Ernährung

UN fordern höhere Preise für Wasser in reichen Ländern

Die Weltbank und die Vereinten Nationen warnen vor einem Wassermangel wegen des Klimawandels. Um die Verschwendung zu beenden, empfehlen die UN, die Preise in den reichen Ländern zu erhören.

Die arabischen Emirate haben bereits Erfahrungen mit Mega-Bau-Projekten in der Wüste. (Foto: Flickr/ brando.n/CC by 2.0)

Die arabischen Emirate haben bereits Erfahrungen mit Mega-Bau-Projekten in der Wüste. (Foto: Flickr/ brando.n/CC by 2.0)

Wassermangel infolge von Klimaveränderungen könnte der Weltbank zufolge bis 2050 zu einem Einbruch der Konjunktur in mehreren Regionen der Welt führen. Besonders hart dürfte es den Nahen Osten treffen. Dort könne die Wirtschaftsleistung um bis zu 14 Prozent fallen. Auch in China und Indien würde der Wandel schwerwiegende Folgen haben, so die Modellrechnungen der Weltbank.

Laut den Vereinten Nationen betrifft die Wasserknappheit jedoch bald nicht mehr nur die Golf-Region sondern immer mehr Gebiete auf der ganzen Welt: Auch Europa ist nach einer Studie der UN spätestens 2070 von der weltweiten Wasserknappheit betroffen. Der Klimawandel und der mit der Bevölkerung wachsende Bedarf an Nahrung, Energie und sanitärer Versorgung gefährden demnach auf lange Sicht die weltweite Wasserversorgung. Bereits bis 2030 könne die Lücke zwischen dem Bedarf und der natürlichen Neubildung von Grundwasser auf 40 Prozent anwachsen, prognostizieren die Experten der UN-Wetterorganisation WMO. Bis zum Jahr 2050 werde der weltweite Bedarf an Wasser dadurch voraussichtlich um 55 Prozent ansteigen. Bis 2070 werde die Wasserknappheit auch in Mittel- und Südeuropa zu spüren sein.

Ein Lösungsansatz zum Wassersparen könnte es demnach sein, Wasser teuer zu machen. „Die derzeitigen Wasserpreise sind normalerweise viel zu niedrig, um reiche Haushalte und Industrien davon abzuhalten, überzogen viel Wasser zu verbrauchen“, so der UN-Bericht.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten hat man bereits erste Maßnahmen ergriffen. Ein künstlich angelegter Berg soll bald mehr Niederschläge erzeugen. Der Berg soll die Luft dazu bringen, aufzusteigen und Wolken zu bilden. Diese sollen dann mit Chemikalien „geimpft“ werden, um als Steigungsregen für die Bewässerung der Region zu sorgen.

Das Konzept ist eine Auftragsarbeit von US-Wissenschaftlern des National Center for Atmospheric Research (NCAR), berichtet das Wirtschaftsmagazin Arabian Business in Dubai. Die Forscher studierten demnach derzeit detaillierte Modelle des Projekts um bis zum Sommer zu bewerten, welche Art von Berg in welcher Höhe und Steigungswinkel die besten Auswirkungen auf das Wetter hat. Das Forschungskonsortium aus verschiedenen US-Universitäten hat dafür bereits 400.000 Dollar an Forschungsgeldern erhalten.

Auf der Suche nach neuen Trinkwasserquellen investiert die trockene Region der arabischen Wüsten große Summen für die Erforschung von Wettertechnologien. Wie jüngst bekanntgegeben, haben die Vereinigten Arabischen Emirate allein im vergangenen Jahr 558.000 Dollar für das sogenannte „Cloud-Seeding“ ausgegeben. Dieses Verfahren zur Wetteränderung nennt sich auch „Wolkenimpfen“ und bewirkt ein chemisch induziertes Abregnen von Wolken. Dabei kommen meist Metallionen zum Einsatz, die etwa per Flugzeug direkt in die Wolken gesprüht werden und die Regentropfen beschweren und so zum Niederregnen bringen.

Noch müssen die Forscher herausfinden, wie viel genau das Bauen eines künstlichen Bergs kosten würde, sollte es sich als rentabel erweisen, soll ein Ingenieursbüro in der nächsten Projekt-Phase den Bau konkret konzipieren.

Die Arabischen Emirate haben bereits Erfahrungen mit künstliche Landschaftsveränderungen, auch Geo-Engineering genannt: So entstand in der Region das berühmte Projekt der Palm Islands, zwei künstlich vor der Küste aufgeschüttete Luxus-Inselgruppen in Form von Palmen.

Kosten waren bei solchen Mega-Projekten für die reichen Ölländer bisher kein Problem, doch mit dem nachlassenden Öl-Boom tritt das Trinkwasserproblem der Wüstenstaaten immer stärker in den Vordergrund. Saudi-Arabien hat nach Jahren der Wasserverschwendung nun wegen des extremen Wassermangels radikale Maßnahmen ergriffen und die Landwirtschaft komplett verboten.

Insbesondere das Verbot des Futtermittelanbaus bringt den größten Milchproduzenten des Landes in Bedrängnis: Almarai betreibt mitten in der Wüste die größte Kuhfarm der Welt. Um die Versorgung der 50.000 Tiere zu sichern, kauft der Konzern nun massiv Agrarflächen im Ausland auf, vornehmlich in Afrika und den USA. Die Regierung unterstützt die Strategie: Im vergangenen Jahr hat die Politik finanzielle Förderung für alle Investoren angekündigt, die Ackerland in Übersee kaufen. In Afrika und vornehmlich im Sudan haben saudische Investoren bereits mehr als eine Million Hektar Land gekauft und sich dort bereits massive Kritik wegen Landgrabbings eingehandelt.

Nun hat Almarai eine Ausweitung seiner Strategie der Expansion außerhalb von Saudi-Arabien angekündigt. So hat das Unternehmen jüngst Agrargrundstücke in den USA für insgesamt 80 Millionen Dollar gekauft. Mehr als vierzig Quadratkilometer davon liegen in Arizona, zudem kaufte Almarai auch sieben Quadratkilometer in Kalifornien, meldet Reuters. Kalifornien ist einer der beliebtesten Staaten für ausländische Investoren in den USA. Rund 2,5 Prozent des privaten Ackerlands sind in ausländischem Besitz, zitiert die Fachzeitschrift Agrimoney Daten des US-Landwirtschaftsministeriums.

Besonders die Farmer im dürregeplagten Kalifornien kritisieren den Schritt, so Berichte aus US-Medien. Almarai baue das Heu für seine Kühe künftig ausgerechnet in Regionen an, die selbst mit Trockenheit und Wassermangel zu kämpfen haben. Besonders Kalifornien kämpft seit vier Jahren mit einer Jahrhundert-Dürre, die die Wirtschaft des Staates nach offiziellen Schätzungen bereits 2,74 Milliarden Dollar gekostet hat. Holly Irwin, Sprecherin einer lokalen Farmervereinigung in Arizona sagte gegenüber dem US-Sender CNBC: „Wir lassen sie hier rüberkommen und unsere Ressourcen aufbrauchen. Das ist sehr frustrierend für mich, insbesondere wenn Anwohner zu mir kommen und mir erzählen, dass ihre Brunnen austrocknen und sie tiefer bohren müssen, um an Wasser zu gelangen. Es ist für diese Leute sehr teuer, neue Brunnen zu bohren“.

Die Farmer fordern von der Regierung Regulierungsmaßnahmen, um den weiteren Export von Wasser in Form von Heu nach Saudi-Arabien zu unterbinden. Denn den Farmern zufolge haben sich die Saudis gezielt die Gebiete ausgesucht, in denen es wenig Regulierung zum Grundwasserverbrauch gebe.

Saudi-Arabiens Wasserproblem ist zum großen Teil hausgemacht: Der Wüstenstaat liegt eigentlich auf einem der größten unterirdischen Wasserreservoirs der Welt. Allerdings wurden die in Jahrtausenden gewachsenen Wasserspeicher innerhalb nur einer Generation zu mehr als vier Fünftel geleert.

Mitschuld sind gigantische Agrarprojekte: Neben der größten Milchfarm der Welt, deren Vieh wegen der Außentemperaturen von bis zu 55 Grad Celsius permanent mit Wasser besprüht werden muss, um nicht vor Hitze zu kollabieren, hat Saudi-Arabien auch riesige Weizenfelder in der Wüste angelegt mit dem Ziel, den Wüstenstaat zum Selbstversorger bei Weizen zu machen. Die Strategie machte das Königreich zeitweise zum sechsgrößten Weizenproduzenten der Welt. Für kurze Zeit hat Saudi-Arabien so viel produziert, dass es große Teile der Ernte an die Nachbarländer verschenken musste, damit das Korn nicht verrottet. In den 1990er Jahren verbrauchten die saudischen Farmer dafür ganze 5 Billionen Gallonen oder rund 19 Billionen Liter Wasser pro Jahr, wie der amerikanische Investigativblog Reveal ausgerechnet hat.

Mit dem praktischen Verbot der Landwirtschaft zieht Saudi-Arabien jetzt radikal die Notbremse. Ob die Maßnahmen noch rechtzeitig kommen, ist fraglich: Zahlreiche Jahrtausende alte Oasen sind jedenfalls bereits für immer ausgetrocknet. Sollten die letzten Quellen des reichen Ölstaats versiegen, dürften sich die saudischen Zukäufe von Territorium im Ausland in absehbarer Zeit nicht mehr nur auf Ackerland für Heuanbau beschränken.

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