Wirtschaft

UN-Studie hält Glyphosat doch nicht für krebserregend

Der Inhaltsstoff Glyphosat des US-Konzerns Monsanto ist nach einer neuen UN-Studie vermutlich nicht krebserregend.

142.773 Unterschriften gegen Glyphosat wurden in dieser Woche an das Landwirtschaftsministerium übergeben. (Foto: Flickr/BUND Bundesverband/CC by 2.0)

142.773 Unterschriften gegen Glyphosat wurden in dieser Woche an das Landwirtschaftsministerium übergeben. (Foto: Flickr/BUND Bundesverband/CC by 2.0)

Die WHO präsentiert sich als Chaos-Truppe – oder aber die Organisation steht unter gewaltigem Druck: Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat des US-Konzerns Monsanto ist nach einer neuen UN-Studie vermutlich nicht krebserregend.

Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme für Menschen ein Krebsrisiko darstelle, stellten Experten der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Die Chemikalie löse vermutlich auch keine Veränderungen des menschlichen Erbguts aus. Die Angaben widersprechen den Ergebnissen einer Untersuchung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC), die in Lyon ansässig ist und zur WHO gehört.

Wieso die WHO ihre eigenen Forscher plötzlich korrigiert, ist unklar: Die Angaben sind nämlich das glatte Gegenteil dessen, was aus den Ergebnissen einer Untersuchung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC) hervorgeht. Die IARC ist in Lyon ansässig und Teil der WHO. Die IARC hatte Glyphosat im März 2015 als wahrscheinlichen Krebserreger eingestuft.

Monsanto hatte damals die Rücknahme der IARC-Studie gefordert. „Wir hinterfragen die Qualität der Bewertung (…). Die WHO hat etwas zu erklären“, zitierte Reuters den Vize-Präsidenten der Monsanto-Abteilung Global Regulatory Affairs, Philip Miller. Der Monsanto-Funktionär will ein Treffen mit Vertretern der WHO und der IARC und fordert die Rücknahme der Studie.

Zuvor sagte der Cheflobbyist Miller, man könne sich nicht erklären, wie die WHO zu einer „derart dramatischen” Abweichung von allen bisherigen „regulatorischen Schlussfolgerungen“ habe kommen können. Er bezieht sich offenbar auf eine deutsche Studie für die EU, die erst im Vorjahr Roundup die volle Unbedenklichkeit bescheinigt hatte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah 2014 zunächst „keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat“. Doch in einer Mitteilung vom 2. April meldet das BfR, dass der „Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) im Verfahren zu berücksichtigen“ sei. Das BfR wörtlich: „Das BfR sieht es als nicht zielführend an, wenn es als Verfasser des Bewertungsberichts zu Glyphosat die IARC Monographie kommentiert. Hieran sollten vielmehr alle EU-Mitgliedsstaaten beteiligt werden“.

In Deutschland streitet die Regierung derzeit darüber, ob die Zulassung von Glyphosat in der EU verlängert werden soll. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte angekündigt, die SPD-Ressorts würden eine Wiederzulassung des Herbizids in der EU ablehnen. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) erklärte daraufhin, er habe „überhaupt kein Verständnis für die Rolle rückwärts“ von Hendricks. Inzwischen hat sich das Kanzleramt in den Streit eingeschaltet.

Nach einem Reuters vorliegenden EU-Entwurf soll Glyphosat für weitere neun Jahre zugelassen werden. Damit kam die EU-Kommission bereits Bedenken entgegen, denn ursprünglich sollte die Nutzung von Glyphosat für weitere 15 Jahre genehmigt werden. Das EU-Parlament hatte sich dagegen für eine auf sieben Jahre befristete Wiederzulassung ausgesprochen.

Glyphosat wird seit den 70er Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt. Monsanto vertreibt es unter dem Markennamen Roundup und erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar. Auch andere Konzerne produzieren das Mittel – unter anderem aus der EU und aus China. Es ist anzunehmen, dass die Konzerne erheblichen Druck auf die EU ausgeübt haben.

Kommentare

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  1. Kann mir lebhaft vorstellen,wie und warum die WHO umgefallen ist.Es wäre ausgerechnet bei Monsanto nicht das erste Mal.Aber genauer sagen werde ich es nicht.Halb Europa will das Giftzeug weg haben und Monsanto setzt sich durch,auch nicht das erste Mal.
    Meeerkwürdig…..