Wirtschaft

Sanofi schmiedet Allianz mit Google

Der französische Pharma-Riese Sanofi verbündet sich mit Google im milliardenschweren Markt der Diabetes-Behandlung.

Gemeinsam mit Sanofi will Google dem Blutzucker den Kampf ansagen. (Foto: Flickr/Michael Stern/CC BY-SA 2.0)

Gemeinsam mit Sanofi will Google dem Blutzucker den Kampf ansagen. (Foto: Flickr/Michael Stern/CC BY-SA 2.0)

Zusammen wollen sie rund 500 Millionen Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen investieren, wie die Google-Biowissenschaftsfirma Verily Life Science und Sanofi mitteilten. Die beiden Unternehmen halten an dem Joint Venture mit dem Namen Onduo je die Hälfte. Onduo soll Lösungen für Diabetes-Patienten entwickeln, die Software und Medizin verbinden. Denkbar sind nach Angaben von Sanofi beispielsweise Geräte, die nach der Messung von Blutzuckerwerten automatisch die passende Menge Insulin verabreichen.

Das Gemeinschaftsunternehmen konzentriert sich zunächst auf Patienten mit Diabetes Typ 2, der früher auch als Altersdiabetes bezeichnet wurde. Für die Pharmabranche ist es ein Milliardenmarkt: Diabetes gehört zu den größten Volkskrankheiten in Deutschland, die Weltgesundheitsorganisation WHO geht global von mehr als 420 Millionen an Diabetes erkrankten Menschen aus. Sanofi ist einer der weltgrößten Anbieter von Diabetes-Medikamenten, kämpft in dem Geschäft aber unter dem Patentverlust seines Kassenschlagers Lantus.

Erst kürzlich hatte sich Google schon mit einem anderen Pharmakonzern zusammengetan. Mit dem größten britischen Arzneimittel-Hersteller GlaxoSmithKline gründet der US-Internetkonzern ein Gemeinschaftsunternehmen im medizinischen Bereich der Bioelektronik, in das 540 Millionen Pfund (638 Millionen Euro) fließen sollen.

In den nächsten sieben Jahren wollen beide Seiten zusammen 540 Millionen Pfund in ein Gemeinschaftsunternehmen investieren, wie die Google-Biowissenschaftssparte Verily Life Science und GSK mitteilten.

Die neue Firma Galvani Bioelectronics soll Miniaturprodukte entwickeln, die Patienten eingesetzt werden, um elektrische Nervensignale modifizieren zu können. Dadurch sollen unregelmäßige oder veränderte Impulse wie sie in vielen Krankheiten vorkommen angepasst werden. GSK geht davon aus, dass so chronische Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis und Asthma behandelt werden können. Die Zulassung für erste Produkte könnte 2023 beantragt werden.

Galvani soll den Angaben zufolge hauptsächlich im Forschungszentrum von GSK im Norden von London angesiedelt sein. Ein zweiter Standort ist im kalifornischen South San Francisco vorgesehen. 55 Prozent an Galvani halte GSK, Verily 45 Prozent.

Google ist auf dem Feld der Bioelektronik kein Neuling mehr. Im vergangenen Jahr hatte Google verkündet, in die Herzforschung einzusteigen. Unter dem Motto „1 Team, 1 Vision, $ 50,000,000“ hat Google zusammen mit der American Heart Association (AHA) ein neues Projekt gegründet. Jeweils 25 Millionen wollen beide Partner für die Forschung rund um koronale Herzerkrankungen investieren.

Und auch in Sachen Diabetes ist Google bereits ein bekanntes Gesicht: zuletzt mit Otis, einer Kontaktlinse für Diabetiker. Diese soll den Blutzuckergehalt über die Tränenflüssigkeit messen. In diesem Sommer stieg sogar der Pharmakonzern Novartis in das Projekt mit ein. Und mit GoogleFit hat Google gemeinsam mit der DNA-Test-Firma 23andMe bereits eine Datenbank von 850.000 DNA-Proben gesammelt. Diese haben Nutzer freiwillig abgegeben und dazu noch je 99 Dollar für die Auswertung gezahlt. Zwei der größten Pharmafirmen, Roche und Pfizer, haben bereits Deals mit 23anME abgeschlossen, um diese DNA-Daten für ihre Forschung nutzen zu können. Doch Google will langfristig nicht nur zuliefern, sondern eigene Medizin machen.

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