Wirtschaft

Studie: Zahl der Krankenkassen wird sinken

Konkurrenzdruck, Digitalisierung und die zunehmenden Kosten werden in den kommenden Jahren die Zahl der Krankenkassen in Deutschland weiter reduzieren, so eine aktuelle Studie. Zudem wird es zu einer Verdoppelung der Zusatzbeiträge kommen. Die Last auf dem Gesundheitssystem nimmt zu.

TOP 10 Krankenkassen 2015. (Grafik: BDO)

TOP 10 Krankenkassen 2015. (Grafik: BDO)

Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch mehr als 400 Krankenkassen. Mittlerweile sind es nur mehr 128 Kassen. Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich im Wandel. Nicht nur bei den Ärzten auf dem Land und bei den Apothekern lichtet sich das Feld. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO geht davon aus, dass mittel- bis langfristig die Zahl der Krankenkassen zwischen 20 und 35 Prozent sinken wird. „Es wird eine kritische Finanzlage der Krankenkassen zukünftig erwartet, die zu steigendem Wettbewerbs- und Konzentrationsprozess der Krankenkassen führen“, heißt es in der Krankenkassenstudie 2015. Demnach werden nur mehr 80 bis 100 gesetzliche Krankenkassen auf dem Markt bestehen.

Grund für diese Entwicklung sind die demografische Entwicklung, der Flüchtlingsstrom und die Digitalisierung. Sie führen zu einer kontinuierlichen Kostensteigerung für die Kassen: „Effekte der Flüchtlingskrise werden für das Jahr 2017 erwartet, wenn rund eine Million von Flüchtlingen die Wartezeit von 15 Monaten überschritten haben dürfte und in das Krankenkassensystem kommt.“ Die Flüchtlingssituation werde demnach Auswirkungen auf die Krankenversicherungen haben. Ob es jedoch eine Unterdeckung geben wird, die die übrigen gesetzlichen Versicherten auch über eine mögliche Steigerung der Zusatzbeiträge zu tragen haben, ist ungewiss.

Zusätzlich zu den Fusionen und dem Verschwinden der Kassen wird auch eine Anhebung der Beiträge erwartet. Die Wissenschaftler rechnen für die kommenden drei Jahre mit einer Verdoppelung der Zusatzbeiträge für Arbeitnehmer auf 1,8 Prozent. „Eingeleitete und bevorstehende Reformen sowie die demografische Entwicklung werden zu erheblichen Ausgabensteigerungen führen“, so BDO Vorstandsmitglied Parwäz Rafiqpoor.

„Wenn keine Subventionierung durch den Bundeshaushalt erfolgt, können diese bis zu 40 Milliarden Euro nur durch entsprechende Zusatzbeiträge gedeckt werden. Und besonders die kleinen Kassen werden dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten.“ Zusätzlich dazu ist nicht auszuschließen, dass auch die Einheitsbeträge angehoben werden:

„Von den 20 Krankenkassen, die den niedrigsten Zusatzbeitrag erheben, ist ein Großteil nicht bundesweit zugänglich für Versicherte. Fünf Krankenkassen sind nur betriebsbezogen wählbar, lediglich vier Krankenkassen sind bundesweit für alle Versicherten geöffnet. Die Metzinger BKK, die als einzige Krankenkasse auch in 2016 keinen Zusatzbeitrag erhebt, ist nur für Versicherte in Baden-Württemberg geöffnet.“

Trotz der zu erwartenden Anhebung der Beiträge ist auch auf lange Sicht mit einer Anpassung des Leistungskataloges zu rechnen. In den nächsten 10 bis 20 Jahren wird diese aufgrund der demografischen Entwicklung durchgeführt werden müssen. Die Differenzierung bei den Satzungsleistungen wird zwischen den Krankenkassen hinsichtlich Höhe, Service und Qualität in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.

Mit aktuell etwa 6,9 Millionen Versicherten ist die Techniker Krankenkasse derzeit die größte Krankenkasse in Deutschland, dicht gefolgt von der Barmer GEK (6,9 Millionen). 13 der 118 Krankenkassen hatten 2015 einen Mitgliederschwund zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt acht Krankenhausfusionen. Bis zum 01.01.2017 wollen die Deutsche BKK und die Barmer GEK zusammengehen.

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