Wirtschaft

Google expandiert in der Bioelektronik

Seit gut zwei, drei Jahren hat Google sein Engagement in der Gesundheitsbranche ausgebaut. Nun soll ein Joint Venture mit dem GlaxoSmithKline folgen.

Google will mit seinen kostenlosen Fahrrädern nicht nur die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördern. Das Unternehmen will in der Gesundheitsbranche ein großer Player werden. (Foto: Daniel Dionne/CC by sa 2.0)

Google will mit seinen kostenlosen Fahrrädern nicht nur die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördern. Das Unternehmen will in der Gesundheitsbranche ein großer Player werden. (Foto: Daniel Dionne/CC by sa 2.0)

Google und der größte britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) bündeln ihre Kräfte im neuen medizinischen Bereich der Bioelektronik. In den nächsten sieben Jahren wollen beide Seiten zusammen 540 Millionen Pfund in ein Gemeinschaftsunternehmen investieren, wie die Google-Biowissenschaftssparte Verily Life Science und GSK mitteilten.

Die neue Firma Galvani Bioelectronics soll Miniaturprodukte entwickeln, die Patienten eingesetzt werden, um elektrische Nervensignale modifizieren zu können. Dadurch sollen unregelmäßige oder veränderte Impulse wie sie in vielen Krankheiten vorkommen angepasst werden. GSK geht davon aus, dass so chronische Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis und Asthma behandelt werden können. Die Zulassung für erste Produkte könnte 2023 beantragt werden.

Galvani soll den Angaben zufolge hauptsächlich im Forschungszentrum von GSK im Norden von London angesiedelt sein. Ein zweiter Standort ist im kalifornischen South San Francisco vorgesehen. 55 Prozent an Galvani halte GSK, Verily 45 Prozent.

Google hat seinen Umsatz im zweiten Quartal um rund 21 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar und damit stärker als erwartet gesteigert. Der Umsatz mit Werbung auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets sowie bei Video-Angeboten habe sich stark entwickelt, teilte die Google-Mutter Alphabet nach Börsenschluss mit. Der Nettogewinn stieg um knapp ein Viertel auf 4,88 Milliarden Dollar.

Wie viel Potential hinter der Bioelektronik steckt, macht das Forschungszentrum Jülich deutlich: „Während die Elektronik Transistoren und Chips entwickelt, beschäftigt sich die Biologie mit Zellen, Synapsen und Proteinen, also den Bausteinen von Leben. Doch beide haben eine entscheidende Gemeinsamkeit: Sowohl elektronische Schaltkreise als auch biologische Systeme nutzen elektrische Impulse zur Informationsverarbeitung. Dieser Umstand birgt ein großes Potential – nämlich Technologien zu entwickeln, die greifen, wenn sensorische Systeme beim Menschen ausfallen. Anwendungsfälle wären also beispielsweise künstliche Netzhäute – also Retinaimplantate – für Blinde, Hörimplantate oder Prothesen, die sich direkt durch das Nervensystem des Patienten steuern lassen. Ebenfalls denkbar wären Biochips, die anhand von Messdaten aus dem unmittelbaren Umfeld schnell und zuverlässig Spurenstoffe zum Beispiel in Luft oder Wasser detektieren.

Google ist auf dem Feld der Bioelektronik kein Neuling mehr. Im vergangenen Jahr hatte Google verkündet, in die Herzforschung einzusteigen. Unter dem Motto „1 Team, 1 Vision, $ 50,000,000“ hat Google zusammen mit der American Heart Association (AHA) ein neues Projekt gegründet. Jeweils 25 Millionen wollen beide Partner für die Forschung rund um koronale Herzerkrankungen investieren. Das Unternehmen hat bereits in Forschungen zu Diabetes, Krebs und zum Alterungsprozess investiert. Neben der smarten Kontaktlinse für Diabetiker, Otis, hat sich Google auch eine Blutabnahme ohne Nadel patentieren lassen. Der Patentantrag beschreibt ein Blutentnahmesystem, das einen Gas-Strahl in ein Fass mit einem Mikropartikel schickt, der die Haut durchdringt. Um was für einen Mikropartikel es sich dabei handelt, wird nicht näher erläutert, allerdings ist er offenbar zu klein, um einen spürbaren Schmerz zu verursachen. Sobald Blut austritt, wird es in den Unterdruckbehälter gesaugt.

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