Forschung

Freiberger kreieren lebensechte Organe

Mehrere Organe konnten die Wissenschaftler schon kreieren, am Ende soll ein ganzer Mensch lebensecht nachgebildet werden. Die Deutschen Gesundheits Nachrichten sprachen mit dem Institut über den aktuellen Stand der Forschungen.

Dr. Gert Kühn aus dem Kreiskrankenhaus Freiberg und Marit Baltzer vom FILK Freiberg. (Foto: FILK)

Dr. Gert Kühn aus dem Kreiskrankenhaus Freiberg und Marit Baltzer vom FILK Freiberg. (Foto: FILK)

Menschliche Organe aus Gelatine, Chemikalien, Farben und Faserstoffen, die so echt aussehen, dass man sie kaum von dem Original unterscheiden kann: Daran arbeiten Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Leder und Kunststoffbahnen GmbH (FILK). Chirurgen sollen damit trainieren. Doch nicht nur die Hülle ist getreu nachgebildet. Sitzt ein Schnitt des Chirurgen falsch, gelangt beispielsweise aus der angeschlagenen Galle eine echt wirkende Gallenflüssigkeit. Die Entwicklung des Instituts würde es zukünftig erlauben, Tierversuchs-Organe und somit das Töten der Tiere dafür überflüssig zu machen.

Deutsche Gesundheits Nachrichten: Wie hoch war die finanzielle Stütze, die Sie vom BMWi erhalten haben?

Pressesprecherin Claudia Franz: Die Forschungsarbeiten umfassten zwei Projekte, eines davon mit Partnern, die aus Förderprogrammen des BMWi anteilig unterstützt wurden.

Sind Ihre Forschungen abgeschlossen?

Folgende Operationen sind fertig: Die Entnahme der Gallenblase, des Blinddarms und eine Gastroskopie. Geplant wird derzeit noch das Nachstellen des Operationskanals von der Eröffnung bis zum Zielgebiet. Außerdem sollen individualisierte Trainingslösungen auf Basis von medizinischen Bilddaten (MRT, CT, US) durchgeführt werden.

Haben Sie bereits Anfragen aus der Medizin für diese Organe erhalten oder aus der Wirtschaft?

Ja, aus der Medizin.

In welchem Kostenbereich würden Ihre Organe liegen?

Derzeit werden präparierte Organpakete, die Schlachttieren entnommen wurden für 120 € oder mehr für Trainingszwecke angeboten. Einfache Trainingstools zum Üben von chirurgischen Nähten oder Knoten liegen bei 30 bis 50 €. Die Preise unserer Modelle werden sich in diesem Gesamtumfeld einordnen, lagerfähig und geruchsfrei sein.

Können Sie anhand eines Organs erklären, wie der Herstellungsprozess funktioniert?

Jedes Organ (Leber, Galle, Blinddarm, Darm, Magen) wird unterschiedlich hergestellt. So unterschiedlich wie die Aufgaben und die Anatomie dieser Organe sind, sind verschiedene Techniken anzuwenden (Gießen, Extrudieren, Spritzgießen, etc). Auf Basis von Kollagen und modifizierten Derivaten davon werden Mischungen hergestellt, durch Zugabe von Additiven die Endeigenschaften eingestellt und die Materialien verarbeitet. Einige Kombinationen erfordern eine manuelle Nacharbeit (z.B. Integration der Galle in das Gallenbett). Das Besondere an den Organen ist, dass Haptik, Bildgebung und chirurgische Techniken (auch Laser und HF Chirurgie) daran analog zu realem Gewebe geübt werden können.

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