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Studie: Großes Potential bei Gesundheits-Apps

Zwischen 80.000 und 90.000 Gesundheits-Apps gibt es mittlerweile. Die Nachfrage steigt, doch die Frage nach der Finanzierbarkeit bleibt für viele Unternehmen noch ungeklärt. Auch fehlen Qualitäts- und Sicherheitsstandards, die dem Nutzer den Weg durch den Angebotsdschungel zeigen.

Gesundheits-Apps bieten viel Chancen, aber auch Risiken. (Foto: Flickr/Jason Howie/CC by 2.0)

Gesundheits-Apps bieten viel Chancen, aber auch Risiken. (Foto: Flickr/Jason Howie/CC by 2.0)

Die Zahl der Apps, die im Gesundheitsbereich mittlerweile für Smartphones angeboten werden, wächst stetig. Je nach Zählweise sind es allein in den Kategorien „Medizin“ und „Gesundheit und Fitness“ zwischen 80.000 und 90.000 Apps. Der App-Markt ist groß und vielversprechend. „Verantwortungsvoll eingesetzt, können mobile Technologien in der Medizin die Ausgestaltung zeitgemäßer und gleichermaßen ressourcenschonender Versorgungsangebote unterstützen“, heißt es in der aktuellen Studie „CHARISMHA – Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ des Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik. „Sie haben möglicherweise sogar das Potenzial, zur Steigerung der Leistungs- und Versorgungsqualität beizutragen, insbesondere bei der Betreuung chronisch kranker oder älterer Personen.“ Aber auch Prävention und Gesundheitsförderung bieten breite Anwendungsfelder.

Trotz des enormen Potentials sind Wirtschaftlichkeit und Umsatzpotential der Branche schwer festzumachen. Nur wenige Apps bzw. Hersteller von Apps erreichen bei dem vielfältigen Angebot am Markt hohe Downloadzahlen. Nur selten wird der durch den Verkauf der Software erzielte Erlös kostendeckend oder gar gewinnbringend sein. Wirklich tragfähige und gewinnträchtige Geschäftsmodelle können aktuell nur durch wenige App-Anbieter erfolgreich umgesetzt werden, so die Studie. Dadurch entsteht ein Missverhältnis zwischen Kosten der Entwicklung und des Gewinns. Bei der im Rahmen der Studie durchgeführten Evaluation überwog der Bereich kostenfreier Angebote die der Bezahlangebote bei weitem. Meist wird der Erlös durch den Verkauf von Werbung in der App oder zahlungspflichtigen Zusatzangeboten erzielt.

„Für die Zukunft wäre daher wünschenswert, mHealth-basierte Lösungen und Gesundheits-Apps z.B. für Versicherte bei nachgewiesener Wirksamkeit erstattungsfähig zu machen.“ Dies könnte die Situation sowohl auf Anwender- wie Herstellerseite entspannen und einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung qualitativ hochwertiger Apps leisten.

Die noch fehlende finanzielle Perspektive etlicher Apps sollte jedoch nicht als Grund dafür angeführt werden, da es noch keine Qualitätsstandards und -kontrollen in diesem Bereich gibt:

„Es sollte darauf hingewirkt werden, zusätzliche Informationspflichten der Hersteller zu den Inhalten und Funktionalitäten von Gesundheits-Apps einzuführen, ähnlich wie dies bereits im Kontext der Alterseinstufung von Apps durch die Store-Betreiber selbst abgefordert wird. Ebenso sollten Hersteller durch die Store-Betreiber dazu verpflichtet werden, vollständige Angaben zum Datenschutz sowie zu den Kontaktdaten und Inhalten der Apps und ihren Finanzierungsquellen zu machen.“

Um die Potenziale von mHealth und Gesundheits-Apps in die Realität transferieren zu können, sollte zudem der Ausbau telemedizinischer Infrastrukturen vorangetrieben werden. Denn mHealth kann die Gesundheitsversorgung verbessern und gleichzeitig Zugangsbarrieren und Kosten senken. So könnten Apps als Monitoring-Hilfen die Liegedauer in Krankenhäusern reduzieren. Für das US-amerikanische Gesundheitswesen wurde für die Behandlung von Diabetes eine mögliche Kostenersparnis von etwa 15 Prozent durch „remote health monitoring“ hochgerechnet, die überwiegend im stationären Bereich und in der Pflege erlöst werden könnten. Eine kanadische Studie ermittelte eine durchschnittliche Kostenreduzierung nach operativen Eingriffen im Krankenhaus um 233 US-Dollar dank eigener Kontrollen per App statt persönlichen Arztbesuchen in risikoarmen Fällen.

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