Wirtschaft

Start-ups im Visier der Gesundheits-Riesen

Start-ups im Gesundheitsbereich ernten vermehrt Aufmerksamkeit von alten Hasen in der Branche. App-Hersteller sind dabei genauso interessant wie junge Hersteller von medizinischen Geräten oder Anbieter von speziellen IT-Systemen. Der Krankenhauskonzern Rhön-klinikum beispielsweise will einen zweistelligen Millionenbetrag in Start-ups investieren.

Start-ups können zunehmend auch für alte Hasen der Gesundheitsbranche zur Konkurrenz werden. (Foto: Flickr/The Next Web Photos/CC by sa 2.0)

Start-ups können zunehmend auch für alte Hasen der Gesundheitsbranche zur Konkurrenz werden. (Foto: Flickr/The Next Web Photos/CC by sa 2.0)

Der Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum setzt bei der Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells auf die Unterstützung von Start-ups. Das Unternehmen wolle 2016 einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in junge Medizintechnik-Firmen (Medtec) investieren, sagte Rhön-Finanzchef Jens-Peter Neumann bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Frankfurt. Die Firmen sollen Rhön-Krankenhäusern etwa dabei helfen, sich mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten besser zu vernetzen. Man wolle sich im „stark wachsenden E-Health-Segment an sogenannten Start-ups beteiligen, die ausgewählte medizinische und medizintechnische Anwendungen entwickeln“, heißt es im Geschäftsbericht.

Zudem hält Rhön Ausschau nach neuartigen medizinischen Gerätschaften, mit denen häufig auftretende Krankheiten wie Krebs oder Herzkreislaufbeschwerden behandelt werden können. „Derzeit sind wir kurz davor, ein Investment zu machen in ein preislich gutes Cardio-Gerät, das wir im Klinikum Marburg bereits getestet haben“, sagte Neumann. Grundsätzlich beteilige sich Rhön an Start-ups mit maximal 30 Prozent.

Rhön ist nach dem Verkauf zahlreicher Krankenhäuser an den Konkurrenten Fresenius 2014 deutlich geschrumpft. Nun will das Unternehmen die Investoren mit der Aussicht auf neuartige Technologien und einer attraktiven Dividende bei der Stange halten. Für 2015 wolle Rhön wie im Vorjahr 80 Cent je Aktie ausschütten, sagte Neumann. „Wir denken, die Aktionäre werden mit knapp drei Prozent Dividenden-Rendite happy sein.“

Eine Übernahme von Rhön-Klinikum erwartet der Vorstand derzeit nicht. „Aus meiner Sicht ist das komplett ad acta gelegt“, sagte Neumann. „Es war, seit ich Vorstand bin, noch nie so ruhig.“ Die Rhön-Aktie liege mit mehr als 28 Euro auf einem Rekordhoch. Der Konzern ist damit rund 1,9 Milliarden Euro wert. Für den Konkurrenten und Rhön-Großaktionär Asklepios, der in der Branche lange als möglicher Käufer gehandelt wurde, sei das zu teuer, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Aus Sicht von Bankern könne Asklepios eine Übernahme nur stemmen, wenn der Rhön-Aktienkurs unter 22 Euro liege, betonte einer der Insider. Ein Asklepios-Sprecher erklärte, er äußere sich nicht zu Marktspekulationen.

Wie erfolgreich Start-ups sein können zeigte jüngst das Wiener Start-up Diagnosia. Als Anbieter von Software für Krankenhäuser und Ärzte in Bezug auf Medikamente und ihre Nebenwirkungen hatte es im März den Kauf des 2002 gegründeten Unternehmens MedEval angekündigt. Auch Diagnosia hat längst die Aufmerksamkeit der Branchen-Riesen auf sich gezogen. Der französische Pharmakonzern hatte Ende 2015 das Start-up verklagt.

Um dem Digitalisierungstrend in der Gesundheitsbranche zu folgen, setzen zudem mittlerweile zahlreiche Pharmakonzerne auf Zusammenarbeit mit Firmen, die Daten aggregieren und analysieren, mit digitalen Start-ups sowie mit Versicherungen und anderen Dienstleistern in der Gesundheitsindustrie.

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