Wirtschaft

Schweizer Galenica übernimmt US-Biotechfirma für 1,5 Milliarden Dollar

Der vor der Aufspaltung stehende Schweizer Gesundheitskonzern Galenica greift für ein defizitäres US-Biotechunternehmen tief in die Tasche. Durch die 1,53 Milliarden Dollar teure Übernahme der kalifornische Relypsa will Galenica sein Arzneimittelgeschäft stärken, wie das Unternehmen aus Bern am Donnerstag mitteilte.

2015 kam Galenica Sante auf einen Umsatz von 2,89 Milliarden Schweizer Franken (Foto: Galenica)

2015 kam Galenica Sante auf einen Umsatz von 2,89 Milliarden Schweizer Franken (Foto: Galenica)

Die Schweizer zahlen 32 Dollar je Relypsa-Aktie, das ist ein Aufschlag von 59 Prozent zum Schlusskurs der Relypsa-Aktie. Der Verwaltungsrat des US-Unternehmens hat bereits grünes Licht für den Deal gegeben, der im dritten Quartal abgeschlossen werden soll. An der Schweizer Börse kam die Übernahme nicht gut an: Galenica-Aktien verloren mehr als sieben Prozent auf 1262 Franken.

Relypsa steckt tief in den roten Zahlen. 2015 machten die Kalifornier bei einem Umsatz von 18,5 Millionen Dollar einen Nettoverlust von knapp 179 Millionen Dollar. Große Hoffnungen setzen die Amerikaner auf das Medikament Veltassa, das 2015 als erstes Mittel seit über 50 Jahren in den USA die Zulassung für die Behandlung von Hyperkaliämie erhielt, bei der Patienten unter einem erhöhtem Kaliumspiegel im Blut leiden.

Konkurrenz könnte aber bereits bald ins Haus stehen – der Pharmakonzern AstraZeneca erwartet derzeit die US-Zulassung für sein Hyperkaliämie-Mittel. Durch die Übernahme des 2007 gegründeten Unternehmens mit mehr als 400 Mitarbeitern erhält Galenica nicht nur die weltweiten Rechte an Veltassa, sondern auch eine Vertriebsorganisation in den USA.

Galenica will sich 2017 in zwei eigenständig notierte Unternehmen aufspalten: das Pharmageschäft Vifor Pharma, in das Relypsa integriert werden soll, und das Apothekengeschäft Galenica Sante. Letzteres war bislang deutlich größer als Vifor Pharma. 2015 kam Galenica Sante auf einen Umsatz von 2,89 Milliarden Schweizer Franken, das waren gut 76 Prozent des Konzernumsatzes. Vifor Pharma setzte 967 Millionen Franken um.

Die Chemie- und Pharmabranche steuert auf ein Rekordjahr in Sachen Übernahme und Beteiligungen zu. Im ersten Halbjahr gab es der Studie zufolge weltweit 89 Deals mit einem Gesamtvolumen von fast 137 Milliarden Dollar. Im vergangenen ganzen Jahr wurde ein Transaktionsvolumen in Höhe von 230 Milliarden Dollar erreicht, wie eine aktuelle Analayse von OwC zeigte. PwC berücksichtigte dabei Fusionen und Übernahmen ab einem Volumen von 50 Millionen Dollar. Auch in der Eurozone zeigte sich ein Anstieg. Die Zahl der Deals mit Beteiligung aus der Eurozone stieg von 6 auf 16 Prozent. Schon in den ersten sechs Monaten wurden damit mehr Transaktionen mit Beteiligten aus der Eurozone durchgeführt als im gesamten vergangenen Jahr. Das Volumen liegt derzeit bei 109 Milliarden Dollar.

Das zum Verkauf stehende Berliner Spezialchemie-Unternehmen Atotech stößt Insidern zufolge auf großes Interesse aus der Branche und von Finanzinvestoren. Erste unverbindliche Gebote würden unter anderem von der belgischen Umicore und von Sinochem aus China erwartet, sagten drei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Finanzinvestoren wie CVC, Cinven, BC Partners, Advent, Bain und Carlyle dürften dann ebenfalls ihren Hut in den Ring werfen, sagten die Insider. Der französische Öl- und Gaskonzern Total als Verkäufer erhofft sich für den Spezialisten für Oberflächenveredlung und Anlagen für die Chip- und Leiterplattenindustrie einen Verkaufserlös von mehr als drei Milliarden Euro.

Auch der Ludwigshafener Chemieriese BASF und die ehemalige Total-Tochter Arkema hätten einen Blick auf Atotech geworfen. Ob sie mitböten, sei aber mehr als fraglich. Total hatte die Investmentbank Barclays im Juni mit dem Verkauf von Atotech beauftragt. Die Firma hat ihre Wurzeln in der Galvanotechnik-Sparte von Schering, die 1993 an die französische Elf Atochem verkauft worden war. Das Unternehmen setzt im Jahr rund eine Milliarde Euro um und erwartet für das laufende Jahr einen operativen Gewinn (Ebitda) von rund 250 Millionen Euro.

Atochem ist die letzte verbliebene Spezialchemie-Tochter von Total, nachdem Bostik 2014 an Arkema verkauft worden war. Total habe die Untergrenze für den Verkaufserlös auf das Zwölffache des Ebitda gesetzt, sagten die Insider. Die Franzosen erhofften sich aber eine Bewertung wie beim Konkurrenten Alent, der 2015 für das 14-fache des Ebitda an die amerikanische Plattform gegangen war.

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