Pharma

Übernahmen in der Chemiebranche erreichen Rekordzahlen

Chemieunternehmen steuern einer Studie zufolge in diesem Jahr auf einen neuen Rekord bei Übernahmen zu. Wenn sich der Trend des ersten Halbjahres fortsetze, könnte 2016 das Jahr mit den bislang teuersten Unternehmensübernahmen in der Chemiebranche werden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

 Anzahl und Volumen der Deals ab 50 Millionen Dollar, 1. Halbjahr 2016. (Grafik: PwC)

Anzahl und Volumen der Deals ab 50 Millionen Dollar, 1. Halbjahr 2016. (Grafik: PwC)

Wenn sich der Trend des ersten Halbjahres fortsetze, könnte 2016 das Jahr mit den bislang teuersten Unternehmensübernahmen in der Chemiebranche werden, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

„Die Ankündigung der Mega-Fusion zwischen Dow Chemical und DuPont im vergangenen Jahr hat die Branche in Bewegung versetzt“, erklärte PwC-Chemieexperte Volker Fitzner. „Bis Ende des Jahres können wir sicherlich mit einer weiterhin hohen Dynamik im M&A-Markt rechnen.“ Im ersten Halbjahr gab es der Studie zufolge weltweit 89 Deals mit einem Gesamtvolumen von fast 137 Milliarden Dollar. Im vergangenen, ganzen Jahr wurde ein Transaktionsvolumen in Höhe von 230 Milliarden Dollar erreicht.

PwC berücksichtigte dabei Fusionen und Übernahmen ab einem Volumen von 50 Millionen Dollar. In den USA hatten im Dezember die Chemiekonzerne Dow Chemical und DuPont die größte Fusion aller Zeiten in der Chemiebranche angekündigt. Mit den bisherigen Transaktionen sind die M&A-Aktivitäten damit bereits jetzt größer als die Aktivitäten der Gesamtjahre 1998 bis 2014. Vor allem in Europa haben sich die Aktivitäten verstärkt. In den ersten Monaten verdreifachte sich der Anteil der Transaktionen mit europäischer Beteiligung. „Europa hat im ersten Halbjahr 2016 ein fulminantes Comeback hingelegt“, so Fitzner von PwC. „Das schon jetzt rekordverdächtige Transaktionsvolumen im laufenden Jahr lässt sich nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Übernahmeaktivitäten europäischer Firmen und Investoren zurückführen.“

Auch in der Eurozone zeigte sich ein Anstieg. Die Zahl der Deals mit Beteiligung aus der Eurozone stieg von 6 auf 16 Prozent. Schon in den ersten sechs Monaten wurden damit mehr Transaktionen mit Beteiligten aus der Eurozone durchgeführt als im gesamten vergangenen Jahr. Das Volumen liegt derzeit bei 109 Milliarden Dollar.

Mit der geplanten Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer stehe die Chemiebranche vor dem größten Deal aller Zeiten, der komplett in bar bezahlt werden soll. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geht davon aus, dass der Konsolidierungstrend anhält, vor allem in der Agrar- sowie der Spezialchemie. „Deutsche Firmen sind hieran maßgeblich beteiligt und schärfen ihre Portfolios mit Zukäufen von US-Unternehmen“, sagte Vir Lakshman von KPMG. So hatte etwa der Spezialchemiekonzern Evonik im Mai angekündigt, für 3,8 Milliarden Dollar eine Sparte des US-Konzerns Air Products übernehmen zu wollen. BASF setzt mit dem 3,2 Milliarden Dollar schweren Kauf des Lackspezialisten Chemetall ebenfalls auf das Spezialchemiegeschäft.

Während europäische Unternehmen verstärkt auf Einkaufstour gehen, steigt gleichzeitig das Interesse von ausländischen Investoren an ihnen. So will etwa ChemChina den Schweizer Pflanzenschutzspezialisten Syngenta für 43 Milliarden Dollar kaufen. „Die Patente, das technische Know-how sowie die strategisch gute Marktpositionierung europäischer Chemieunternehmen wecken die Kauflust ausländischer Investoren, allen voran aus China“, sagte Fitzner. Allerdings liegt der regionale Schwerpunkt der M&A-Aktivitäten weiterhin in China selbst. „Durch eine stetige Konsolidierung der heimischen Chemieindustrie versucht die chinesische Regierung international konkurrenzfähige Großkonzerne zu schaffen“, so Fitzner. „Neben dem Zukauf ausländischen Know-hows ist dies die zweite Säule ihrer Branchenstrategie.“

 

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