Wirtschaft

Nobelpreisträger fordern mehr Gentechnik

Über 100 Nobelpreisträger haben das Ende einer Anti-Gentechnik-Kampagne von Greenpeace gefordert. Greenpeace mache es sich zu einfach, Gentechnik im Grundsatz zu verurteilen. Es sei antiwissenschaftlich und Gefährlich, wie die Organisation vorgehe, so die Wissenschaftler. Tatsächlich könne Gentechnik auch viele aktuelle Probleme lösen

Der Golden Rice soll den Vitamin-A-Mangel vieler Menschen ausgleichen können. (Foto: Flickr/Josep Folta/CC by nc 2.0)

Der Golden Rice soll den Vitamin-A-Mangel vieler Menschen ausgleichen können. (Foto: Flickr/Josep Folta/CC by nc 2.0)

Der Einsatz von Gentechnik ist umstritten, sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Medizin. Neben Kirchen macht sich auch Greenpeace dafür stark, dem Einsatz der Gentechnik einen Riegel vorzuschieben. Nun melden sich jedoch Wissenschaftler zu Wort. In einem offenen Brief haben sich 107 Nobelpreisträger an Greenpeace gewandt und fordern die Nichtregierungsorganisation auf, ihre Anti-Gentechnik-Kampagne zu beenden.

Konkret geht es beispielsweise um die heiß diskutierte Reissorte Golden Rice. Diese wurde gentechnisch modifiziert, um bei Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern den Vitamin-A-Mangel zu beseitigen. Ein Vitamin-A-Mangel kann zur Erblindung oder schlimmstenfalls auch zum Tod führen. Greenpeace und andere Organisationen sprechen sich jedoch gegen den Reis aus und beziehen sich in ihrer Argumentation vor allem auf nicht vorhersehbare Langzeitfolgen, die der Golden Rice mit sich bringen könnte.

„Wir sind Wissenschaftler“, heißt es in dem Brief an Greenpeace. „Wir verstehen die Logik der Wissenschaft. Es ist einfach zu sehen, dass das, was Greenpeace tut, gefährlich und anti-wissenschaftlich ist“, so Initiator Richard Roberts vom New England Biolabs. Sie fordern daher Greenpeace und deren Unterstützer auf, die Erfahrungen der Landwirte und Konsumenten weltweit mit gentechnisch verändertem Essen und Samen noch einmal zu überprüfen sowie die Erkenntnisse von Zulassungsbehörden und angesehenen wissenschaftlichen Institutionen. Schließlich hatten diese widerholt bestätigt, dass gentechnisch veränderte Nahrungs- und Lebensmittel sicher seien, wenn nicht sogar sicherer als Lebensmittel aus anderer Herstellung, heißt es im Brief.

„Es hat noch nie einen einzigen Fall gegeben, der negative gesundheitliche Folgen beim Menschen oder bei Tieren nach dem Verzehr (gentechnisch veränderter Lebensmittel) bestätigt hätte.“ Greenpeace leitet die Widersacher von Golden Rice, der das Potential hat, den Tod und die Erkrankungen in Folge vom Vitamin-A-Mangel zu reduzieren.

Greenpeace lässt sich jedoch von dem offenen Brief der Nobelpreisträger nicht beeindrucken. „Greenpeace sieht in gentechnisch verändertem Reis keine Lösung für Ernährungsprobleme. Daran ändert auch der Vorwurf von über 100 Nobelpreisträgern nichts“, so die Organisation in einer Antwort auf den offenen Brief. Man verweise darauf, dass der transgene Reis laut seinen Entwicklern noch gar nicht einsatzbereit sei. „Statt viel Geld in High-Tech-Labore zu stecken, müssten Armut und einseitige Ernährung angegangen werden“, so Greenpeace. Dirk Zimmermann von Greenpeace zufolge sei noch nicht einmal erwiesen, dass das per Gentechnik in den Reis eingebaute Beta-Carotin vom Körper in ausreichend Vitamin A umgewandelt werden könne. „Sicher ist: Der gentechnisch veränderte Reis würde traditionelle Reissorten und wilden Reis verunreinigen“, so Zimmermann. „Damit stünde die Sicherheit eines Grundnahrungsmittels für mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung auf dem Spiel“:

Greenpeace zufolge durfte an der Pressekonferenz der Nobelpreisträger in der vergangenen Woche kein Greenpeace-Vertreter teilnehmen. Vielmehr soll dem US-Mitarbeiter Charlie Cray nach eigenen Angaben von einem ehemaligen Manager des Gentechnik-Konzerns Monsanto der Zutritt verweigert worden sein. „Besagter Reis ist weiterhin nur ein Forschungsprojekt mit gut geölter PR-Maschinerie“, so Zimmermann.

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