Gesundheitssystem

Krise: Baden-Württembergs Gesundheitssystem wankt

Vorübergehende Schließungen von Einrichtungen bzw. Abteilungen nehmen zu

Erwartete Entwicklung der Beschäftigtenzahl (Vollkräfte) in den nächsten 12 Monaten. (Grafik: BWKG)

Erwartete Entwicklung der Beschäftigtenzahl (Vollkräfte) in den nächsten 12 Monaten. (Grafik: BWKG)

„Den Gesundheitseinrichtungen fehlt Geld für zusätzliches Personal und notwendige Investitionen“, warnte der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Detlef Piepenburg. Wie der aktuelle BWKG-Indikator (1/2016) zeigt, hatten im vergangenen Jahr noch immer 42,8 Prozent der Krankenhäuser, 43,6 Prozent der Reha-Einrichtungen und 32,2 Prozent der Pflegeeinrichtungen ein Defizit. „Diese finanzielle Situation bereitet weiterhin ernsthafte Sorgen, zumal ein Großteil der Einrichtungen nicht mit einer Verbesserung ihrer Situation in den kommenden zwölf Monaten rechnet“, so Piepenburg.

„Die Krankenhäuser im Land leiden darunter, dass strukturelle Unterschiede zwischen den Bundesländern im deutschen Krankenhausfinanzierungssystem weitgehend unberücksichtigt bleiben“, betont Piepenburg. Das führe dazu, dass die überdurchschnittlichen Kosten der Kliniken im Südwesten vor allem beim Personal nicht finanziert werden.

Die finanzielle Krisensituation vieler Einrichtungen und der sich dadurch noch verschärfende Personalmangel führten zuletzt sogar vermehrt zu zeitlich begrenzten Schließungen. „Aufgrund der aktuellen Personalsituation wird der Kreißsaalbetrieb in unserer Bühler Klinik vorübergehend geschlossen“, hieß es beispielsweise im Dezember beim Klinikum Mittelbaden in Bühl. „Eine Aufnahme zur Entbindung ist nicht mehr möglich. Der Kreißsaalbetrieb wird ab Samstag, 12. Dezember 2015, 6.15 Uhr, eingestellt und am Montag, 11. Januar 2016, 6.00 Uhr, wieder regulär aufgenommen.“

„2015 hatten beispielsweise zwei Drittel der Krankenhäuser im Land keinen Jahresüberschuss. Und die jüngste Krankenhausreform mit dem Krankenhausstrukturgesetz wird an dieser finanziellen Misere nichts ändern. Nicht in diesem und auch nicht im kommenden Jahr“, so Piepenburg, der auch Landrat des Kreises Heilbronn ist. Zwei Drittel der Krankenhäuser in Baden Württemberg hatten angegeben, kein zusätzliches Pflegepersonal einstellen zu können.

43 Prozent der Krankenhäuser rechnen in den kommenden 12 Monaten damit, dass sich die wirtschaftliche Situation noch verschlechtert. Nur 11,9 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

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