Finanzen

Biotech-Firma Adienne will an die Schweizer Börse

An der Schweizer Börse SIX zeichnet sich in den nächsten Wochen ein weiterer Neuzugang der Pharmabranche ab

Für Biotech-Firmen werden die Märkte weltweit attraktiv. (Foto: Flickr/Images Money/CC BY 2.0)

Für Biotech-Firmen werden die Märkte weltweit attraktiv. (Foto: Flickr/Images Money/CC BY 2.0)

Die Biotechnologiefirma Adienne will sich mit dem Börsengang Geld zur Entwicklung von Medikamenten gegen seltene Krankheiten holen. Das Hauptaugenmerk liege dabei auf Arzneien zur Behandlung von Blut- und Immunkrankheiten. Das Unternehmen ist im Privatbesitz, beschäftigt an drei Standorten in Italien, Spanien und der Schweiz insgesamt rund 60 Leute.

Firmengründer Antonio Francesco Di Naro, der Adienne auch operativ leitet, will nach dem Initial Public Offering (IPO) einen deutliche Aktienmehrheit behalten. Damit wäre Adienne der vierte Neuzugang der Schweizer Börse in diesem Jahr.

Mit Tepadina hat Adienne bereits ein Medikament auf dem Markt, das zur Vorbereitung von Patienten auf eine Knochenmarktransplantation eingesetzt wird. Mit dem Geld aus dem Börsengang soll vor allem die Arznei Begelomab vorangetrieben werden, die in der Phase II/III der klinischen Entwicklung steckt. Details zum geplanten IPO nannte Adienne nicht.

Mit der Arznei soll eine immunologische Reaktion des Körpers infolge einer Knochenmarkstransplantation behandelt werden: die sogenannten Graft-versus-Host-Reaktionen (GvHR). Dabei wenden sich die T-Zellen des Spenders gegen den Empfängerorganismus und können Haut, Leber und Darm schädigen – und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Die europäischen Biotechfirmen haben insgesamt 6,26 Milliarden Euro im vergangenen Jahr an der Börse einsammeln können. 2014 waren es noch 3,44 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von über 80 Prozent. 25 Börsengange fanden 2015 in Europa statt. Im vergangenen Jahr wagte die Schwäbische Curetis den Sprung an die Amsterdamer Börse Euronext, ebenso Probiodrug aus Hamburg. An der New Yorker Nasdaq versuchte dagegen der Tübinger Krebs-Spezialist Affimed 2014 sein Glück.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 579 Unternehmen im Bereich der Biotechnologie. „Die Medizintechnikbranche profitiert hierbei eindeutig vom äußerst robusten Börsenboom des Biotech-Sektors“, sagt Siegfried Bialojan. „Es wird entscheidend sein, wie das dadurch erzeugte Interesse des Kapitalmarkts an High-Tech-Entwicklungen insgesamt nachhaltig aufrechterhalten werden kann.“ Hier müsse die Branche anknüpfen, denn sie werde sich nicht immer auf das derzeit noch positive Zinsumfeld verlassen können. „Investoren wollen in Zukunft noch stärker von der Qualität der Innovationen überzeugt werden.“  Der Umsatz der deutschen Biotechnologie-Branche lag 2014 bei drei Milliarden Euro. In Forschung und Entwicklung investierten die Unternehmen wiederum 950 Millionen Euro.

Im August hatte die Schweizer Galenica angekündigt, das US-Biotechunternehmen Relypsa zu übernehmen. 2015 machten die Kalifornier bei einem Umsatz von 18,5 Millionen Dollar einen Nettoverlust von knapp 179 Millionen Dollar. Große Hoffnungen setzen die Amerikaner auf das Medikament Veltassa, das 2015 als erstes Mittel seit über 50 Jahren in den USA die Zulassung für die Behandlung von Hyperkaliämie erhielt, bei der Patienten unter einem erhöhtem Kaliumspiegel im Blut leiden.

Konkurrenz könnte aber bereits bald ins Haus stehen – der Pharmakonzern AstraZeneca erwartet derzeit die US-Zulassung für sein Hyperkaliämie-Mittel. Durch die Übernahme des 2007 gegründeten Unternehmens mit mehr als 400 Mitarbeitern erhält Galenica nicht nur die weltweiten Rechte an Veltassa, sondern auch eine Vertriebsorganisation in den USA.

Galenica will sich 2017 in zwei eigenständig notierte Unternehmen aufspalten: das Pharmageschäft Vifor Pharma, in das Relypsa integriert werden soll, und das Apothekengeschäft Galenica Sante. Letzteres war bislang deutlich größer als Vifor Pharma. 2015 kam Galenica Sante auf einen Umsatz von 2,89 Milliarden Schweizer Franken, das waren gut 76 Prozent des Konzernumsatzes. Vifor Pharma setzte 967 Millionen Franken um.

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