weinbau verbotene Pflanzenschutzmittel direkt von den Landwirten auf die Reben angewendet wurde.

Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hatte zuletzt mit ihrer Einschätzung zur Gefährlichkeit des Insektizids für Aufsehen gesorgt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es mögliche langfristige Gesundheitsrisiken für Verbraucher durch Rückstände gebe, teilte die EFSA in der vergangenen Woche in einem Bericht mit, der auf Anfrage Frankreichs angefertigt wurde. Einige US-Wissenschaftler hätten ein Krebsrisiko ausgemacht.

Frankreich fordert ein europaweites Verbot des Dimethoat genannten Insektizids, das unter anderem von BASF und der dänischen FMC-Tochter Cheminova angeboten wird.

Alice Kindler von Cheminova Deutschland sagte den Deutschen Gesundheits Nachrichten:

„Cheminova hat Anfang diesen Jahres von den Dimethoat-Rückständen im Wein aus der Presseschau erfahren, wonach der sächsische Goldriesling zurückgerufen wurde. Cheminova hat den Fall sofort in Zusammenarbeit  mit dem  Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und der Sächsischen Winzergenossenschaft Meißen eG aufgeklärt. Hierbei stellte sich heraus, dass Dimethoat entgegen der Zulassung in Deutschland kurz vor der Ernte im Weinbau eingesetzt wurde.“

Das Produkt Danadim Progress mit dem Wirkstoff Dimethoat ist in Deutschland in Zierpflanzen, Gemüse und Getreide zugelassen und hatte in den letzten Jahren eine Notfallzulassung zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege erhalten.

Dimethoat wird bei verschiedenen Obst- und Gemüsesorten eingesetzt. Frankreich ist allerdings insbesondere bei Kirschen besorgt, wo das Mittel zur Bekämpfung von Fruchtfliegen genutzt wird. Im Februar wurde dort ein auf Dimethoat basierendes Pestizid verboten, was für einen Aufschrei unter Bauern sorgte, die keine Alternative zu der Substanz zur Hand hatten.

In Deutschland war das Pflanzenschutzmittel schon früher einmal Thema. „Dimethoat gilt als erbgutschädigend und neurotoxisch“, heißt es in einer Kleinen Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion aus dem Jahr 2011.

„Es ist stark wassergefährdend und giftig für Wasserorganismen. Die Schädlichkeit für die Umwelt, vor allem für Bienen und Vögel, ist hoch. Aus diesem Grund führen sowohl Greenpeace als auch das Pestizid Aktions-Netzwerk e. V. PAN Dimethoat auf ihren jeweiligen sogenannten schwarzen Listen der besonders gefährlichen Pestizidwirkstoffe.“

Die Bundesregierung betonte:

„Die Anwendung der dimethoathaltigen Pflanzenschutzmittel „Danadim Progress“ und „Perfekthion“ darf nur bei Starkbefall nach Warndienstaufruf der zuständigen Landesbehörde erfolgen. Vom Anwender ist zu belegen, dass die erforderliche Technik zur Anwendung vorhanden ist. Anwendungen sind zu dokumentieren und der zuständigen Landesbehörde zu melden. Die festgesetzten Anwendungsbestimmungen und Auflagen dienen dem Schutz von Anwendern, Arbeitern, Bienen sowie Fischen und Fischnährtieren.“

Über die potentielle Gefahr für den Menschen ist in der Kleinen Anfrage und in der Antwort nichts zu lesen.

In der Schweiz haben sich die Schweizer Kirschproduzenten dafür ausgesprochen, das Pflanzenschutzmittel nicht mehr einzusetzen. 40 Jahre wurde Dimethoat eingesetzt. Tatsächlich hatte der Bund 2013 Dimethoat-haltige Mittel aufgrund gesundheitlicher Bedenken verboten. Doch auf Basis einer Sonderbewilligung durch das Bundesamt für Landwirtschaft durften die Obstbauern weiter unter strengen Auflagen darauf zurückgreifen. Nun setze man auf Netze und alternative Methoden, so der Schweizer Obstverband. Teurere Preise müssten die Konsumenten jedoch in Kauf nehmen.

Die EFSA berät EU-Abgeordnete bei ihren Entscheidungen. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man werde den Bericht lesen und am Freitag mit Experten aus allen 28 Mitgliedsstaaten besprechen.

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