Wirtschaft

Großbritannien führt Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein

Die britische Regierung will stärker gegen die Fettleibigkeit vorgehen und führt eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke ein

Sweet, Sweet Galaxy by Pip & Pop, Installation. (Foto: Karen Rue/Flickr/CC by 2.0)

Sweet, Sweet Galaxy by Pip & Pop, Installation. (Foto: Karen Rue/Flickr/CC by 2.0)

Für noch süßere Getränke ist ein höherer Steuersatz geplant. Der Regierung zufolge werden Verbraucher nicht belastet, weil es sich um eine reine Unternehmenssteuer handelt. Erhoben wird sie nur auf Produkte, denen Zucker zugesetzt wird, und nicht etwa auf Fruchtsäfte. Die Einnahmen sollen für Gesundheitsprogramme für Schulkinder verwendet werden.

Großbritannien hat weltweit einen der höchsten Anteile von fettleibigen Menschen. Die Regierung befürchtet, dass die Zahlen in den kommenden Jahren weiter steigen, so dass im Jahr 2050 mehr als ein Drittel der Jungen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren und 20 Prozent der Mädchen betroffen sein könnten. Die Krankheit kostet dem staatlichen Gesundheitssystem NHS Schätzungen zufolge mehr als sechs Milliarden Pfund (sieben Milliarden Euro) im Jahr. Wichtigste Zuckerquelle für Kinder sind dem Gesundheitsministerium zufolge Softdrinks wie Cola.

Experten halten die neue Abgabe für unzureichend und fordern weitgehende Maßnahmen. Ein Vertreter der britischen Softdrink-Branche sprach dagegen von einer „Strafsteuer“, die Tausende Jobs gefährde und Übergewicht kaum beeinflusse. Mit der Einführung der Abgabe folgt Großbritannien Ländern wie Belgien, Frankreich, Ungarn oder Mexiko.

Mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk ist laut einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie von Foodwatch überzuckert. Die Verbraucherschutz-Organisation fordert wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung eine Hersteller-Abgabe nach dem Vorbild Großbritanniens. „Entweder reduzieren die Hersteller den Zuckergehalt drastisch, oder sie müssen sich an den milliardenschweren Gesundheitskosten beteiligen und Präventionsprogramme finanzieren“, erklärte die Organisation. Übermäßiger Konsum von Zucker erhöhe das Risiko für Diabetes und Fettleibigkeit.

Die Bundesregierung lehnt eine staatliche Abgabe auf zuckerhaltige Getränke allerdings grundsätzlich ab. „Es geht ja hier um eine Strafsteuer“, sagte ein Sprecher des Landwirtschafts- und Ernährungsministeriums. „Strafsteuern ändern in der Regel nichts am Ernährungsverhalten der Menschen. Deswegen geht für uns der Ansatz in die falsche Richtung.“ Die Bundesregierung setze auf andere Maßnahmen, wie zum Beispiel mehr Transparenz bei der Nährstoffkennzeichnung von Nahrungsmitteln.

Die Tester von Foodwatch untersuchten für ihre Studie 463 Limonaden, Energy Drinks, Saftschorlen, Eistees und Wasser mit Geschmackszusätzen auf deren Zuckergehalt. Im Schnitt enthalten diese sogenannten Erfrischungsgetränke der Studie zufolge sechs Stück Würfelzucker pro 250 Milliliter. Lediglich sechs der getesteten Produkte enthalten laut Foodwatch weder Zucker noch Süßstoffe.

Deutschland ist Foodwatch zufolge mit 80 Litern pro Jahr eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum an zuckergesüßten Getränken. Die Verbraucherschützer plädieren neben einer Zuckersteuer auch für eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben (rot für sehr zucker- und kalorienhaltig, grün für gesund und zuckerarm) sowie eine gesetzliche Beschränkung von an Kinder gerichtete Werbung für Süßgetränke.

Die Sprecherin der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker nannte die von Foodwatch geforderte Zuckersteuer eine Scheinlösung. „Wir dürfen die Verbraucher nicht in die Irre führen und bevormunden“, sagte sie. „Es bringt nichts, Zucker zum Sündenbock zu machen.“

Außer in Großbritannien gibt es auch in skandinavischen Ländern sowie in Frankreich, Belgien, Ungarn und Mexiko zusätzliche Steuern auf zuckerhaltige Getränke. In einigen Ländern wie den USA geht inzwischen der Trend der Verbraucher schon hin zu Fruchtsäften oder Wasser. Große Getränkekonzerne wie Coca-Cola oder PepsiCo stellen ihre Produktpalette daher auf die sich verändernden Trinkgewohnheiten ein.

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