Forschung

Wissenschaftler entdecken Gen für Multiple Sklerose

Patienten, die unter Multipler Sklerose leiden, können oft nur versuchen, den Ausbruch der Krankheit zu verlangsamen. Wirkliche Heilungsmethoden gibt es nicht. Eine neue Entdeckung von kanadischen Wissenschaftlern macht nun Hoffnung. Sie haben eine Genmutation gefunden, auf die Multiple Sklerose in den meisten Fällen zurückgeführt werden kann.

Das Interesse an der Gentechnologie hat wieder zugenommen. (Foto: Flickr/Andy Leppard/ CC by 2.0)

Das Interesse an der Gentechnologie hat wieder zugenommen. (Foto: Flickr/Andy Leppard/ CC by 2.0)

Weltweit leben schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen mit einer Multiplen Sklerose MS. In Deutschland sind es dem Bundesversicherungsamt zufolge etwa 200.000. Die entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems tritt besonders häufig im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Von Patient zu Patient sind der Schweregrad und die Schnelligkeit der auf den Ausbruch der Krankheit folgenden Beschwerden unterschiedlich. Eine Heilung ist bisher nicht möglich.

Das liegt auch daran, dass die wirkliche Ursache einer Multiplen Sklerose bisher noch nicht geklärt werden konnte. In jedem Fall aber spielt das körpereigene Immunsystem eine Rolle. Während sich das Immunsystem eigentlich bei einer Erkrankung gegen die entsprechenden Erreger der Krankheit wendet, richtet es sich bei MS gegen den eigenen Körper.

Forscher der University of British Columbia haben jetzt in diesem Zusammenhang jedoch eine wichtige Entdeckung gemacht. Sie haben eine Genmutation entdeckt, die für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sein soll. Wer die Genmutation in sich trägt, erkranke zu einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent an MS, so die Wissenschaftler.

In ihren Forschungen nutzten die Wissenschaftler Proben von 4.400 an MS Erkrankten und 8.600 Proben von deren nächsten Verwandten. Dabei fiel ihnen eine Familie mit fünf MS-Fällen in zwei Generationen auf. Als sie deren Erbgut untersuchten, fanden sie heraus, dass auf dem Gen NR1H3 an einem kurzen Abschnitt die Richtung invertiert war. Die Mutation führe zu einem Verlust der Genfunktion, heißt es in der dazu veröffentlichten Studie. Damit wird die Synthese des Regulations-Proteins LXRA verhindert. Dieses Protein aktiviert normalerweise die immunregulierenden, myelinschützenden und entzündungshemmenden Gene.

Die Wissenschaftler fanden daraufhin noch eine Familie mit dieser Mutation. Auch hier waren mehrere MS-Fälle registriert. Schätzungen der Wissenschaftler zufolge haben Menschen, die diese Mutation aufweisen, eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken. Im Zuge der Untersuchungen entdeckten die Wissenschaftler noch andere Veränderungen an demselben Gen. Diese kommen häufiger vor und können ebenfalls als MS-Risiko betrachtet werden.

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