Gesundheitspolitik

Glyphosat-Zulassung: Scharfe Kritik für Alleingang der EU-Kommission

Die EU-Regierungschefs konnten und wollten sich nicht hinsichtlich einer Verlängerung der Glyphosat-Zulassung aussprechen. Die EU-Kommission ließ sich davon jedoch nicht abhalten und entschied selbst: 18 Monate zusätzlich.

Seit Monaten gibt es in Deutschland immer wieder neue Demonstrationen gegen den Einsatz und die Zulassungsverlängerung. (Fotos: Moritz Richter/Campact/Flickr/CC by nc 2.0)

Seit Monaten gibt es in Deutschland immer wieder neue Demonstrationen gegen den Einsatz und die Zulassungsverlängerung. (Fotos: Moritz Richter/Campact/Flickr/CC by nc 2.0)

Einen Tag, bevor die Zulassung für Glyphosat in der EU abgelaufen wäre, hat sich die EU-Kommission für einen Alleingang entschieden und den Unkrautkiller für 18 weitere Monate zugelassen. 18 Monate, so lang hat nun auch die europäische Chemikalienagentur Echa Zeit, ein Gutachten zu den möglichen Krebsgefahren durch Glyphosat zu erstellen.  Während die WHO Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einstufte, halten die EU-Lebensmittelbehörde Efsa und das Bundesinstituts für Risikobewertung es für wahrscheinlich nicht krebserregend bei Menschen

„Der Zulassungspoker um Glyphosat belegt exemplarisch die Probleme, die das Misstrauen der Bürgerinnen und Bürger gegen die EU-Institutionen in den vergangenen Jahren verstärkt haben“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Statt sich am Vorsorgeprinzip zu orientieren und bis zum Beweis der Unbedenklichkeit für Gesundheit und Umwelt Glyphosat zu verbieten, hätten sich EU-Kommission und die meisten Vertreter der Mitgliedstaaten offenkundig von den Interessen der Agrarindustrie leiten lassen.

„Nachdem die EU-Kommission es vier Mal nicht geschafft hat, den Widerstand der Mitgliedstaaten gegen das Pestizid zu brechen, drückt sie jetzt dessen Weiterverwendung durch. Diese Glyphosat-Entscheidung ist ein Affront gegen viele überzeugte Europäer“, kritisiert auch der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Die 8250 Tonnen Glyphosat, die in den kommenden 18 Monaten allein in Deutschland auf die Äcker gelangen, sind 8250 Bücklinge vor Monsanto und Co. Es muss endlich darum gehen, eine EU der Bürgerinnen und Bürger statt eine der Konzerne zu schaffen“, sagte der BUND-Vorsitzende.

Umso wichtiger ist der für den NABU, dass nun die Bundesregierung Glyphosat zumindest in Deutschland verbietet. Das hatte die EU-Kommission zuletzt als Option angeboten. Bundesumweltministerin Hendricks hatte sich wie auch Wirtschaftsminister Gabriel für ein Verbot von Glyphosat ausgesprochen. Dem stellte sich zuletzt jedoch Agrarminister Schmidt in den Weg.

Frankreich hatte ein nationales Verbot von Glyphosat bereits angekündigt. In Österreich wurde die Entscheidung der Kommission ebenfalls stark kritisiert. „Trotz der Bedenken für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt wird der Wirkstoff nun in ganz Europa weiterhin in großen Mengen eingesetzt werden“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher bei Greenpeace in Österreich. Das sei mit dem Vorsorgeprinzip unvereinbar. Es brauche ein sofortiges Verbot der Anwendung des Totalherbizids überall dort, wo Menschen direkt damit in Kontakt kommen können. Außerdem sei es dringend notwendig, dass Minister Rupprechter für Österreich einen Glyphosat-Ausstiegsplan bis Ende 2017 veranlasst, so Theissing-Matei.

In Deutschland waren zuletzt 83 Prozent der Bürger gegen eine Verlängerung der Glyphosatzulassung. Für drei Viertel der Deutschen spielt zudem das Ergebnis der Echa bei einem Verbot von Glyphosat keine Rolle. Für Lebensmittel, die ohne Glyphosat gezüchtet wurden, würden sie auch tiefer in die Tasche greifen.

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